Autos stauen sich vor dem Hamburger Elbtunnel | dpa

Verkehrsziele der EU-Kommission Mehr Schiene, weniger Abgase

Stand: 09.12.2020 15:20 Uhr

Die EU will den Klimawandel auf die Straße, die Schiene und aufs Wasser bringen. Saubere Autos, Schiffe und Flugzeuge sollen zur Klimaneutralität verhelfen. Die Strategie für den umweltfreundlichen Verkehr steht schon jetzt.

Im Kampf gegen den Klimawandel will die EU-Kommission die Mobilität in Europa komplett neu ausrichten. Dafür berät das Gremium heute über die "Strategie für eine nachhaltige und smarte Mobilität" - ein Maßnahmenpaket mit rund 80 Punkten und Zielen für die kommenden zehn, 15 und 30 Jahre.

Das Konzept der EU sieht einen umfassenden Wandel vor - und zwar auf der Straße, Schiene, auf dem Wasser und in der Luft. So sollen bis 2030 mindestens 30 Millionen emissionsfreie Autos auf den Straßen in den EU-Staaten unterwegs sein. Dafür soll die Infrastruktur angepasst werden, also genügend Ladestationen für E- und Wasserstoffautos gebaut werden. Auch beim autonomen Fahren will die EU ordentlich zulegen: Bis 2030 soll das laut Strategiepapier in großem Stil möglich sein.

Strengere Grenzwerte für Schadstoffausstoß geplant

Der für die Klimapolitik zuständige Vize der EU-Kommission, Frans Timmermans, bestätigte zudem, dass die Richtlinien für striktere CO2- und Schadstoffgrenzwerte verschärft werden sollen. Bis spätestens zum kommenden Sommer soll ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet werden. "Es ist klar, dass wir die Emmissionsregeln anziehen müssen", betonte Timmermans und fügte hinzu: "Ich kann die Tatsache nicht verbergen, dass wir streng sein müssen."

Gleichzeitig will die EU das Reisen per Zug attraktiver gestalten. Dafür sollen in zehn Jahren doppelt so viele Hochgeschwindigkeitszüge eingesetzt werden wie aktuell auf den Schienen verkehren. Aber auch durch überarbeitete Passagierrechte und mehr digitale Möglichkeiten beim Ticketkauf soll das Reisen per Zug leichter werden. So soll künftig etwa ein Ticket reichen, um von einem Verkehrsmittel auf ein anderes zu wechseln - vom Leihwagen in den Zug zum Beispiel.

Mehr Transport auf Schiene und Wasser

Des Weiteren sollen auch mehr Waren auf der Schiene transportiert werden: Bis 2030 will die EU den Frachtverkehr per Zug um 50 Prozent steigern. Der Warentransport per Binnenschiff und auf kurzen Seewegen soll um 25 Prozent zunehmen. Dafür sollen in zehn Jahren emissionsfreie Schiffe marktreif sein. Etwas mehr Zeit gibt die EU der Luftfahrt. Hier ist das Jahr 2035 als Zielmarke gesetzt, um emissionsfreie Flugzeuge marktreif zu machen.

Insgesamt sollen bereits in zehn Jahren kollektive Reisen mit Entfernungen unter 500 Kilometern möglich sein, ohne dass dabei Abgase ausgestoßen werden. Zudem sollen bis 2030 mindestens 100 Städte in der EU bereits klimaneutral sein.

Um ihre Strategie zu realisieren will die EU von 2021 bis 2030 nochmals Investitionen aus öffentlicher und privater Hand von bis zu 130 Milliarden Euro pro Jahr aufbringen - hauptsächlich für neue Fahrzeuge inklusive Schiffe und Flugzeuge. Hinzu könnten nochmals bis zu 100 Milliarden Euro jährlich für den Ausbau der benötigten Infrastruktur kommen.

Wandel soll Verkehr auch sicherer machen

Alles, um das eine große Ziel zu erreichen, das sich die EU schon mit ihrem "Green Deal" vor rund einem Jahr gesetzt hatte: die Klimaneutralität bis 2050. Dann sollen alle EU-Staaten Treibhausgase entweder komplett vermeiden oder in gleichem Maße ausgleichen können, wie Emissionen ausgestoßen werden.

Bis dahin sollen fast alle Autos, Vans, Busse und neue Lastwagen emmissionsfrei fahren und sich der Frachtverkehr auf der Schiene vedoppeln. Durch den Wandel im Verkehr erhofft sich die EU-Kommission auch, dass die Zahl der Verkehrstoten nahezu auf Null sinken wird.

Strategie bleibt "hinter dem Möglichen und Nötigen" zurück

Doch nicht allen reichen die Pläne der EU aus. Für die Umweltorganisation Greenpeace reicht die Marke von rund 30 Millionen abgasfreien Autos bis 2030 nicht aus. Das Ziel bleibe hinter dem Möglichen und Nötigen zurück. Allein Deutschland wolle bis dahin bis zu zehn Millionen emissionsfreie Autos auf die Straße bringen.

Der Europaabgeordnete Markus Ferber kritisierte den Entwurf als zu grün und zu vage: Die Strategie "scheint von Umweltexperten verfasst zu sein, nicht von Verkehrsexperten", sagte der CSU-Politiker der "Süddeutschen Zeitung". So fehlten zum Beispiel echte Lösungsansätze, um auch ländlichen Regionen den Anschluss an die moderne Verkehrswelt zu ermöglichen.

Der Klimaschutz wird auch die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag beschäftigen. Dann wollen sich die Mitgliedstaaten auf ein neues Emissionsreduktionsziel für das Jahr 2030 verständigen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Dezember 2020 um 12:11 Uhr.