Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass läuft, liegen auf einem Impfzertifikat, das von einer Apotheke ausgestellt wurde | dpa

Corona-Strategie der EU "Wer geimpft ist, darf kommen"

Stand: 25.11.2021 18:19 Uhr

Angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen, will die EU die Gültigkeit der digitalen Impfnachweise verkürzen - damit schneller geboostert wird. Auch die Einreiseregeln sollen angepasst werden.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Die Pandemie ist alles andere als vorbei. Das Coronavirus mutiert und breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Zwar sind die Impfquoten über den Sommer europaweit gestiegen, allerdings ist inzwischen klargeworden, dass die Wirkung der Impfstoffe nach vier bis sechs Monaten nachlässt - und damit schneller als erhofft.

Stephan Ueberbach ARD-Studio Brüssel

Viele Staaten setzen zur Auffrischung inzwischen auf Booster-Impfungen, was EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ausdrücklich für richtig hält. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Geimpften immun bleiben", sagt sie. "Auffrischungsimpfungen bieten einen noch höheren Schutz als die ursprüngliche Impfung. Sie werden viele Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verhindern." 

Impfzertifikate nur noch neun Monate gültig

Die EU-Kommission will die Gültigkeit der digitalen Impfzertifikate auf neun Monate nach einer Grundimpfung begrenzen, damit die Menschen auch die Gelegenheit haben, ihren Impfschutz nach einem halben Jahr aufzufrischen - was im Moment in einigen Ländern allerdings nicht für jede Altersgruppe ohne weiteres möglich ist.

Das muss anders werden, sagt EU-Justizkommissar Didier Reynders, und: Die zeitliche Begrenzung der Impfzertifikate soll auch die Regierungen unter Druck setzen. "Das ist unser Ziel", erklärt Reynders. "Zu sagen: Wenn ihr das nicht macht, habt ihr nach neun Monaten viele Leute, die ohne Impfschutz dastehen. Darum ist es wichtig, nationale Strategien zu entwickeln, damit nach sechs oder neun Monaten die Booster-Impfung gegeben werden kann.“

Wie lange das Zertifikat nach einem Booster gültig bleiben soll, will die Kommission erst dann entscheiden, wenn es genug wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, wie sich die Auffrischung auf die Dauer des Impfschutzes auswirkt.

51 Länder auf fünf Kontinenten machen mit

Den digitalen Impfnachweis hält die Brüsseler Behörde für eine europäische Erfolgsgeschichte. 51 Länder auf fünf Kontinenten machen mit, zuletzt sind Singapur und Togo dazugekommen. "Das Zertifikat ist nicht nur in Europa ein großer Erfolg, sondern weltweit", sagt Justizkommissar Reynders und verweist darauf, dass der digitale Impfnachweis nicht nur für Reisefreiheit innerhalb der EU sorgt, sondern auch in vielen Mitgliedsstaaten fester Teil der Anti-Corona-Strategien geworden ist, der es den Menschen ermöglicht, ins Restaurant zu gehen oder Sport zu treiben. Welche Türen sich mit dem Zertifikat öffnen, entscheidet dabei jedes EU-Land für sich. 

Einreise für Geimpfte und Genesene

Eigentlich war die Regelung nur für ein Jahr gedacht, angesichts der weiterhin grassierenden Pandemie wird sie aber bis auf Weiteres verlängert. Auch die Regeln für nicht zwingend nötige Reisen aus Drittstaaten in die EU will die Kommission anpassen. Ab dem 1. März soll dafür ebenfalls ein Impfnachweis nötig sein, der nicht älter als neun Monate ist. "Wer geimpft ist, darf kommen", sagt Innenkommissarin Ylva Johansson. 

Genesene müssen zusätzlich einen negativen PCR-Test vorweisen. Das gilt auch für Reisende, die mit einem Impfstoff von der WHO-Notfallliste geimpft sind, der in der EU keine Zulassung hat. Ungeimpfte Kinder dürfen mit einem PCR-Test ebenfalls einreisen.

Geht es nach dem Willen der Kommission, sollen die neuen Regeln für das digitale Impfzertifikat ab dem 10. Januar gelten. Allerdings kann die Brüsseler Behörde nur Empfehlungen geben. Zuständig für Reiseregeln und Gesundheitspolitik sind nämlich die Mitgliedsstaaten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. November 2021 um 18:10 Uhr in den Nachrichten.