Kisten mit dem Impfstoff COVID-19 von AstraZeneca, der vom "Serum Institute of India" hergestellt wurde, kommen am Flughafen in Mogadischu (Somalia) an. | AP

Europäische Union Vorerst kein Impfstoff für ärmere Länder

Stand: 21.03.2021 12:06 Uhr

Der Druck aus den EU-Staaten sei zu groß, heißt es. Deshalb will die EU vorerst keinen Impfstoff an arme Länder spenden. Zuvor hatte die WHO um Unterstützung für ärmere Regionen gebeten.

Die EU wird nach Angaben von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorerst keine Impfstoff-Spenden für ärmere Länder zur Verfügung stellen. Die EU unterstütze bereits finanziell die internationale Covax-Initiative, die ärmeren Ländern Zugang zum Impfstoff gegen Covid-19 ermöglicht, mit 2,2 Milliarden Euro, sagte von der Leyen den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Covax habe bereits 30 Millionen Impfdosen in 52 Länder geliefert.

"Einen zusätzlichen Mechanismus der EU, mit dem wir als Union Impfstoff mit anderen Ländern teilen, werden wir aber erst starten, wenn wir eine bessere Produktionslage in der EU haben", betonte die Kommissionspräsidentin. "Jetzt gibt es erst mal einen ziemlichen Druck in den Mitgliedstaaten, selbst Impfstoff zu bekommen."

WHO bat reiche Länder um Spenden

Dagegen hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reiche Länder um Impfstoff-Spenden gebeten, damit auch in ärmeren Regionen das Coronavirus schnell bekämpft werden könne. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte für eine Initiative plädiert, mit der die reichen Länder möglichst schnell vier bis fünf Prozent ihrer Impfstoffmengen abgeben sollten.

In der EU wird Handlungsbedarf vor allem mit Blick auf den Westbalkan und die osteuropäischen Nachbarn diskutiert. So hatte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), gefordert, die EU solle als Zeichen der Solidarität Impfstoffdosen an die Westbalkan-Staaten schicken.

Impfungen vornehmlich in reichen Ländern

Von der Leyen hatte im Frühjahr 2020 offensiv dafür geworben, allen Menschen auf der Welt Zugang zu Impfstoffen gegen Covid-19 zu bieten. Vorerst entfällt der Großteil der Impfungen jedoch auf reiche Industrieländer.

Die Bemühungen für eine gerechte Verteilung der Impfstoffe in der Welt sind in dem sogenannten ACT-Accelerator (Access to Covid-19 Tools Accelerator) mit der Covax-Initiative gebündelt, die die WHO und die Impfallianz Gavi vorantreiben. Die USA waren erst beigetreten, nachdem Biden im Januar Donald Trump als Präsident abgelöst hatte.

Das Covax-Programm braucht in diesem Jahr 6,8 Milliarden Dollar, um sein Ziel zu erreichen, mit 1,3 Milliarden Dosen rund 20 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern zu impfen. Die WHO erklärte im Februar, es fehlten insgesamt 27 Milliarden US-Dollar für die allgemeine medizinische Antwort auf die Corona-Pandemie. Dabei seien neben Impfstoffen auch Forschung, Tests und Diagnostik mitgerechnet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. März 2021 um 10:51 Uhr in den Nachrichten.