Statue des italienischen Nationaldichters Dante Alighieri in Florenz | picture alliance / Zoonar

700. Todestag des Dichters Dante ist überall

Stand: 14.09.2021 08:23 Uhr

Es gibt Sondersendungen, Lesungen und Konzerte, sogar eigens kreierte Songs und Gerichte: Italien feiert den 700. Todestag seines größten Dichters. Die Liebe zu Dante ist generationenübergreifend.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Wer einen Beweis dafür sucht, dass Dante Alighieri in Italien immer noch Teil der Volkskultur ist, findet ihn in diesen Tagen fast immer und fast überall: auf Pizzatellern, im Fernsehprogramm, in Musikclubs.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Die Rapper Claver Gold und Murubutu haben Dante zu dessen 700. Todestag einen Song gewidmet. In Neapel bringen Dutzende Restaurants von Dante inspirierte Gerichte auf den Tisch, auch Enzo Coccia in seiner Pizzeria "La Notizia": "Ich habe Dantes Erzählung über das Salz und salzloses Brot genutzt und ein Gericht kreiert, mit dem nur einmal gesalzenen Mozzarella Primo Sale, Zucchini aus der Pfanne und Rucola. Bei Dante findet man vieles, auch die schöne Leichtigkeit des gesunden Essens."

Enzyklopädie des Lebens

Dantes "Divina Commedia" mit ihrer literarischen und philosophischen Reise von der Hölle über das Fegefeuer bis ins Paradies ist bis heute eine Enzyklopädie des Lebens. Sie ist fest verankert im Bewusstsein vieler Italienerinnen und Italiener. Der 91 Jahre alte Furio Castelli aus Rom kann auch über sieben Jahrzehnte nach seiner Schulzeit noch fehlerfrei ganze Gesänge der "Divina Commedia" rezitieren: "Zum Beispiel den Anfang: 'Auf der Hälfte des Weges unseres Lebens fand ich mich in einem finsteren Wald wieder, denn der gerade Weg war verloren.' Dante war großartig, als er die 'Göttliche Komödie' geschrieben hat."

"Göttliche Komödie" als Comic

Ein Werk, das den Italienerinnen und Italienern fast schon in die Wiege gelegt wird. Zumindest in Kindertagen begegne es ihnen, erzählt der 18 Jahre alte Francesco Pagliaccia: "Das erste Mal, dass ich mich dafür interessiert habe, war als ich Micky Maus und so gelesen habe. Auch die 'Göttliche Kömodie' gab es da, und die habe ich geradezu verschlungen - in einem Comic, der Dantes Werk erzählt hat."

Vater der italienischen Sprache

Die Dante-Liebe der Italienerinnen und Italiener ist generationenübergreifend. Die Leipziger Romanistik-Professorin Uta Felten wundert dies nicht: "Ich glaube, gerade junge Menschen begeistern sich für das Inferno. Das ist ja ein richtiger Krimi, ein richtiges Abenteuer, wenn Dante mit Virgil durch diese verschiedenen Höllenkreise wandert. Das ist eine unheimlich reiche Bildfantasie, die da entwickelt wird."

In einem Werk, das Dante, anders als vor sieben Jahrhunderten üblich, nicht auf Latein geschrieben hat, sondern kulturrevolutionär in der Volkssprache. Dante gilt daher auch als Vater der italienischen Sprache. Seine "Göttliche Komödie", seine Verdienste um die Sprache, alles zusammen trage dazu bei, sagt Professorin Felten, "dass Dante die Ikone der italienischen Kultur schlechthin ist". An diese wird in Italien rund um Dantes Todestag mit hunderten Veranstaltungen und Ausstellungen im ganzen Land erinnert.

24-Stunden-Lesemarathon zu Ehren Dantes

Im Fernsehen laufen Sondersendungen zu Dante, rund um das renovierte Dante-Museum in Ravenna finden öffentliche Lesungen statt, in Florenz dirigiert niemand Geringeres als Maestro Riccardo Muti ein Konzert zu Ehren des Sommo Poeta ("Höchster Dichter"). Und, ebenfalls in Dantes Geburtsstadt, rezitieren prominente Schauspieler von Ralph Fiennes bis Helen Mirren alle 100 Gesänge der "Göttlichen Komödie" in einem 24-Stunden-Dante-Marathon.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2021 um 05:24 Uhr.