EU-Außenpolitiker sitzen an einem Tisch vor den Flaggen der Mitgliedsländer | AFP

Afghanistan EU stellt den Taliban Bedingungen

Stand: 03.09.2021 14:16 Uhr

Die EU ist zur Zusammenarbeit mit den Taliban bereit - allerdings unter Bedingungen, die die Außenminister bei einem Treffen festgelegt haben. Eine Chance zur Kooperation könnte die Geldnot der Islamisten bieten.

Die EU-Staaten wollen auf der Suche nach Kontakten zu den radikal-islamischen Taliban in Afghanistan koordiniert vorgehen. "Wir haben entschieden, das abgestimmt zu machen, einschließlich einer gemeinsamen Präsenz in Kabul", sagte der Außenbeauftragte Josep Borrell bei einem Treffen der EU-Außenminister. Voraussetzung für eine solche Präsenz in der Hauptstadt sei allerdings, dass die Sicherheitslage dies zulasse.

Auch sonst knüpft die EU eine mögliche Zusammenarbeit mit den Taliban an Bedingungen. Das "operative Engagement" mit den neuen Machthabern soll schrittweise hochgefahren werden, wenn die Taliban eine Regierung unter Einbindung anderer politischer Kräfte bilden und die Ausreise von Schutzbedürftigen ermöglichen, sagte Borrell.

Borrell: Es geht nicht um politische Anerkennung

Zudem sollen die radikalen Islamisten die Einhaltung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit gewähren, humanitäre Hilfe ermöglichen und garantieren, dass Afghanistan nicht wieder zu einer Basis für Terrorgruppen wird. "Wir werden mit der neuen Regierung in Afghanistan in Dialog treten müssen", sagte Borrell. Es gehe nicht um politische Anerkennung. Für die EU geht es vor allem darum, dass Tausende Staatsbürger und Ortskräfte ausfliegen können, die derzeit in Afghanistan festsitzen.

Eine Grundlage für die Verständigung war nach Angaben von EU-Diplomaten ein deutsch-französisches Papier zum Thema. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte den Taliban darin in Aussicht gestellt, dass Deutschland die derzeit gestoppten Entwicklungshilfe-Zahlungen für Afghanistan unter bestimmten Bedingungen wieder aufnehmen könnte.

Taliban brauchen dringend Geld

Die Taliban sind dringend auf Finanzhilfen angewiesen, um ihr hungerndes Land am Laufen zu halten. Auch Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn sieht in dieser Situation eine Möglichkeit, den Taliban auf Augenhöhe zu begegnen.

Mit Informationen von Michael Schneider, ARD-Studio Brüssel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. September 2021 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.

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KOMMENTARE

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schabernack 03.09.2021 • 22:01 Uhr

21:53 von fathaland slim

«Auch im Koran finden Sie entsprechende Zitate. Alles eine Frage der Exegese.» Gibt nie und gar keine Debatte über Afghanistan, die nicht nach 15 Minuten zur Exegese Religiöser Schriften wird.