Außenministerin Baerbock und der dänische Außenminister Kofod unterzeichnen einen Aktionsplan für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Dänemark in der Sicherheits- und Energiepolitik.  | dpa

Baerbock in Dänemark Mehr Kooperation mit Kopenhagen

Stand: 26.08.2022 17:19 Uhr

Deutschland und Dänemark wollen enger zusammenarbeiten. Das hat Außenministerin Baerbock gemeinsam mit dem dänischen Außenminister Kofod bekanntgegeben. Uneinig sind sich die Länder bei der Visa-Vergabe an Russen.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Berlin

Sollen russische Touristinnen und Touristen weiter nach Europa einreisen dürfen - in dieser EU-Streitfrage gibt sich Außenministerin Baerbock kompromissbereit: Schließlich könne man nicht sagen, der eine oder andere habe in dieser Frage komplett recht: "Für mich ist wichtig, dass wir in dieser Situation des brutalen Angriffskriegs nicht 140 Millionen Menschen in Russland für immer aufgeben und in Sippenhaft nehmen" erklärte Baerbock in Kopenhagen, was sehr der Argumentation von Bundeskanzler Olaf Scholz ähnelt.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Die Grünen-Politikerin betonte aber, dass es gelte, auch künftig Einzelfälle zu prüfen. Es werde eine europäische Lösung gefunden, die national genügend Spielraum biete. Auf Nachfrage fügte sie an: Kanzleramt und Außenministerium seien sich einig, "dass wir gemeinsam in Europa eine Lösung finden, die die berechtigten Sorgen und Anliegen von allen zueinander bringt".

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte eine pauschale Schließung der EU-Grenze für russische Touristen sehr unzweideutig abgelehnt. "Es ist nicht der Krieg des russischen Volks, es ist Putins Krieg", hatte der Kanzler erklärt. Kommende Woche wollen sich die EU-Außenminister mit der Streit-Frage befassen.

Dänemark: eindeutige Botschaft an Russland

Dänemark vertritt hier eine andere Haltung: Es wirke angesichts des Angriffkriegs gegen die Ukraine "provokant", wenn russische Männer in Europa am Strand lägen. Von einer eindeutigen Botschaft, die man an Putin und die Russen senden müsse, sprach Außenminister Kofod.

Dass es zu einem generellen EU-Einreise-Stopp für Russinnen und Russen kommt, gilt indes als unwahrscheinlich. Gerade zahlreiche nord- und osteuropäische Staaten werben für stärkere Einschränkungen oder gar einen Stopp der Visa-Vergabe.

Aktionsplan für Energiewende

In jedem Fall noch stärker zusammenarbeiten wollen Deutschland und Dänemark unter anderem bei der Energie- und bei der Sicherheitspolitik. Es gehe unter anderem darum "eine schnellstmögliche grüne Energiewende voranzutreiben", heißt es in einem 13-seitigen Aktionsplan, den Baerbock und ihr dänischer Amtskollege in Kopenhagen unterzeichneten. Auch hier spielt Putins Angriffskrieg eine Rolle: Gelte es doch, sich unabhängiger von fossilen Brennstoffen aus Russland zu machen, wie Kofod betonte. 

Vor ihrem Treffen mit dem Außenminister Dänemarks hatte Baerbock eine Großküche in Kopenhagen besucht, von der aus tausende Schülerinnen und Schüler mit aus gesunden und regionalen Zutaten gefertigtem Essen versorgt werden. Sie nehme viele Anregungen für Deutschland mit nach Hause, sagte die Grünen-Politikerin anschließend. Um nach einer Kostprobe zuzugeben: "Es ruft einem in Erinnerung, wie schlecht meine eigenen Kochkünste sind."  

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. August 2022 um 15:13 Uhr.