Eine Frau geht an leeren Restaurants im Zentrum von Lyon vorbei.  | dpa

Geplante Lockerungen in Frankreich Neustart für die "französische Lebensart"

Stand: 29.04.2021 19:39 Uhr

Frankreichs Präsident Macron hat für die Bewohner des Landes wieder mehr Freiheiten angekündigt. Die soll es in mehreren Etappen geben. Los geht es ab Montag, die entscheidenden Schritte für die Wirtschaft folgen ab dem 19. Mai.

Im kommenden Monat können die Franzosen mit den ersten der schrittweise geplanten Lockerungen der Corona-Beschränkungen in ihrem Land rechnen. Im Interview mit mehreren Regionalzeitungen kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron das Ende zahlreicher Auflagen in mehreren Etappen an.

Los geht es bereits kommenden Montag, wie die Zeitung "Le Monde" berichtet. Demnach sollen die Menschen dann ihre Region wieder in einem Umkreis von zehn Kilometern verlassen können, ohne dass dafür der Nachweis einer Impfung oder eines negativen Tests notwendig ist. Auch die Schulen können den Unterricht teilweise wieder aufnehmen, allerdings nur mit halber Klassenstärke, hieß es.

Rückkehr der Restaurants und Kultur ab 19. Mai

Deutlich umfangreicher sind die Lockerungen, die ab dem 19. Mai in Kraft treten sollen. Geschäfte sollen von diesem Datum an wieder öffnen dürfen. Kulturbetriebe wie Museen, Kinos oder Theater dürfen ab dann ebenfalls wieder Gäste empfangen. In Stadien sollen in eingeschränkter Zahl Zuschauer erlaubt sein und Gastronomen dürfen die Außenbereiche ihrer Restaurants und Lokale in Betrieb nehmen. Auch die Beschränkungen für sportliche Aktivitäten sollen ab Mitte Mai wegfallen, sodass Fitnessstudios wieder öffnen können.

Macron: Folgen der Beschränkungen im Blick behalten

Macron betonte in dem Interview: "Ab dem 19. Mai müssen wir unsere französische Lebensart wiederentdecken." Das "Leben der Nation lässt sich nicht auf die Entwicklung von Kurven reduzieren", so Macron weiter. Er sei zudem "gezwungen", die Folgen der Beschränkungen im Blick zu behalten - beispielsweise für Geschäfte, die mehrere Wochen schließen müssen, oder Kinder, denen durch die Schließung der Schulen die Versorgung mit dem Schulessen fehle.

Der Staatschef wies darauf hin, dass die Situation jetzt eine andere sei als noch im Oktober, dank des inzwischen vorhandenen Impfstoffs, "der einen nachhaltigen Weg aus der Krise bietet".

Auch die in Frankreich geltende Ausgangssperre soll ab dem 19. Mai etwas gelockert werden und dann erst ab 21 Uhr in Kraft treten. Drei Wochen später - ab dem 9. Juni - wird sie den Plänen der französischen Regierung zufolge nochmals verkürzt, um ab diesem Zeitpunkt ab 23 Uhr in Kraft zu treten.

Großveranstaltungen mit Gesundheitspass

Ab diesem Datum sollen Restaurants und Cafés auch wieder ihre Innenräume nutzen dürfen, die Anzahl der Gäste soll jedoch weiter begrenzt werden. Nach den Fitnessstudios sollen dann auch Sporthallen wieder öffnen können.

Zudem können ab dem 9. Juni wieder größere Veranstaltungen stattfinden - vorausgesetzt, die Teilnehmer können einen sogenannten Gesundheitspass vorweisen, in dem festgehalten ist, dass sie geimpft oder negativ getestet wurden. Zu solchen Veranstaltungen zählen laut Macron beispielsweise Kultur- und Sportereignisse mit bis zu 5000 Teilnehmern oder auch Messen und Ausstellungen mit der gleichen Zahl an Gästen.

Auch Touristen aus dem Ausland soll mit solch einem Nachweis ab diesen Zeitpunkt wieder die Einreise nach Frankreich gestattet werden.

Ausgangssperre soll ab Ende Juni komplett ausgesetzt werden

Die vierte von Macron angekündigte Phase soll ab dem 30. Juni in Kraft treten. Dann soll die Ausgangssperre komplett gekippt werden. Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sollen in weiteren Bereichen zugelassen werden. Der Gesundheitspass bleibt aber Voraussetzung.

Notbremse ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 400

"Wir wurden von der Wissenschaft aufgeklärt und wir haben die Entscheidung getroffen, den Menschen an die erste Stelle zu setzen", sagte Macron:

Beim menschlichen Aspekt geht es nicht nur um Gesundheitsmanagement, sondern um alles, was das Leben von Frauen und Männern ausmacht.

Für den Fall, dass die Infektionszahlen in Frankreich nach den Lockerungen wieder steigen, kündigte Macron eine Art Notbremse an. Die solle ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 400 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche greifen. Derzeit liegt der Inzidenzwert in Frankreich im Durchschnitt bei 300 Corona-Fällen unter 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. April 2021 um 20:00 Uhr.