Ein Stuckateur versieht eine Hausfassade in der Hanauer Innenstadt mit Steinwolldämmplatten. | picture alliance/dpa

Klimaschutz und Energiesparen EU will Sanierungspflicht für einige Gebäude

Stand: 15.12.2021 16:39 Uhr

Brüssel ist es sehr ernst mit dem Klimaschutz: Das zeigt sich in neuen Vorschlägen der EU-Kommission. Sie will eine Sanierungspflicht für bestimmte Gebäude und eine Reform des Gasmarktes.

Von Holger Beckmann, ARD-Studio Brüssel

Es sind ehrgeizige Ziele, die von der EU-Kommission heute mit Blick auf eine deutliche CO2-Reduktion in den nächsten Jahren vorgelegt wurden. Wenn man die Maßnahmen dazu exakt umsetze, dann könne man damit bis 2030 wahrscheinlich 80 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen in der Gebäudewirtschaft erreichen, hieß es in Brüssel.

Holger Beckmann ARD-Studio Brüssel

Dass es so kaum kommen wird, daran ließ zwar auch EU-Kommissionsvize Frans Timmermans, zuständig für den europäischen "Green Deal", keinen Zweifel. Aber offenbar will man sich Großes vornehmen, um zumindest spürbar weiter zu kommen mit dem Klimaschutz in Europa.

Hohe Energiepreise - schlechte Wärmedämmung

Das sei auch mit Blick auf die derzeit hohen Energiepreise zentral, sagte Timmermans: "Millionen Menschen in Europa können ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen - oft leben sie in alten Gebäuden mit hohem Energieverbrauch. Haushalte mit niedrigem Einkommen leiden unter den derzeitigen Preisen ganz besonders. Ein Gebäude mit schlechter Wärmedämmung braucht bis zu zehnmal so viel Wärme wie ein gut isoliertes Haus."

Wärmedämmung im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Kommissionspläne steht deshalb eine Sanierungspflicht für nicht ausreichend wärmegedämmten Gebäude. Denn solche Immobilien verursachten allein ein Drittel der Treibhausgasemissionen in der EU. Deshalb müssten alle Neubauten vom nächsten Jahrzehnt an vollständig klimaneutral errichtet werden. Besitzer bestehender Häuser und Wohnungen sollen bis dahin Zeit haben, den Energieverbrauch ihrer Immobilien deutlich zu senken. Gebäude allerdings, die besonders wenig Wärme speichern, müssten schon bis 2027 effizienter gemacht werden.

Die EU-Kommission schätzt, dass rund 15 Prozent aller Häuser in der Europäischen Union in diese Kategorie gehören - die Zeit drängt also. Tatsache ist: Viele EU-Staaten haben Geld aus dem Europäischen Corona-Aufbaufonds für Investitionen in die Gebäudesanierung eingeplant.

Werden alte Gebäude wertlos?

In einigen Ländern fürchtet man allerdings, dass Brüssel insgesamt zu ehrgeizig vorgehen könnte und alte Gebäude wertlos werden. Vor allem in Italien gibt es solche Sorgen. Timmermans versuchte, den Befürchtungen entgegenzutreten - dabei half ihm sein Sprachtalent: Der Kommissionsvorschlag, so der Kommissionsvize auf Italienisch, sehe nicht vor, dass schlecht isolierte Häuser nicht mehr verkauft oder vermietet werden dürften. Vielmehr gehe es darum, den Energieverbrauch insgesamt zu senken. 

Reform des Gasmarktes

Das alles sind lediglich Vorschläge der Kommission. Sie müssen nun zwischen den Mitgliedsstaaten und mit dem Europäischen Parlament diskutiert werden.

Gleiches gilt angesichts der derzeit hohen Gaspreise für die Kommissionsinitiative für eine Reform des europäischen Gasmarktes. Dabei soll vor allem Wasserstoff künftig erheblich stärker mit EU-Geld gefördert werden. Es soll ein Markt für sogenannten grünen, weil klimaneutralen Wasserstoff entstehen, der Erdgasverbrauch soll zurückgedrängt werden.

Sache der Mitgliedsstaaten

Dass all das Realität wird, ist durchaus zweifelhaft. Denn letztlich sind solche Fragen vor allem Sache der Mitgliedsstaaten. Brüssel hat hier nur wenig Regelungskompetenz. Dennoch zeigt die Kommission: Ihr ist es ernst mit Klimaschutz und Klimaneutralität. Und sie setzt das Signal: Alle müssen mitziehen, damit das klappt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.

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Moderation 15.12.2021 • 21:59 Uhr

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