Eine Spritze mit dem AstraZeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus wird aufgezogen. | AP

Europäische Arzneimittelbehörde "Nutzen von AstraZeneca größer als Risiken"

Stand: 16.03.2021 17:09 Uhr

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat bislang keine Hinweise darauf, dass der Corona-Impfstoff von AstraZeneca Blutgerinnsel verursacht. Die Zahl der Fälle sei nicht höher als in der Gesamtbevölkerung. Dennoch läuft eine Prüfung.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hält den Nutzen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca bis zum Abschluss der laufenden Untersuchungen für größer als die Gefahren. Es gebe "keine Hinweise" darauf, dass Impfungen des Herstellers AstraZeneca Blutgerinnsel verursachen, sagte EMA-Chefin Emer Cooke. Man sei fest davon überzeugt, dass die Vorteile der AstraZeneca-Impfung gegen das Coronavirus größer seien als die Risiken. Gleichwohl nehme die EMA die aktuelle Untersuchung des AstraZeneca-Impfstoffs "ernst".

Cooke betonte, dass eine Situation wie diese nicht unerwartet sei. Wenn man Millionen Menschen impfe, sei es unausweichlich, dass man seltene oder ernsthafte Vorkommnisse von Erkrankungen habe, die nach der Impfung auftreten. Die EMA prüfe nun, ob dies tatsächlich eine Nebenwirkung sei oder Zufall. Es brauche dazu eine wissenschaftliche Bewertung. "Wir müssen die Fakten zuerst haben", so Cooke. Vorher könne man nicht zu einer Schlussfolgerung kommen.

Blutgerinnsel kamen bei klinischen Tests nicht vor

Es gebe derzeit keine Belege, dass die bei einzelnen Geimpften aufgetretenen Blutgerinnsel von dem AstraZeneca-Impfstoff verursacht worden seien, hob Cooke hervor. Solche Blutgerinnsel "kamen nicht bei den klinischen Tests vor und sie werden nicht als bekannte oder zu erwartende Nebenwirkungen gelistet". Solange die Untersuchungen der EU-Behörde andauerten, sei man entschieden überzeugt, dass die Vorteile des Impfstoffs bei der Verhinderung von Covid-19 das Risiko überwögen, bekräftigte Cooke.

Die EMA schaue sich bei ihrer Untersuchung des AstraZeneca-Impfstoffs auch an, ob nur einzelne Chargen betroffen sind. Das sei Teil der Prüfung, sagte Cooke. Die Experten würden dann "uns beraten, ob irgendwelche weiteren Maßnahmen ergriffen werden müssen", sagte Cooke. Die Ergebnisse der Untersuchung werde die EMA am Donnerstagnachmittag bekanntgeben.

Sieben Thrombose-Fälle in Deutschland

In Deutschland und anderen EU-Ländern waren die AstraZeneca-Impfungen nach Berichten über gefährliche Blutgerinnsel bei Geimpften ausgesetzt worden.

Die sieben Fälle einer speziellen Thrombose, die Grund des Stopps für die AstraZeneca-Impfungen in Deutschland sind, betrafen Menschen zwischen etwa 20 und 50 Jahren. Das teilte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit. Sechs davon hätten eine sogenannte Sinusvenenthrombose gehabt, alles Frauen in jüngerem bis mittlerem Alter. Ein weiterer Fall mit Hirnblutungen bei Mangel an Blutplättchen sei medizinisch sehr vergleichbar gewesen.

"Alle Fälle traten zwischen vier und 16 Tagen nach der Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff AstraZeneca auf", hieß es. Drei der sieben Betroffenen seien verstorben. Alle zur Einschätzung herangezogenen Expertinnen und Experten seien einstimmig der Meinung gewesen, dass hier ein Muster zu erkennen und ein Zusammenhang der gemeldeten Erkrankungen mit der AstraZeneca-Impfung "nicht unplausibel" ist, hieß es vom PEI.

Die Zahl der Fälle nach einer solchen Impfung ist demnach statistisch signifikant höher als die Anzahl von Hirnvenenthrombosen, die normalerweise in der Bevölkerung ohne Impfung auftreten: "Etwa ein Fall wäre zu erwarten gewesen, sieben Fälle waren gemeldet worden." Von den schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel sei nicht die Altersgruppe betroffen, die ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Covid-19-Verlauf habe. Betroffen seien nicht Senioren, sondern Menschen in jüngerem bis mittlerem Alter.

Impfgipfel auf Freitag verschoben

Der nach dem Stopp der Impfungen mit den AstraZeneca-Wirkstoff verschobene Impfgipfel von Bund und Ländern soll nach Angaben der rheinland-pfälzischen Regierungschefin Malu Dreyer am Freitag nachgeholt werden.

Bei den Beratungen geht es unter anderem um die Frage, wie die Hausärzte in Deutschland flächendeckend in den Impfabläufen berücksichtigt werden könnten. In den Praxen sollte dabei insbesondere der Impfstoff von AstraZeneca zum Einsatz kommen, da dieser dort auch gelagert werden kann.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. März 2021 um 16:00 Uhr sowie Deutschlandfunk um 17.00 Uhr.