Dominic Cummings | AFP

Britische Corona-Strategie Cummings wirft Regierung Lügen vor

Stand: 23.05.2021 16:02 Uhr

Der ehemalige Chefberater von Premier Johnson, Cummings, beschuldigt die Regierung auf Herdenimmunität gesetzt und über diese Strategie gelogen zu haben. Mehrere Lockdowns hätten zudem vermieden werden können.

Der britische Ex-Regierungsberater Dominic Cummings wirft der Regierung von Premierminister Boris Johnson vor, bei ihrer ursprünglichen Strategie im Kampf gegen die Pandemie gelogen zu haben.

Cummings: Herdenimmunität war Ziel

Die Regierung habe in Wirklichkeit Anfang 2020 zunächst vorgehabt, das Coronavirus wie eine Grippe zu behandeln und durch die Ausbreitung in der Bevölkerung bis September des Jahres Herdenimmunität zu erreichen, erklärte er in einer Reihe von Tweets.

Erst nachdem der Regierung von mehreren Seiten klargemacht worden sei, dass dieser Plan zur Katastrophe führen würde, sei diese Strategie geändert worden.

Cummings warf Gesundheitsminister Matt Hancock vor, die Öffentlichkeit dazu belogen zu haben. Hancock habe mit seinen Dementis "Schwachsinn" erzählt.

Cummings stellt Lockdowns infrage

Cummings erklärte weiter, mit den "richtigen Vorbereitungen und kompetenten Leuten in der Verantwortung" hätte die Regierung wahrscheinlich den ersten Lockdown vermeiden können. Ganz sicher aber hätte es "keine Notwendigkeit" für die beiden späteren Lockdowns gegeben.

Die Regierung widersprach den Vorwürfen. Auf die Frage, ob Herdenimmunität der ursprüngliche Plan gewesen sei, sagte Innenministerin Priti Patel der BBC: "Absolut nicht."

Auch die heutige Leiterin der Behörde für Gesundheitsschutz und damalige Vize-Chefberaterin der Regierung in medizinischen Fragen, Jenny Harries, sagte: "Ich kann kategorisch sagen, dass ich in keiner Regierungssitzung gewesen bin, in der Herdenimmunität zu diesem Zeitpunkt der Pandemie als Kontrollmechanismus vorgeschlagen wurde."

Cummings hatte seinen Posten in der Downing Street nach erbittertem Streit im engsten Beraterzirkel im Dezember verlassen und hat in den vergangenen Wochen eine Reihe von Anschuldigungen gegen Johnson erhoben.

Anhörung vor Corona-Ausschuss

Cummings Angriffe geben einen Vorgeschmack auf seine Anhörung am kommenden Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss, der die Reaktion der Regierung auf die Pandemie untersucht.

Cummings hatte zuvor seine Bereitschaft bekundet, dem Ausschuss detaillierte Auskünfte zum mutmaßlichen Fehlverhalten des Regierungschefs zu geben.

Er werde den Abgeordneten Rede und Antwort stehen, "so lange, wie sie wollen". Kürzlich drohte er zudem, bei der Anhörung geheime Dokumente offenzulegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2021 um 18:00 Uhr.