Rettungsschiff Ocean Viking vor dem sizilianischen Hafen Augusta | AFP

572 gerettete Menschen "Ocean Viking" erreicht Sizilien

Stand: 09.07.2021 15:42 Uhr

Eine Woche lang suchte die Besatzung der "Ocean Viking" nach einem sicheren Hafen für mehr als 500 Gerettete. Nun ist der Seenotretter im Hafen Augusta auf Sizilien angelandet.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die "Ocean Viking" ist am Vormittag auf Sizilien eingetroffen. An Bord des Schiffes der Rettungsorganisation SOS Mediterranee befinden sich mehrere hundert Menschen, die die Besatzung in den vergangenen Tagen auf dem Mittelmeer gerettet hat.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Erleichterung herrschte bei der Besatzung und den von ihnen Geretteten, als die "Ocean Viking" im Hafen von Augusta festmachen konnte. Nach tagelangem Tauziehen hatten die italienischen Behörden gestern Abend grünes Licht gegeben, dass das Schiff der Rettungsorganisaton SOS Méditerranée Sizilien anlaufen darf. Die Besatzung der "Ocean Viking" hatte in mehreren Rettungsaktionen vor der libyschen und maltesischen Küste insgesamt 572 Menschen an Bord geholt.

Mehr als ein Viertel von ihnen sind nach Angaben von SOS Méditerrané unbegleitete Jugendliche und Kinder. Die Geretteten stammen unter anderem aus Bangladesch, Ägypten, Eritrea, dem Sudan und Libyen. Sie hatten versucht, über das Mittelmeer mit Holz- und Schlauchbooten nach Europa zu kommen. Nachdem Malta eine Aufnahme der Geretteten abgelehnt hatte, war die Situation an Bord der "Ocean Viking" problematisch geworden, unter anderem weil die Essensvorräte knapp wurden.

Covid-Tests und Quarantäne

Nach der Ankunft im Hafen von Augusta haben die italienischen Behörden angekündigt, dass für alle Menschen auf der "Ocean Viking" Covid-Tests durchgeführt werden sollen. Wo die Geretteten ihre vorgeschriebene Quarantäne verbringen können, ist noch unklar. Im Hafen von Augusta befindet sich bislang kein Quarantäne-Schiff. Entsprechende Schiffe haben die Italiener zuletzt in ähnlichen Fällen eingesetzt. Nach den Covid-Tests und der Quarantäne sollen die Menschen in verschiedene Aufnahmezentren in Italien gebracht werden.

Nach wie vor gibt es in der Europäischen Union keine Vereinbarung darüber, wie über das Mittelmeer ankommende Bootsmigranten in Europa verteilt werden. Vor Lampedusa hat die italienische Küstenwache unterdessen die Leichen mehrerer Menschen gefunden, die vor mehr als einer Woche mit ihrem Boot gekentert waren. An Bord sollen sich rund 60 Menschen befunden haben, 46 von ihnen konnten gerettet werden.