Der Sitz der europäischen Arzneimittelagentur in Amsterdam | REMKO DE WAAL/EPA-EFE/Shuttersto

Coronavirus EMA gibt AstraZeneca-Vakzin frei

Stand: 29.01.2021 19:39 Uhr

Die europäische Arzneimittelagentur EMA hat die Zulassung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca empfohlen. Eine Altersobergrenze für Impfwillige nannte sie nicht. Die Ständige Impfkommission bleibt für Deutschland bei 64 Jahren als Grenze.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat eine bedingte Zulassung des Covid-19-Impfstoffs des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca empfohlen. Sie gelte für Personen ab 18 Jahren, teilte die EMA mit.

Eine Altersobergrenze nannte die EMA nicht. Die Behörde wies aber darauf hin, dass es noch nicht genügend Daten über die Wirksamkeit des AstraZeneca-Präparats bei älteren Menschen gebe, um zu beurteilen, wie effektiv es bei diesen sei. Die EMA begründet die Empfehlung ohne Altersobergrenze mit den guten Test-Resultaten bei den übrigen Altersgruppen sowie Erfahrungswerten mit anderen Impfstoffen. Der Hersteller hatte zuvor Berichte als falsch zurückgewiesen, dass der Impfstoff bei über 65-Jährigen nur zu acht Prozent wirksam sei.

In Deutschland nur bis 64 Jahre

Für Deutschland bleibt die Ständige Impfkommission bei ihrer Empfehlung, den AstraZeneca-Impfstoff nur unter 65-Jährigen zu verabreichen. Diese Empfehlung veröffentlichte das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite. Laut STIKO liegen für die Beurteilung der Impfeffektivität bei älteren Menschen bisher keine ausreichenden Daten vor.

Langzeitwirkung und Nebenwirkungen werden weiterhin geprüft

EMA-Chefin Emer Cooke sagte, vor der nun erfolgten Zulassungsempfehlung seien die Daten zum Wirkstoff von AstraZeneca gründlich geprüft worden. "Die wissenschaftliche Basis unserer Arbeit unterstreicht unsere feste Verpflichtung, die Gesundheit von EU-Bürgern sicherzustellen."

Auch nach der Empfehlung und einer bedingten Marktzulassung würden die Experten weiterhin Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit überwachen. Bei einer bedingten Zulassung ist der Hersteller verpflichtet, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln. Auch Angaben zu möglichen Nebenwirkungen werden weiterhin geprüft.

EU-Kommission verkündet Zulassung

Wenige Stunden nach der Empfehlung der EMA ließ die EU-Kommission den Impfstoff zu. Das teilte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit. Es ist die dritte Zulassung eines Covid-19-Impfstoffs in der Europäischen Union. Die Wirkstoffe der Hersteller BioNtech/Pfizer und Moderna werden bereits verimpft.

Als weltweit erstes Land hatte Großbritannien das Vakzin von AstraZeneca zugelassen. Der Impfstoff erhielt seitdem bereits in einer Reihe anderer Länder eine Notfallgenehmigung, darunter in Indien, Argentinien, Mexiko oder Marokko.

Streit wegen Lieferproblemen

Die Europäische Kommission hatte AstraZeneca mit mehr als 300 Millionen Euro bei der Entwicklung des Impfstoffes unterstützt und einen Kaufvertrag über bis zu 400 Millionen Dosen des Vakzins unterschrieben.

Zwischen der EU und AstraZeneca ist allerdings ein Streit wegen Lieferverzögerungen beim Impfstoff entbrannt: Wegen angeblicher Produktionsprobleme sollen große Mengen des Impfstoffes für Deutschland und andere EU-Länder erst Wochen oder Monate später als ursprünglich vereinbart geliefert werden. Die EU will das nicht akzeptieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2021 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Autograf 29.01.2021 • 23:56 Uhr

@ 17:57 von Gassi

"Aber wenn der Vertrag "veröffentlicht" sein soll wobei die entscheidenden Passagen geschwärzt sind, lässt doch nur EINEN Schluss zu: die EU hst sich über den Tisch ziehen lassen." Ich weiß nicht, wieviel Sie von Verträgen verstehen, dass Sie eine solche Behauptung aufstellen können. Ich habe den Vertrag in seinen wesentlichen Punkten gelesen, Sie auch? Der Vertrag ist gut gemacht und gibt der EU völlig recht. Astrazeneca hat hier ganz eindeutig unlauter gehandelt. Sie haben Zusagen über Lieferungen gemacht, sogar zugesagt, dass sie keine Verpflichtung haben, die diese in Gefahr bringen könnten. Und das, obwohl sie da den Vertrag mit dem UK schon geschlossen hatten. Da hat mal wieder ein britischer Manager vabanque gespielt. Auf dem Rücken der Schwächsten. Das gehört geahndet. Ich wage anzunehmen, dass jetzt bei Astrazeneca ziemlich zoff in der Bude ist, wenn die versuchen, sich die versprochenen Dosen aus den Rippen zu schneiden. Vielleicht muss auch der Versager Johnson was abgeben.