Ursula von der Leyen | JOHN THYS/POOL/EPA-EFE/Shutterst

EU und Impfstoff "Vor die Welle kommen"

Stand: 17.02.2021 19:22 Uhr

Nach den vielen unerfreulichen Schlagzeilen wartet EU- Kommissionspräsidentin von der Leyen nun mit einer Erfolgsmeldung auf - die EU hat weitere 300 Millionen Impfdosen erworben. Und will aus den Erfahrungen lernen.

Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel

Millionen Menschen sind mittlerweile in der Europäischen Union gegen Corona geimpft, ein Drittel davon hat schon die zweite Dosis bekommen. Die EU-Kommission hat sich nach den Worten ihrer Präsidentin Ursula von der Leyen außerdem weitere 300 Millionen Dosen des Vakzins der US-Firma Moderna gesichert.

Jakob Mayr ARD-Studio Brüssel

Um auch gegen Mutationen des Virus gewappnet zu sein, will Brüssel neue Varianten besser erforschen und Impfstoffe anpassen. Dafür sollen nach von der Leyens Angaben Vertreter von Industrie, Wissenschaft und Behörden eng zusammenarbeiten:

Ziel ist, unsere gemeinsame Stärke einzusetzen, um in der nächsten Phase der Pandemie vor die Wellen zu kommen - von der frühen Erkennung der neuen Varianten bis zur schnellen Massenproduktion, wenn wir die Impfstoffe entsprechend angepasst haben.

Millionen für weitere Forschung

Frühe Erkennung von Mutationen - das soll über neue Tests geschehen und durch mehr Genomsequenzierung, also dadurch, dass die EU-Staaten positive Tests eingehend daraufhin untersuchen, ob sich das Erbgut des Virus verändert hat. Dafür stellt die Kommission 75 Millionen Euro bereit. Weitere 150 Millionen gibt Brüssel aus, um die Forschung an neuen Impfstoffen zu unterstützen. Schon erhobene Daten sollen besser und schneller ausgetauscht werden und rasch an die Europäische Arzneimittelagentur EMA fließen.

Ein EU-weites Netzwerk für klinische Studien könnte helfen. 16 Mitgliedstaaten sind beteiligt, 180 Krankenhäuser und Arztpraxen machen mit. Möglicherweise muss man sich künftig regelmäßig gegen Corona-Varianten impfen lassen - ähnlich wie bei der Grippe. Für neu entwickelte Impfstoffe gegen Mutationen soll es deshalb schnelle Zulassungen geben durch einen neuen Rechtsrahmen.

Denkbar, so von der Leyen, sei auch eine Notfallzulassung auf EU-Ebene mit geteilter Haftung unter den Mitgliedstaaten: "Das ist möglich, weil wir die Technologien, die dahinter liegen, inzwischen gut kennen. Das heißt, es muss nur die Anpassung beurteilt werden und nicht mehr der Impfstoff im Grundsatz."

Kommissionsvertreter von der Leyen, Kyriakides und Breton bei einer Pressekonferenz zur Corona-Bekämpfung in der EU | REUTERS

Mehr Kommunikation und eine weitreichendere Strategie: die Kommissionsverreter von der Leyen, Kyriakides und Breton bei ihrer Pressekonferenz. Bild: REUTERS

Neue Verträge erforderlich

Derzeit werden in der EU Impfstoffe der Hersteller BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca verimpft. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides betont: "Unsere zugelassene Impfstoffe wirken derzeit gegen die Varianten, die wir kennen. Aber es kommen weitere Mutationen und wir müssen Schritt halten."

Um Impfstoffe gegen Varianten anzupassen, braucht es nach den Worten von Kommissionschefin von der Leyen neue Verträge mit den Pharmakonzernen. Da gebe es mit den meisten Herstellern gute Erfahrungen. Für die Firmen seien garantierte Abnahmemengen wichtig.

Der Engpass bleibt

Aber der große Engpass bleibt vorerst bestehen. Die ganze Welt will den Impfstoff, die Produktionskapazitäten der Hersteller sind ausgelastet. Konkrete Lösungen kann auch die Kommission nicht anbieten. Industriekommissar Thierry Breton arbeitet als Leiter einer Taskforce eng mit den Unternehmen zusammen. Er sagt: "Wir müssen die Mittel bereitstellen, um den Firmen zu helfen, diese industrielle Großtat zu realisieren. Denn im Grunde verlangen wir von ihnen, die Produktion in vier, fünf Monaten hochzufahren, wofür sie vorher 18 Monate oder zwei Jahre gebraucht haben."

In Europa haben sich in den vergangenen Wochen vor allem neue Mutationen aus Großbritannien und Südafrika ausgebreitet, die ansteckender sind als das bisherige Coronavirus. In Deutschland liegt der Anteil der britischen Variante nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schon bei über 20 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2021 um 17:00 Uhr.