Ein Polizist steht an einer abgesperrten Straße in Liverpool. | AFP

Nach Explosion in Liverpool Großbritannien erhöht Terrorwarnstufe

Stand: 16.11.2021 01:25 Uhr

Nach der Explosion eines Taxis in Liverpool geht die britische Polizei von einem Terrorakt aus. Die Terrorwarnstufe wurde angehoben. Mehrere Personen wurden festgenommen, sind aber wieder auf freiem Fuß. Verhinderte der Taxifahrer Schlimmeres?

Nach der Explosion eines Taxis in Liverpool hat Großbritannien die Terrorwarnstufe auf die zweithöchste Stufe angehoben. Die Terrorgefahr sei von "erheblich" auf "schwerwiegend" gesetzt worden, teilte die britische Innenministerin Priti Patel mit. Zuvor war eine Bombe in einem Taxi vor einem Krankenhaus in Liverpool explodiert.

Ein Mann war bei dem Vorfall am Sonntagvormittag vor einer Frauenklinik in der nordwestenglischen Stadt getötet worden, als das Auto in Flammen aufging. Ein weiterer Mann - der Taxifahrer - wurde verletzt. Er konnte Berichten zufolge am Montag bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Verdächtiger wieder freigelassen

Die Anti-Terror-Einheit veröffentlichte am Abend den Namen des Getöteten. Es handle sich um einen 32-Jährigen namens Emad Al S., so die Ermittler. Der Mann habe Verbindungen zu zwei Wohnungen in Liverpool gehabt, die von der Polizei durchsucht wurden. Im Zusammenhang mit dem Fall wurden zudem vier Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren festgenommen. Die Polizei vernahm die vier und ließ sie danach wieder frei.

Es werde davon ausgegangen, dass der Fahrgast den improvisierten Sprengsatz selbst hergestellt habe, sagte der Sprecher weiter. Unklar sei aber noch, warum er diesen zu der Klinik gebracht habe und warum die Bombe so unvermittelt explodiert sei. Den Sicherheitsbehörden sei der Mann zuvor nicht bekannt gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Kreise.

Spekulationen, Ziel eines Anschlagsversuchs sei womöglich eine Gedenkveranstaltung für Gefallene am sogenannten Remembrance Sunday gewesen, wollte die Polizei nicht bestätigen. Man sei sich der räumlichen und zeitlichen Nähe zu den Gedenkzeremonien bewusst, aber man könne hier noch keine Verbindung herstellen, so der Polizeisprecher. In diese Richtung werde aber unter anderem auch ermittelt.

Am Montag wurde zudem ein 20-Jähriger festgenommen. Nach Angaben des Leiters der Anti-Terror-Einheit im Nordwesten Englands, Russ Jackson, wurden an einer zweiten Adresse in Sefton Park, in der Nähe von Kensington, "bedeutende Gegenstände" gefunden. Dort soll auch der Fahrgast in das Taxi gestiegen sein.

"Heroische Anstrengungen"

Auch zur Rolle des Taxifahrers äußerte sich die Polizei zunächst nicht. Medien hatten zuvor unter Berufung auf Freunde des Mannes berichtet, er habe den mutmaßlichen Attentäter in dem Auto eingesperrt, nachdem er sich in Sicherheit gebracht hatte. Die Tageszeitung "Sun" feierte den Fahrer daher bereits als "Helden". Regierungschef Johnson lobte die "unglaubliche Geistesgegenwärtigkeit und den Mut" des Taxifahrers.

Liverpools Bürgermeisterin Joanne Anderson lobte den Taxifahrer in einem BBC-Interview für "seine heroischen Anstrengungen". "Mit seinem heldenhaften Verhalten hat der Taxifahrer es geschafft, eine mögliche Katastrophe in dem Krankenhaus abzuwenden, die absolut grauenhaft hätte werden können", sagte Anderson. Zu Details wollte sie sich nicht äußern; es sei aber bereits früh bekannt gewesen, dass der Fahrer das Taxi verlassen und die Türen verschlossen habe, so Anderson weiter.

Der britische Premierminister Boris Johnson sagte, es sei verfrüht, sich im Detail zu dem Vorfall zu äußern, da die Ermittlungen noch andauerten. "Aber es sieht so aus, als hätte sich der betreffende Taxifahrer mit unglaublicher Geistesgegenwart und Tapferkeit verhalten", sagte Johnson.

Kathedrale als mögliches Anschlagsziel?

Als mögliches Ziel eines vereitelten Anschlags machten Medien eine Veranstaltung zum Gedenken an die Gefallenen am Remembrance Sunday aus. In der nahe gelegenen Kathedrale seien zum Zeitpunkt der Explosion Tausende Menschen versammelt gewesen, so die Berichte.

Premierminister Boris Johnson sprach den Betroffenen des "fürchterlichen Vorfalls" sein Mitgefühl aus. "Ich möchte mich bei den Rettungskräften für ihre schnelle Reaktion und ihre Professionalität sowie der Polizei für ihre andauernden Ermittlungen bedanken", schrieb Johnson auf Twitter.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. November 2021 um 12:00 Uhr.