Ein Schild mit der Aufschrift "Impfzentrum - Vaccination Centre" steht zwischen Absperrbaken am Messegelände Hannover. | dpa

Kampf gegen die Corona-Pandemie Viele Staaten verfehlen EU-Impfziel

Stand: 31.03.2021 19:33 Uhr

Bis Ende März sollten nach den Plänen der EU-Kommission mindestens 80 Prozent der Menschen über 80 Jahre gegen das Coronavirus geimpft sein. Doch davon sind die meisten Länder noch weit entfernt.

Mitte Januar hatte die EU-Kommission sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis März sollten die EU-Staaten demnach mindestens 80 Prozent des Personals in Gesundheits- und Sozialberufen und der über 80-Jährigen impfen. Dieses Ziel haben Deutschland und viele andere Länder teilweise deutlich verfehlt.

Wie das RKI auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, liegt der Wert für die Erstimpfung bei Menschen über 80 Jahre in Deutschland zwischen 59 Prozent für die Region Nordrhein in Nordrhein-Westfalen und 79,5 Prozent für Schleswig-Holstein. Vollständig mit zwei Impfdosen geschützt sind in dieser Gruppe noch viel weniger Menschen - zwischen 26 Prozent in Schleswig-Holstein und 47 Prozent in Niedersachsen. Eine bundesweite Impfquote gebe es bei dieser Altersgruppe nicht, da die Daten nur aus neun Bundesländern vorlägen, hieß es.

Malta an der Spitze - Schlusslichter Bulgarien und Lettland

Auch in andern EU-Ländern wird die angepeilte Quote nach Angaben der Gesundheitsbehörde ECDC bei weitem nicht erreicht. Demnach haben bis Ende März EU-weit knapp 60 Prozent der über 80-Jährigen die erste Impfdosis bekommen. Mit Blick auf den gesamten Impfschutz mit zwei Spritzen wurde das EU-Ziel den Daten zufolge in keinem Mitgliedsland erreicht. Vollständig geimpft wurde nur jeder Dritte.

In Malta haben demnach bereits fast 70 Prozent der über 80-Jährigen zwei Impfdosen erhalten, Dänemark und Slowenien folgen mit 52 beziehungsweise 47 Prozent. Schlusslichter sind Bulgarien (0,7 Prozent) und Lettland (0,6). In beiden Ländern herrscht Impfstoffknappheit, weil AstraZeneca deutlich im Lieferverzug ist. In Bulgarien haben die über 80-Jährigen außerdem keinen Vorrang beim Impfen. Bis 31. März wurden bei einer Bevölkerung von 6,9 Millionen Menschen insgesamt gut 460.000 Impfdosen verabreicht. Rund sechs Prozent der bulgarischen Erwachsenen sind damit zumindest erstgeimpft. Großbritannien kommt hier auf eine Quote von mehr als 50 Prozent.

Etwas besser bei Erstimpfung und Gesundheitspersonal

Bei der Erstimpfung haben Malta, Irland, Schweden und Finnland immerhin das 80-Prozent-Ziel erreicht. Portugal und Dänemark liegen knapp drunter. Zum Vergleich: Im Nicht-EU-Staat Island sind es bereits 98 Prozent. Einige EU-Staaten - auch Deutschland - meldeten die Daten allerdings nicht aufgeschlüsselt nach Altersgruppe an die EU-Behörde.

Vom Personal in Gesundheitsberufen wurden im Schnitt 61 Prozent zumindest einmal geimpft. Allerdings werden diese Daten nur von 13 EU-Staaten ans ECDC gemeldet. Die EU-Behörde betont, dass die Daten der aktuellen Woche stets mit Vorsicht zu betrachten seien und nachträglich noch verändert werden könnten. Auch dem RKI liegen für Deutschland keine Daten für das Personal in Gesundheits- und Sozialberufen vor.

Impfstoffhersteller liefern EU 107 Millionen Dosen im ersten Quartal

Auch wenn das Ziel der EU-Kommission vor allem wegen der Lieferprobleme der Hersteller verfehlt wurde, hält Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen daran fest, dass es machbar sei, bis Ende des Sommers 70 Prozent der Erwachsenen zu impfen.

Die Lieferungen von Impfstoff an die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union werden sich gegen Ende dieser Woche voraussichtlich auf insgesamt fast 107 Millionen Dosen belaufen. 67,2 Millionen davon stammen von BioNTech/Pfizer, 29,8 Millionen von AstraZeneca und 9,8 Millionen von Moderna, wie eine Sprecherin der EU-Kommission sagte.

Insbesondere wegen massiver Verzögerungen bei AstraZeneca blieben die Lieferungen demnach insgesamt hinter den Erwartungen für das erste Quartal 2021. Der britisch-schwedische Hersteller hatte ursprünglich bis Ende März 120 Millionen Dosen in Aussicht gestellt.

Die Kommission geht nun davon aus, dass die Lieferungen im zweiten Quartal deutlich anziehen werden. Bis Ende Juni werden demnach mindestens 300 Millionen Impfstoffdosen erwartet. Darin enthalten sind 55 Millionen Dosen des US-Herstellers Johnson & Johnson. Anders als bei den anderen Impfstoffen ist hier nur eine Impfung für einen umfassenden Schutz nötig. Das Johnson & Johnson-Vakzin war Mitte März in der EU zugelassen worden. Mit den ersten Lieferungen wird ab dem 19. April gerechnet. Der russische Impfstoff Sputnik V spielt zumindest in den Plänen der EU hingegen keine Rolle.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 20. März 2021 um 09:05 Uhr.