David Sassoli | EPA

EU-Parlamentspräsident Sassoli gestorben "Ciao David"

Stand: 11.01.2022 07:45 Uhr

EU-Parlamentspräsident Sassoli ist überraschend verstorben - im Alter von 65 Jahren. Sein Tod löste in seinem Heimatland Betroffenheit aus. Der gelernte Journalist galt als ausgleichender Charakter.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

In seinem Heimatland hat der Tod David Sassolis Betroffenheit ausgelöst. "Ciao David, lebenslanger Freund", schrieb Italiens Kulturminister Dario Franceschini auf Twitter.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Sassoli war zuletzt in Italien in einem Krebszentrum in der Region Friaul behandelt worden. Nach Angaben seines Sprechers war der EU-Parlamentspräsident im Dezember ins Krankenhaus gekommen wegen "einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems". Bereits im September musste der 65 Jahre alte Sassoli wegen einer Lungenentzündung stationär behandelt worden.

Erst TV-Journalist, dann Politiker

Der Sozialdemokrat arbeitete vor seinem Einstieg in die Politik in Italien lange als Fernsehjournalist. Viele seiner Landsleute erinnern sich an Sassoli noch als Moderator der RAI-Hauptnachrichtensendung, die der gebürtige Florentiner mehrere Jahre präsentierte.

Anfang der 2000er-Jahre war Sassoli unter dem damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi politischem Druck ausgesetzt. Der gelernte Politikwissenschaftler kandidierte daraufhin 2009 für das Europaparlament, gefördert unter anderem vom damaligen Parteichef des sozialdemokratischen PD, Walter Veltroni.

Harter Kurs gegen Polen und Ungarn

Sassoli bekam bei der Europawahl 2009 die meisten persönlichen Präferenzstimmen aller italienischen Kandidatinnen und Kandidaten. Zum EU-Parlamentspräsidenten wurde Sassoli 2019 gewählt. Er galt als ausgleichende Persönlichkeit, die auch den Dialog mit politischen Gegner suchte - mit Engagement allerdings forderte Sassoli beispielsweise Strafen für Polen und Ungarn, als Konsequenz für die ihnen vorgehaltenen Rechtsverstöße.

In einem seiner letzten öffentlichen Auftritte im Dezember appellierte Sassoli in Brüssel, Europa dürfte nicht nachlassen in seinen Anstrengungen, gemeinsam gestärkt aus der Covid-Krise herauszukommen.

Wir haben im ersten Teil der Legislatur schon einen wichtigen Weg zurückgelegt in Bezug auf die Antworten, die wir auf die Krise gegeben haben, mit beispiellosen Maßnahmen. Aber damit darf sich niemand zufriedengeben. Wir müssen weitermachen - unter anderem bei der Verteidigung, im Digitalen. Wir müssen weiter Innovation schaffen.

Praktizierender Katholik

Ein wichtiges Thema für Sassoli war auch der Umgang mit Flüchtlingen. Als Parlamentspräsident kritisierte er die Abschottungspolitik vieler EU-Mitgliedsstaaten. Der Sozialdemokrat Sassoli war praktizierender Katholik, als Jugendlicher hatte er sich in katholischen Jugendgruppen engagiert.

Sassolis Sprecher schreibt auf Twitter, Ort und Zeit der Beerdigung des EU-Parlamentspräsidenten würden im Laufe des Tages bekanntgegeben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Januar 2022 um 09:00 Uhr sowie Inforadio um 07:47 Uhr.