Urlauber kühlen sich am Strand von Punta Prima in Sant Lluis auf Menorca ab.

Europäischer Gewerkschaftsbund Für Millionen EU-Bürger ist Urlaub zu teuer

Stand: 02.08.2021 18:58 Uhr

Urlaub sollte kein Luxus für einige wenige sein, sagt der Europäische Gewerkschaftsbund. Eine Studie zeigt aber: Allein mehr als 35 Millionen schlecht bezahlte Menschen in der EU können sich keinen Sommerurlaub leisten.

In der EU können sich die meisten Familien mit geringem Einkommen keinen Sommerurlaub leisten. Das geht aus einer Studie des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) hervor. Laut dem Dachverband, der 45 Millionen Gewerkschaftsmitglieder in 38 europäischen Staaten vertritt, haben 35 Millionen Menschen in der EU nicht ausreichend Geld für den Urlaub. Unter ihnen seien viele schlecht bezahlte Arbeiterinnen und Arbeiter, hieß es vom EGB, der für die Studie auf Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat zurückgriff.

"Ein Urlaub sollte kein Luxus für einige wenige sein", sagte die stellvertretende EGB-Generalsekretärin Esther Lynch. "Während viele Angestellte weg sind und Freizeit mit Freunden und Familie genießen, gehen Millionen wegen niedriger Bezahlung leer aus." Diese Diskrepanz zeige, dass die Vorteile durch das Wirtschaftswachstum in Europa im letzten Jahrzehnt nicht fair aufgeteilt worden seien.

Deutschland rangiert im oberen Mittelfeld

Der Studie zufolge haben insgesamt sogar 28 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger ab 16 Jahren nicht die finanziellen Mittel, um für eine Woche in den Urlaub zu verreisen. Bei jenen, die armutsgefährdet sind - also weniger als 60 Prozent des nationalen Durchschnittseinkommens verdienen oder als Rente erhalten -, erhöht sich dieser Wert demnach auf 59,5 Prozent.

Besonders schlimm ist die Lage in Griechenland, wo 88,9 Prozent der armutsgefährdeten Bürgerinnen und Bürger sich keinen Urlaub leisten können. Dahinter folgen Rumänien (86,8%), Kroatien (84,7%) und Zypern (79,2%).

In Deutschland können sich 4,3 Millionen Menschen keinen Urlaub leisten, das entspricht 41,1 Prozent der armutsgefährdeten Bürgerinnen und Bürger. Damit liegt Deutschland europaweit im oberen Mittelfeld. Den geringsten Anteil an Armutsgefährdeten weist Finnland (30%) aus, dann kommen Luxemburg (30,8%) und Dänemark (31,7%).