Ein Flugzeug auf dem Flughafen von Mallorca | EPA

Chaos am Flughafen von Mallorca Ein lang geplanter Fluchtversuch?

Stand: 08.11.2021 13:12 Uhr

Eine außerplanmäßige Landung hat den Flughafen von Mallorca am Freitag mehrere Stunden lahmgelegt. Nun erhärten sich die Hinweise, dass der Vorfall ein lang geplanter Fluchtversuch von Migranten war.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Freitag, 18:50 Uhr: Ein Airbus der Air Arabia Maroc auf dem Weg von Casablanca nach Istanbul landet auf dem Flughafen Palma wegen eines medizinischen Notfalls. Ein Diabetiker an Bord habe das Bewusstsein verloren. Die Maschine parkt auf dem Rollfeld, ein Krankenwagen kommt. Die Sanitäter kümmern sich um den Mann und bringen ihn schließlich ins Krankenhaus.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Das Flugzeug kann nicht sofort wieder abheben, es muss neu betankt, Formalitäten müssen geklärt werden. So lange bleibt die Kabinentür geöffnet. Um kurz nach 20 Uhr schließlich springen 21 Passagiere auf, überrennen die Flugbegleiterinnen und stürmen aus der Maschine.

"Niemand wusste, was los war"

Ein Fluggast hält die Szene mit seinem Smartphone fest. Das Video zeigt, wie die Männer über die Rollbahnen laufen und in der Dunkelheit verschwinden. Armando Ramonis sitzt in diesem Moment im Abflugbereich des Terminals.

Er will nach Madrid fliegen und sieht plötzlich nur noch Blaulichter auf der Piste. "Niemand wusste, was los war. Wir dachten, dass vielleicht ein Flugzeug einen Schaden hat oder notgelandet ist. Dann haben einige auf Twitter gelesen, was passiert ist, und die Stimmung kippte. Die Leute um mich herum wurden nervös, dachten an ein mögliches Attentat." Im Terminal seien auch viele Deutsche gewesen. Es ist Ferienende in Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen.

Flüge mussten umgeleitet werden

Der Flughafen stellt für fast vier Stunden den Betrieb ein. Ankommende Flüge werden nach Ibiza, Menorca und Barcelona umgeleitet. Schließlich stellt sich heraus, dass der mutmaßlich kranke Passagier gar nicht krank war und seinen diabetischen Schock nur vorgespielt hat - möglicherweise um die Landung des Flugzeuges zu erzwingen und die Flucht der anderen Passagiere zu ermöglichen.

Aina Calvo, die Vertreterin der spanischen Regierung auf den Balearen, sagt dazu am Wochenende: "Passagiere haben sich hier den international geltenden Regeln widersetzt. Die Ermittlungen laufen. Schon klar ist, dass dieser Vorfall in unserem Land beispiellos ist."

Absprache in Online-Community?

Es verdichten sich die Hinweise, dass die Aktion genauestens geplant gewesen sein könnte. Die Spur führt laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE zu einer Online-Community namens "Brooklyn". Tausende junge Marokkaner gehören ihr an. Ein Eintrag aus dem Juli beschreibt demnach genau das, war nun in Palma passiert ist. Dort heißt es:

Wir brauchen 40 Freiwillige. Alle Leute aus Brooklyn buchen einen Flug über Spanien in die Türkei.

Ein Passagier müsse dann so tun, als sei er erkrankt, das Flugzeug lande außerplanmäßig und die anderen reisen illegal ins Land ein. Auch auf Facebook soll dieser Plan veröffentlicht worden sein.

Neun Personen sind untergetaucht

Möglich wurde die Flucht der 21 Marokkaner in Palma offenbar auch, weil der Krankenwagen nicht von der Polizei zum geparkten Flugzeug begleitet wurde. Das sehen die Sicherheitsprotokolle des Flughafens in einem solchen Fall bisher nicht vor. Spanische Medien berichten außerdem, dass es am Freitag Probleme bei der Koordination zwischen verschiedenen Polizeibehörden gegeben habe. Die Protokolle würden jetzt geändert.

Die Polizei hat inzwischen zwölf der geflüchteten Passagiere aus der Maschine auf Mallorca gefasst. Neun sind offenbar auf der Insel untergetaucht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. November 2021 um 10:41 Uhr.