Ein Boot liegt auf dem ausgetrockneten Lago Poopo in Bolivien. (Archivbild: 23.01.2016) | picture alliance / dpa

EU-Dienst Copernicus Vergangene sieben Jahre waren die heißesten

Stand: 10.01.2022 17:23 Uhr

Der Trend der globalen Erwärmung setzt sich fort: Laut EU-Dienst Copernicus waren die vergangenen sieben Jahre die heißesten der Erde seit Beginn der Aufzeichnungen. Es sei dringend notwendig, die Treibhausgas-Emissionen zu senken.

Die vergangenen sieben Jahre waren nach Angaben des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus die sieben wärmsten der Erde seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979. Das Jahr 2021 war demnach das fünftwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, den Rekord hält weiter das Jahr 2016. Der vergangene Sommer war überdies der wärmste jemals gemessene seit Ende der 1970er-Jahre - knapp vor den Sommern von 2010 und 2018.

Dabei stach die auf Sizilien gemessene Temperatur von 48,8 Grad besonders hervor. Sie lag 0,8 Grad über dem vorherigen Europa-Rekord. Die Entwicklung zeige, dass der Klimawandel fortschreite, teilten die Copernicus-Wissenschaftler mit.

Eindringlicher Appell

Außerdem war 2021 von Extremwetter-Ereignissen geprägt - wie den Fluten, die neben Deutschland im Sommer auch Belgien und die Niederlande schwer trafen. An der Westküste der USA und in Kanada wüteten erneut Waldbrände, die nicht nur ganze Landstriche verwüsteten, sondern auch die Luftqualität massiv verschlechterten.

"2021 war erneut ein Jahr der Extremtemperaturen, mit dem heißesten Sommer in Europa, Hitzewellen im Mittelmeerraum, ganz zu schweigen von den ungekannt hohen Temperaturen in Nordamerika", sagte EU-Klimawandeldienst-Direktor Carlo Buontempo. "Diese Ereignisse sind eine dringliche Erinnerung an die Notwendigkeit, unsere Lebensweise zu ändern, entscheidende und effektive Schritte in Richtung einer nachhaltigen Gesellschaft zu unternehmen und die Treibhausgas-Emissionen zu senken", mahnte er.

Mehr Methan in der Atmosphäre

Denn 2021 seien neue Höchstwerte an Treibhausgasen gemessen worden, die auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen und für die Erderwärmung verantwortlich seien, sagte Buontempo weiter. So fanden die Klima-Experten heraus, dass besonders die Konzentration von Methan in der Atmosphäre im vergangenen Jahr erneut zugenommen habe.

Dieses Gas bleibt zwar kürzer in der Atmosphäre, ist dafür aber noch schädlicher als CO2, und entsteht etwa in der Landwirtschaft, auf Abfalldeponien oder in der Öl- und Gasindustrie. "Das ist besorgniserregend", sagte Vincent-Henri Peuch, Direktor des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes. Es sei weitere Forschung notwendig, um den starken Anstieg zu erklären und beantworten zu können, was besonders dafür verantwortlich ist

Ehrgeizige Maßnahmen nötig

Die jährliche Durchschnittstemperatur lag den Copernicus-Daten zufolge im vergangenen Jahr 1,1 bis 1,2 Grad höher als in der vorindustriellen Zeit. Im Klimapakt von Glasgow haben die Vereinten Nationen im November bekräftigt, die Erderhitzung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit stoppen zu wollen. Bislang reichen die Pläne der Staaten dafür jedoch bei weitem nicht aus.

Der Weltklimarat IPCC warnte vergangenes Jahr in einem Bericht, eine Erderwärmung um 1,5 Grad werde voraussichtlich bereits um das Jahr 2030 erreicht - also zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert. Ob eine weitere Erwärmung danach noch zu verhindern ist, ist auch in der Wissenschaft umstritten. In jedem Fall sind ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen nötig: Die weltweiten Treibhausgasemissionen müssten bis Ende dieses Jahrzehnts halbiert und bis 2050 auf null gesenkt werden.

Über dieses Thema berichtete BR24 in den Nachrichten am 10. Januar 2022 um 13:00 Uhr.