Eine Mutter geht mit ihren Kindern durch das Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos (Griechenland) | dpa

Griechenland 276 Millionen Euro für neue Flüchtlingslager

Stand: 29.03.2021 16:45 Uhr

Die EU will für 276 Millionen Euro neue Flüchtlingslager in Griechenland bauen. Das sagte EU-Innenkommissarin Johansson bei einem Besuch auf Lesbos. Dort soll das neue Lager noch vor diesem Winter bezugsfertig sein.

Die EU stellt 276 Millionen Euro für den Bau von neuen Flüchtlingslagern auf griechischen Inseln bereit. Wie EU-Innenkommissarin Ylva Johansson bei einem Besuch auf Lesbos mitteilte, sollen damit Zentren auf fünf Inseln gebaut werden. Das größte soll auf Lesbos entstehen und im nächsten Winter aufnahmebereit sein. "Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest", sagte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis, es solle aber im Frühsommer mit den Arbeiten begonnen werden. Erstmals wird die EU nach Fertigstellung auch einen Teil der Verwaltung übernehmen.

Kritik von Hilfsorganisationen

Derzeit befinden sich etwa 6500 Flüchtlinge auf Lesbos. Im September vergangenen Jahres hatten Brandstifter im dortigen Flüchtlingslager Moria ein Feuer gelegt, das die Einrichtung komplett zerstörte. Seitdem leben die Migranten dort in einem provisorischen Zeltlager. Weitere 6000 sind auf den Inseln Chios, Samos, Kos und Leros untergebracht.

Hilfsorganisationen kritisieren nicht nur die schlechten Bedingungen für die Menschen vor Ort - sie halten auch wenig von den neuen Plänen der EU. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen erklärte: "Das Modell der Abschottung zu kopieren und neu zu etikettieren, legt den Grundstein für eine erneute Katastrophe." Es sei versprochen worden, dass es keine Morias mehr geben soll, doch nun mache die EU genau das.

Johansson erklärte, dass es sich bei den neuen Lagern nicht um eine geschlossene Anlage handeln werde, wie zuvor vielfach kritisiert worden war. Die Menschen dürften das Lager selbstverständlich verlassen, aber Ausgang und Rückkehr würden kontrolliert, sagte sie.

Ermahnung an Ankara

Gleichzeitig forderte sie die Türkei dringend auf, die in einem Flüchtlingsabkommen von 2016 vereinbarte Rücknahme abgelehnter Asylbewerber wieder aufzunehmen. Die EU hatte im März 2016 ein Flüchtlingsabkommen mit der Türkei geschlossen. Ankara verpflichtete sich dabei, alle neu auf den griechischen Inseln ankommenden Migranten zurückzunehmen. Allerdings setzte Ankara im Sommer vergangenen Jahres die Rücknahme aus. Die türkische Regierung begründete dies damit, dass die EU ihre Zusagen aus dem Pakt nicht erfüllt habe.

Ylva Johansson | REUTERS

Johansson versprach Griechenland und den Migranten Unterstützung - und richtete klare Worte an die Türkei. Bild: REUTERS

Über dieses Thema berichtete am 29. März 2021 die tagesschau um 16:00 Uhr und Deutschlandfunk um 17:00 Uhr in den Nachrichten.