Ein Mann und kleine Kinder stehen in einem behelfsmäßigen Lager in der Provinz Balkh, Afghanistan. | dpa

84 Millionen Vertriebene Zahl der Flüchtlinge weltweit gestiegen

Stand: 11.11.2021 13:50 Uhr

Weltweit sind 84 Millionen Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Folgen des Klimawandels. Das geht aus einem Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks hervor. UN-Kommissar Grandi wirft der internationalen Gemeinschaft Versagen vor.

Konflikte, Gewalt und Auswirkungen des Klimawandels treiben immer mehr Menschen in die Flucht. Die Zahl der Vertriebenen weltweit sei zwischen Ende 2020 und Juni 2021 von 82,4 auf 84 Millionen gestiegen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR).

Fast 51 Millionen Menschen leben nach UN-Angaben als Binnenvertriebene. In der ersten Hälfte des Jahres 2021 seien weltweit Konflikte und Gewalt wieder aufgeflammt. Besonders stark stieg die Zahl in Afrika. Dort mussten 1,3 Millionen Menschen allein in der Republik Kongo und 1,2 Millionen in Äthiopien ihre Heimat verlassen.

UN-Kommissar: "Internationale Gemeinschaft versagt"

Ähnlich schlecht entwickelte sich die Lage in Myanmar, wo das Militär im Februar putschte, und in Afghanistan, wo sich vor der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban im August die Kämpfe zugespitzt hatten. Auch die Zahl derjenigen, die im Ausland Schutz suchten, stieg an. 

In dem Bericht wird auch festgestellt, dass die Corona-Grenzbeschränkungen den Zugang zu Asyl an vielen Orten weiterhin erschweren.

"Die internationale Gemeinschaft versagt dabei, Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen, die weiterhin Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, zu verhindern", sagte UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. "Darüber hinaus verschärfen die Auswirkungen des Klimawandels die Notlage in vielen Gebieten, in denen die Vertriebenen leben."

5,7 Millionen vertriebene Palästinenser

Grandi verlangte von der internationalen Gemeinschaft mehr Bemühungen um Frieden. Zugleich müsse sie Mittel für die Vertriebenen und ihre Aufnahmeländer bereitstellen. Gemeinschaften und Staaten mit den geringsten Ressourcen schulterten noch immer die größte Last bei der Versorgung der Flüchtlinge, betonte Grandi.

Zu der Gesamtzahl von 84 Millionen zählt das UNHCR auch 5,7 Millionen seit Jahrzehnten aus ihrer Heimat vertriebene Palästinenser sowie 3,9 Millionen Venezolaner. Letztere haben Venezuela wegen der katastrophalen Lage dort verlassen. Sie leben meist in den Nachbarländern und arbeiten, ohne Asyl zu beantragen.

Die Genfer Flüchtlingskonvention

Die Genfer Flüchtlingskonvention wurde am 28. Juli 1951 am europäischen Hauptsitz der UN in Genf verabschiedet und trat am 22. April 1954 in Kraft. Die Konvention galt zunächst nur für Menschen, die bis 1951 geflohen waren. Ein Protokoll von 1967 hob die zeitliche Beschränkung auf.

Laut Konvention gelten Menschen als Flüchtlinge, die ihr Herkunftsland verlassen mussten, weil sie wegen ihrer "Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung" verfolgt wurden.
Das Abkommen garantiert unter anderem den Schutz vor Benachteiligung im Aufnahmeland. Flüchtlinge können Gerichte anrufen und haben die gleichen religiösen Rechte wie die Einwohner des Landes. Sie haben darüber hinaus Anspruch auf einen Flüchtlingsausweis und dürfen nicht in ihr Herkunftsland zurückgeschickt werden.

Allerdings können viele Flüchtlinge ihre Rechte wegen Geldmangel, der fremden Sprache und bürokratischer Hürden im Aufnahmeland nicht durchsetzen. Die Konvention gilt auch nicht für sogenannte Binnenflüchtlinge, die im eigenen Land auf der Flucht sind. Denn nach dem Völkerrecht haben die Regierungen die Pflicht, sich selbst um das Wohl ihrer Bürger zu kümmern.

Von der Genfer Konvention zu unterscheiden ist der Globale Pakt für Flüchtlinge, den die UN 2018 verabschiedet haben. Dieser ist rechtlich nicht bindend, sondern eine politische Selbstverpflichtung, mit der die internationale Kooperation bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise gestärkt werden soll.

Derzeit sind mehr als 82 Millionen Menschen auf der Flucht. Es sind Binnenflüchtlinge, Flüchtlinge und Asylsuchende.

Quelle: epd

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.