Anzeigetafel mit Flugverbindungen | AP

Reisebeschränkungen Abschottung gegen die Omikron-Variante

Stand: 26.11.2021 21:23 Uhr

Von den EU-Staaten bis zu den USA und Russland: Weltweit beschränken oder verbieten Länder Einreisen von Menschen aus dem südlichen Afrika. Damit soll die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante des Coronavirus verlangsamt werden.

Nach der Entdeckung der neuen Omikron-Variante des Coronavirus in Südafrika haben zahlreiche Länder Reisebeschränkungen für Passagiere aus einigen südlichen Ländern des Kontinents beschlossen oder angekündigt. Die EU-Staaten einigten sich am Abend in einer Sondersitzung darauf, alle Passagierflüge aus Botswana, Swasiland, Lesotho, Mosambik, Namibia, Südafrika und Simbabwe auszusetzen, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr. Die Vereinbarung ist für die EU-Staaten zwar nicht bindend. Den Angaben zufolge wurde sie jedoch von allen Ländern unterstützt.

Schon im Laufe des Tages hatten zahlreiche europäische Staaten Reisebeschränkungen verhängt. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gab zunächst bekannt, dass Südafrika zum Virusvariantengebiet erklärt werde. Am Abend teilte das Robert Koch-Institut mit, dass ab Sonntag auch Namibia, Simbabwe, Botswana, Mosambik, Swasiland, Malawi und Lesotho als Virusvariantengebiete eingestuft werden. Fluggesellschaften dürfen damit im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von dort nach Deutschland befördern. Es handelt sich aber nicht um ein Flugverbot. Für Einreisende gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht - auch für Geimpfte und Genesene. Sie kann auch nicht durch negative Tests verkürzt werden.

Auch USA und Großbritannien mit Einreiseverboten

Auch von den europäischen Staaten außerhalb der EU reagierten viele auf die aktuelle Entwicklung. Großbritannien kündigte Einreiseverbote für Menschen aus Südafrika und anderen Staaten der Region an. Die Schweiz verbietet alle direkten Flüge aus der Region des südlichen Afrikas für unbestimmte Zeit. Die Türkei schließt ihre Grenzen für Reisende aus Südafrika, Botswana, Mosambik, Namibia und Simbabwe. Russland führt ab Sonntag neue Reiseeinschränkungen für Ausländer aus einigen afrikanischen Ländern ein.

Auch die US-Regierung wird wegen der Entdeckung der neuen Virusvariante Einreisen aus dem südlichen Afrika einschränken und in vielen Fällen verbieten. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, erklärte das Weiße Haus. Betroffen sind demnach Einreisen aus Südafrika, Simbabwe, Namibia, Botsuana, Lesotho, Eswatini, Mosambik und Malawi. Die US-Beschränkungen würden nicht für einreisende US-Staatsbürger, Menschen mit unbefristeter Aufenthaltsgenehmigung und andere Ausnahmefälle gelten, hieß es aus dem Weißen Haus. Es blieb zunächst noch unklar, ab wann die Einreisebeschränkungen gelten sollen. In der Vergangenheit mussten diese durch einen Erlass des Präsidenten verfügt werden.

Die kanadische Regierung untersagte Ausländern die Einreise, die in den vergangenen 14 Tagen im südlichen Afrika waren. Alle Kanadier, die in dem Zeitraum dort waren, müssen sich Ankunft testen lassen und in Quarantäne, bis ein negatives Ergebnis vorliegt. Ebenso verfährt Australien, wie Gesundheitsminsiter Greg Hunt mitteilte. Ein Verbot für Flüge aus sechs afrikanischen Ländern herrscht nun auch in Brasilien.

WHO sieht Reisebeschränkungen kritisch

Die Weltgesundheitsorganisation sieht die von vielen Staaten verhängten Reisebeschränkungen für das südliche Afrika kritisch. Wegen der neuen Variante sollten solche Maßnahmen nicht vorschnell verhängt werden, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier. Aus Sicht der Organisation sollten Schäden für den internationalen Verkehr vermieden werden. 

Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla bezeichnete die Reaktion vieler Länder als "unberechtigt". Bisher sei es unklar, ob B.1.1.529 ansteckender sei als andere Varianten, sagte er. Maßnahmen wie Einreiseverbote verstießen gegen existierende Normen und Standards der WHO. Man habe mit den Mitteilungen am Donnerstag lediglich Erkenntnisse südafrikanischer Wissenschaftler schnellstmöglich teilen wollen, sagte Phaahla. B.1.1.529 ist die wissenschaftliche Bezeichnung der Virusvariante, die von der WHO mittlerweile "Omikron" genannt wird.