Eine Person zeigt mehrere Exemplare von toten Fischen, Mar Menor/Spanien. | dpa

Lagune Mar Menor Großes Fischsterben in Spanien

Stand: 25.08.2021 14:55 Uhr

Das Mar Menor in Südspanien ist Europas größte Salzwasserlagune. Seit Tagen werden dort tote Fische und Meerestiere an die Strände gespült - rund 4,5 Tonnen innerhalb nur einer Woche.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Das spanische Fernsehen zeigt Luftaufnahmen vom Mar Menor, gefilmt aus einem Hubschrauber. Das Wasser im südlichen Bereich der Lagune ist schwarz. Unmengen von abgestorbenem Seegras und andere Verwesungsreste von Pflanzen und Tieren treiben umher. 

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Aus der Nähe wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar: María García von der Bürgerplattform Mar Menor filmt mit ihrem Handy, wie sie an einem Strand entlanggeht, an den kübelweise tote Fische angespült wurden. Es sind vor allem kleine Fische, aber auch ein paar größere wie etwa Doraden oder Seezungen. "Wir Anwohner sind empört. Wir haben hier ein solches Naturjuwel, und die Politiker merken nicht, was gerade passiert."

Fischsterben seit Jahren ein Problem

Die Stadtverwaltung von Cartagena hat acht Strände vorübergehend geschlossen. Das Fischsterben in der Lagune ist schon seit Jahren ein Problem, doch bisher in weniger dramatischen Ausmaßen.

2019 waren in der Lagune schon einmal Tausende Fische verendet. Die Behörden sprachen damals von drei Tonnen - anderthalb Tonnen weniger als in den vergangenen Tagen ans Ufer geschwemmt wurden. Umweltschützer sind wütend, dass sich die Szenen von damals wiederholen. Sie werfen der Regierung der Region Murcia vor, nicht genug für den Schutz des Mar Menor zu tun - zum Beispiel dafür zu sorgen, dass weniger Schadstoffe aus der Landwirtschaft in das Wasser gelangen. 

Gemeindearbeiter säubern den Strand von toten Fischen, La Manga del Mar Menor/Spanien. | REUTERS

Zahlreiche Menschen sind nun damit beschäftigt, die toten Fische einzusammeln. Bild: REUTERS

Zu viel Dünger, zu hohe Temperaturen

Der industrielle Anbau von Obst und Gemüse ist in der Region ein wichtiger Wirtschaftszweig. Bei starkem Regen werde oft düngehaltiger Schlamm in die Lagune gespült, sagt Julio Barea, Gewässer-Experte bei Greenpeace Spanien. "Im konkreten Fall sprechen wir von Nitraten und Phosphaten. Sie sorgen dafür, dass explosionsartig Algen entstehen können. Die wiederum verbrauchen praktisch den ganzen Sauerstoff im Wasser. Und das führt dazu, dass im Prinzip kein anderes Lebewesen dort mehr überleben kann."

Hinzu kommen die hohen Temperaturen in diesem Sommer; vor einigen Tagen erst stiegen sie in der Region Murcia auf über 40 Grad. Dadurch wird das Wasser im Mar Menor wärmer, und der Sauerstoffgehalt nimmt noch weiter ab.

Regionalregierung fordert Hilfsgelder

Die konservative Regionalregierung sieht das Wetter als Hauptschuldigen der Entwicklung - und die sozialistische Zentralregierung in Madrid. Sie leiste zu wenig Unterstützung, sagt Regionalpräsident Fernando López Miras. Er verlangt, dass Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez den Katastrophenfall ausruft und damit Hilfsgelder freigibt. Das habe er schließlich den Regionen zugesagt, die von den Waldbränden der vergangenen Wochen heimgesucht wurden. "Nach den Worten des Ministerpräsidenten werden alle Gebiete, die in diesem Sommer Opfer von Naturkatastrophen wurden, unterstützt. Dazu muss auch das Mar Menor gehören. Bisher hat er aber nicht reagiert."

Die Politiker der Region hoffen, dass Umweltministerin Teresa Ribera bei ihrem heutigen Besuch feste Zusagen macht. Viele Anwohner und Naturschützer wünschen sich dagegen, dass die Regionalpolitiker auch selbst stärker handeln und nicht die Verantwortung nach Madrid abschieben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2021 um 06:15 Uhr.