AstraZeneca Impfstoff | AFP

Coronavirus-Pandemie Dänemark setzt AstraZeneca-Impfung 14 Tage lang aus

Stand: 11.03.2021 13:48 Uhr

In Dänemark wird zunächst 14 Tage lang nicht mehr das AstraZeneca-Vakzin verimpft. Grund seien Berichte, dass es nach Impfungen zu möglichen Nebenwirkungen mit Blutgerinnseln gekommen sei, teilte die Gesundheitsverwaltung mit.

Dänemark setzt die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca wegen möglicher Nebenwirkungen vorerst aus. Wie die dänische Gesundheitsbehörde in Kopenhagen mitteilte, liegen ihr Berichte über "schwere Fälle der Bildung von Blutgerinnseln" bei Geimpften vor. Bisher sei allerdings noch nicht abschließend geklärt, ob es einen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Gerinnungsstörungen gibt.

Untersuchung eingeleitet

Die europäischen Arzneimittelbehörden hätten vor dem Hintergrund eine Untersuchung des Impfstoffes eingeleitet. Ein Bericht beziehe sich auf einen Todesfall in Dänemark. Man könne jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Blutgerinnseln bestehe.

Regierungschefin Mette Frederiksen bestätigte vor Reportern vor einem Krankenhaus im dänischen Herlev, dass die Verabreichung des AstraZeneca-Impfstoffes pausiert werde. Diese Nachricht sei ärgerlich, da man unheimlich abhängig davon sei, dass alle geimpft würden.

Dänischer Minister spricht von Vorsichtsmaßnahme

Gesundheitsminister Magnus Heunicke sprach ebenso wie die Gesundheitsverwaltung von einer Vorsichtsmaßnahme. Die Vorfälle sollten gründlich untersucht werden, schrieb er auf Twitter. Nach Behördenangaben wird der Stopp zunächst 14 Tage dauern, danach wird geschaut, wie es weitergeht.

Es sei wichtig, zu unterstreichen, dass man den AstraZeneca-Impfstoff nicht ablehne, sondern die Verabreichung pausiere. Es sei gut dokumentiert, dass das Mittel sowohl sicher als auch effektiv sei. Man müsse jedoch auf Berichte zu möglichen ernsthaften Nebenwirkungen reagieren.

Stopp mit bestimmter AstraZeneca-Charge in Österreich

Österreich hatte vor wenigen Tagen die Impfungen mit einer Charge des AstraZeneca-Impfstoffs nach einem Todes- und einem Krankheitsfall vorsichtshalber gestoppt. Dabei handelte es sich um zwei Krankenschwestern, von denen eine an den Folgen einer schweren Gerinnungsstörung starb und die andere eine schwere Lungenembolie erlitt. Sie hatten zuvor Impfungen aus derselben Charge erhalten. Die EMA hatte gestern mitgeteilt, sie habe bislang keine Hinweise dafür, dass die Fälle auf die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin zurückzuführen sind. Auch andere Länder haben die Impfungen mit der Charge vorsichtshalber gestoppt.

AstraZeneca erklärte, dem Unternehmen seien die Untersuchungen in Dänemark bekannt. Die Sicherheit des Impfstoffs sei umfassend untersucht worden. Die klinischen Daten bestätigten, dass dieser allgemein gut vertragen werde.

Bisher kein Anlass für Impfstopp in Deutschland

Das Bundesgesundheitsministerium sieht nach dem vorläufigen Stopp der AstraZeneca-Impfungen in Dänemark noch keinen Anlass für einen ähnlichen Schritt in Deutschland. "Nach jetzigem Stand gibt es noch keine Hinweise darauf, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Corona-Impfung ursächlich in Verbindung steht", erklärte ein Ministeriumssprecher. "Aktuell untersuchen die europäischen Arzneimittelbehörden den Fall."  

Spanien: Bisher keine Fälle von Blutgerinnseln

Aus Spanien hieß es, es seien bisher keine Fälle von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit dem Impfstoff von AstraZeneca registriert worden. Die Verabreichung werde fortgesetzt, sagte Gesundheitsministerin Carolina Darias. Sie sagte, sie sei über Fälle bei kürzlich geimpften Menschen in Österreich informiert worden, fügte jedoch hinzu, dass "bisher kein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Blutgerinnselereignissen festgestellt wurde" und die europäische Regulierungsbehörde EMA bewertete die Situation.

Dänemark: Mehr als eine halbe Million Menschen geimpft

Im EU-Land Dänemark mit seinen gut 5,8 Millionen Einwohnern haben bislang rund 560.000 Menschen ihre erste Corona-Impfdosis erhalten, knapp 220.000 auch ihre zweite. Bisher haben etwa 142.000 Menschen ihren ersten Stich mit dem AstraZeneca-Stoff bekommen. Bei mehr als 70 Prozent der bislang verabreichten Impfungen kam das Vakzin von Pfizer/BioNTech zum Einsatz, in vier Prozent das von Moderna. Die Impfkampagne ist in Dänemark zügiger als in Deutschland und den meisten anderen Ländern Europas angelaufen.

AstraZeneca - seit Januar in der EU zugelassen

Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca ist seit Januar in der EU zugelassen. In Deutschland und mehreren anderen europäischen Länder war das mit der Universität Oxford entwickelte Vakzin zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen, weil belastbare Daten für die Wirksamkeit bei älteren Menschen erst fehlten. Inzwischen wird der Impfstoff aber auch für Senioren empfohlen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2021 um 13:00 Uhr.