Polizei in Wien

Korruptionsaffäre in Österreich Meinungsforscherin festgenommen

Stand: 12.10.2021 15:14 Uhr

Im Zuge der Korruptionsermittlungen um den österreichischen Ex-Kanzler Kurz ist laut Medienberichten eine Meinungsforscherin festgenommen worden. Sie soll eine zentrale Rolle bei der Erstellung geschönter Umfragen gespielt haben.

In Österreich ist in der Korruptionsaffäre rund um die konservative ÖVP nach Medieninformationen eine Meinungsforscherin festgenommen worden. Ein entsprechender Bericht der Zeitung "Der Standard" wurde der österreichischen Nachrichtenagentur APA aus Anwalts- und Regierungskreisen bestätigt.

Die Demoskopin wird demnach von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, eine zentrale Rolle bei der Erstellung von geschönten Umfragen zum Vorteil der ÖVP gespielt zu haben, die dann in Medien platziert worden seien. Dafür sollen Steuergelder veruntreut worden sein. Grund für die Festnahme soll Verdunkelungsgefahr sein. Die Beschuldigte soll laut Zeitung kurz vor einer Hausdurchsuchung am 6. Oktober die Festplatte ihres Computers gelöscht haben.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigte den Vorgang nicht. Sie erklärte, dass sie in laufenden Ermittlungsverfahren Anfragen zu konkreten Ermittlungsmaßnahmen nicht beantworten dürfe. Die Anwältin der Verdächtigen äußerte sich bisher nicht.

Beschuldigte bestreiten Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und neun weitere Verdächtige wegen möglicher Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit. Das Team um Kurz soll den Aufstieg des 35-Jährigen in Partei und Regierung auch durch eine Zusammenarbeit mit einem Medienhaus organisiert und dafür Steuergeld verwendet haben.

Kurz und das Medienhaus bestreiten die Vorwürfe vehement. Der Ex-Kanzler verwies auf die auch für ihn geltende Unschuldsvermutung. Seinen Rücktritt begründete er lediglich mit einer ansonsten drohenden "Pattsituation", die der grüne Koalitionspartner herbeigeführt habe. Die Grünen hätten sich bewusst von ihm abgewandt, kritisierte Kurz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Oktober 2021 um 12:10 Uhr.