Das neue Werk des Impfstoffherstellers BioNTech in Marburg. | AFP

BioNTech und AstraZeneca EMA genehmigt neue Impfstoffwerke

Stand: 26.03.2021 16:30 Uhr

Die Produktion war schon angelaufen, jetzt darf ausgeliefert werden: Die Europäische Arzneimittelbehörde hat zwei neue Impfstoffwerke zugelassen. Außerdem erleichterte sie den Transport des BioNTech-Vakzins.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat zwei Produktionsstandorten von Corona-Impfstoffen in Deutschland und den Niederlanden die offizielle Zulassung erteilt. Das Werk im mittelhessischen Marburg produziert den Impfstoff des Mainzer Unternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer. Die Firma Halix im niederländischen Leiden stellt das Präparat des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca her.

An beiden Standorten wurden bereits Impfdosen vorproduziert, diese durften ohne EMA-Zulassung allerdings nicht ausgeliefert werden. Jetzt steht einer kurzfristigen Auslieferung nichts mehr im Wege - dadurch könnten vor allem Engpässe bei der Bereitstellung des AstraZeneca-Impfstoffs kurzfristig abgemildert werden.

Impfzentren erhalten Vakzin aus Marburg im April

BioNTech teilte nach der EMA-Entscheidung mit, dass die ersten im Marburger Werk produzierten Impfstoffe bereits in den kommenden Tagen zur Abfüllung und Etikettierung nach Belgien transportiert würden. Danach seien noch abschließende Qualitätsprüfungen angesetzt. Die Auslieferung an die Impfzentren werde für die zweite Aprilhälfte anvisiert.

Unbekannt ist, wie groß die bereits vorproduzierten Vorräte in Marburg und Leiden sind und ob sie - im Fall des AstraZeneca-Impfstoffs - tatsächlich für die EU vorgesehen sind oder nicht doch für Großbritannien. In letzterem Fall könnte die EU den Export untersagen.

EU-Kommission drängt AstraZeneca zur Eile

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides begrüßte die EMA-Zulassung und hofft nach eigenen Angaben, dass wenigstens ein Teil der Lieferrückstände von AstraZeneca wettgemacht werden kann: "Wir erwarten jetzt, dass die Impfstoffe, die in diesem Werk hergestellt werden, in den nächsten Tagen an die EU-Mitgliedsstaaten ausgeliefert werden, als Teil der vertraglichen Verpflichtung und der Zusagen von AstraZeneca an die Bürger Europas." Einige EU-Staaten seien von den "enttäuschenden Lieferkürzungen" des britisch-schwedischen Herstellers stark betroffen, so die Kommissarin.

AstraZeneca hatte wiederholt seine Zusagen gekürzt und zuletzt 30 Millionen Impfdosen bis zum 30. März versprochen - ausgeliefert wurden bislang aber erst 17 Millionen. Bisher war für die Produktion von AstraZenca in der EU nur ein Werk in Belgien offiziell zugelassen. Der Impfstoff wird außerdem in den USA und in Großbritannien hergestellt.

Transport des BioNTech-Impfstoffs wird erleichtert

Neben der Zulassung der neuen Produktionsstätten erleichterte die EMA die Bedingungen für den Transport und die Lagerung des Impfstoffes von BioNTech und Pfizer erheblich. Das Vakzin könne kurzfristig auch in Standardkühlungen für Arzneimittel aufbewahrt werden, teilte die Arzneimittelbehörde mit.

Der BioNTech/Pfizer-Impfstoff musste bisher in speziellen Gefrierschränken bei Temperaturen bis minus 90 Grad aufbewahrt werden. Daher war die Impfung nur in großen Zentren möglich. Nun erlaubt die EMA auch den Transport und die Lagerung der Ampullen bei Temperaturen von minus 25 bis minus 15 Grad - für einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen. Dafür reichen Standardkühlungen für Arzneimittel aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. März 2021 um 15:00 Uhr und 16:00 Uhr in den Nachrichten.