Christos Pappás sitzt in einem Auto der griechischen Polizei. | dpa

Griechische Neonazi-Partei Vize der "Goldenen Morgenröte" in Haft

Stand: 02.07.2021 17:11 Uhr

Er war im Oktober 2020 abgetaucht: Der Vize-Chef der rechtsextremen griechischen Partei "Goldene Morgenröte", Pappas, ist festgenommen und in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht worden.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

10.00 Uhr vormittags am Berufungsgericht in Athen. Der Andrang griechischer Medien ist groß, jeden Moment soll Christos Pappas hier ankommen. Er gilt als Nummer zwei der rechtsextremen und rassistischen Partei "Goldene Morgenröte". Am Abend zuvor meldete die griechische Polizei seine Verhaftung.

Verena Schälter

Pappas war am 1. Oktober 2020 untergetaucht - nur wenige Tage, bevor ein Gericht ihn und sechs weitere Abgeordnete der Goldenen Morgenröte zu 13 Jahren Haft verurteilte. Im Vorfeld hatte die Polizei stets betont, dass keine Fluchtgefahr bestünde, da man die Angeklagten auf Schritt und Tritt überwache.

Nach dieser Panne ist die Erleichterung beim Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, entsprechend groß: "Die Verhaftung des flüchtigen stellvertretenden Anführers der 'Goldenen Morgenröte' war das letzte offene Ende dieser kriminellen Organisation und ist das Ergebnis methodischer und systematischer Ermittlungen."

Verantwortlich für Morde und Überfälle

Der Prozess gegen Pappas und die anderen Mitglieder der "Goldenen Morgenröte" war wohl einer der wichtigsten seit dem Ende der griechischen Militärdiktatur 1974: Gut fünf Jahre hat das Verfahren gedauert, mehr als 130 Zeugen wurden vernommen.

Dabei war es um eine Fülle von Straftaten gegangen, die durch Anhänger der "Goldenen Morgenröte" verübt worden waren: zum Beispiel um den brutalen Überfall auf vier schlafende Ägypter in ihrer Wohnung im Athener Hafenviertel Piräus, um den Mord an einem pakistanischen Migranten und den tödlichen Messerangriff auf den linken Rapper Pavlos Fyssas.

Am Ende hat das Gericht die Partei als kriminelle Vereinigung eingestuft, sieben frühere Abgeordnete wurden für schuldig befunden, an der Spitze der Organisation gestanden zu haben.

Unter ihnen Christos Pappas. Nach seiner Verhaftung 2013 fand die Polizei bei der Durchsuchung seiner Wohnung Dutzende NS-Devotionalien und außerdem mehrere Videos. Eines zeigt einen kleinen Jungen in einem traditionellen griechischen Gewand mit Hakenkreuzfahne in der Hand und Hakenkreuzarmbinde. Ob es sich dabei um seinen Sohn handelt, ist unklar.

Glühender Hitler-Verehrer

Christos Pappas ruft "Heil Hitler" und der Junge hebt daraufhin den ausgestreckten rechten Arm zum Hitlergruß. "Gut gemacht, mein Junge!" lobt Pappas. Ein anderes Video zeigt, wie ein Kind einem anderen den Hitlergruß beibringt. Der glühende Hitler-Verehrer Pappas gilt als das ideologische Rückgrat der "Goldenen Morgenröte".

Im Zuge der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise ist die Partei 2012 auf der nationalen Bildfläche erschienen und erstmals ins griechische Parlament eingezogen. Drei Jahre später wurde sie sogar vorübergehend drittstärkste Kraft.

Bei der Wahl 2019 allerdings scheiterte sie an der Drei-Prozent-Klausel und ist seitdem nicht mehr im griechischen Parlament vertreten.

Kurzer Gerichtstermin

Am Gerichtsgebäude warten immer noch die Journalisten auf die Ankunft Pappas. Mittlerweile ist es schon Mittag. Dann geht alles ganz schnell: Ein silberfarbener Geländewagen kommt angefahren, verschwindet in der Tiefgarage. Pappas sitzt auf dem Rücksitz, neben ihm Polizisten mit Sturmmaske. Keine Viertelstunde später wird Pappas wieder weggefahren.

Laut Pappas Anwalt Periklis Stavrianakis hat der Staatsanwalt die Vollstreckung des Urteils im Domokos-Hochsicherheitsgefängnis in Zentralgriechenland angeordnet. Auch die meisten anderen verurteilten Mitglieder der Goldenen Morgenröte sitzen dort ihre Strafe ab.

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 02. Juli 2021 um 14.23 Uhr.