Ein Mitarbeiter des Betreibers des tschechischen Teils der Druschba-Pipeline läuft über das Gelände des Tanklagers in Nelahozeves, Tschechien. | REUTERS

Russischer Lieferstopp beendet Öl durch Druschba-Pipeline fließt wieder

Stand: 10.08.2022 21:41 Uhr

Die Slowakei bekommt wieder russisches Öl durch die Druschba-Pipeline. EU-Sanktionen gegen Russland hatten offenbar die Zahlung von Gebühren verhindert. Tschechien und Ungarn warten noch auf die Wiederaufnahme der Lieferungen.

Durch den südlichen Strang der Druschba-Pipeline fließt nach slowakischen Angaben wieder russisches Öl durch die Ukraine nach Europa. "Über die Druschba-Pipeline kommt bereits wieder Rohöl in der Slowakei an", sagte ein Sprecher des slowakischen Ölkonzerns Slovnaft der Nachrichtenagentur AFP. "Und in Ungarn wird die Versorgung voraussichtlich morgen wieder aufgenommen."

Auch der slowakische Wirtschaftsminister Richard Sulik erklärte, dass die Öllieferungen aus Russland durch die Pipeline wieder aufgenommen worden seien. "Das Öl ist bereits auf slowakischem Gebiet", schrieb Sulik auf Facebook. Die Kosten hätten zwischen neun und zehn Millionen Euro betragen.

Den Angaben zufolge hatten Slovnaft und der ungarische Mutterkonzern MOL angeboten, die Transitgebühren für den Pipeline-Abschnitt durch die Ukraine zu übernehmen. Sowohl die ukrainische als auch die russische Seite hätten dem zugestimmt, sagte der Slovnat-Sprecher. Der MOL-Konzern erklärte, die Transitgebühren für August überwiesen zu haben.

Lieferstopp nach Ungarn, Tschechien und Slowakei

Sulik erklärte, sein Land werde an einer langfristigen Lösung für das Transitproblem arbeiten. Es sei dadurch verursacht worden, dass sich eine nicht genannte Bank in Westeuropa wegen der Russland-Sanktionen geweigert habe, die Gebührenzahlungen zu transferieren. "Ich würde nicht nach einem politischen Kontext dahinter suchen, es gibt keinen", so Sulik.

Die russische Betreiberfirma der Pipeline, Transneft, hatte zuvor den Ölfluss durch die Ukraine unterbrochen. Die Lieferungen seien eingestellt worden, nachdem eine Banktransaktion aufgrund westlicher Sanktionen gegen Russland abgelehnt worden sei, erklärte das russische Staatsunternehmen.

Über die südlichen Leitungsstrang durch die Ukraine werden vor allem Ungarn, die Slowakei und Tschechien versorgt. Betroffen von den Lieferausfällen waren alle drei Staaten. Der nördliche Abschnitt der Druschba-Pipeline, der durch Weißrussland nach Polen und Deutschland führt, war nach Angaben von Transneft nicht beeinträchtigt.

"Technische Probleme auf Bankenebene"

Der Slovnaft-Sprecher nannte als Grund für die Transaktionsverzögerung nun "technische Probleme auf Bankenebene im Zusammenhang mit der Zahlung der Transitgebühren von russischer Seite". Die getroffene Vereinbarung betreffe demnach die Lieferungen in die Slowakei und nach Ungarn, nicht aber nach Tschechien. Nach Angaben des Betreibers des tschechischen Teils der Pipeline, MERO, wurden dort die Lieferungen bislang noch nicht wieder aufgenommen.

Der tschechische Minister für Industrie und Handel, Jozef Sikela, erklärte, sein Land habe sich mit den polnischen Behörden zusammengetan, um nach Möglichkeiten zur Wiederaufnahme der Öllieferungen zu suchen. Zwei tschechische Raffinerien, die russisches Öl verarbeiten, befinden sich im Besitz des polnischen Öl- und Energieriesen PKN Orlen.

Öl-Embargo gegen Russland

Die EU-Staaten hatten sich im April auf ein schrittweises Öl-Embargo gegen Russland verständigt. Das Embargo deckt russische Öllieferungen über das Meer ab, ermöglichte jedoch zunächst weiter Lieferungen über die Druschba-Pipeline nach Ungarn und in bestimmte andere europäische Länder ohne Zugang zum Meer, wie die Slowakei und Tschechien.

Die Staaten hatten unter Verweis auf ihre starke Abhängigkeit von russischen Lieferungen eine weitgehende Ausnahme der Lieferungen über die Druschba-Pipeline durchgesetzt. Die Slowakei etwa deckt fast ihren gesamten Ölbedarf über die Druschba-Pipeline.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. August 2022 um 16:21 Uhr.