Menschen warten in einer Schlange vor dem Eingang der Vatikanischen Museen. | REUTERS

Vatikanische Museen öffnen Kein Ort des Geldes, sondern der Schönheit

Stand: 03.05.2021 10:44 Uhr

Heute öffnen die Vatikanischen Museen wieder. Schön für die wenigen Besucher, die die Kunst ausnahmsweise ohne Gedränge genießen können. Dem Vatikan-Haushalt aber entgehen weiter dringend benötigte Einnahmen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Monsignore Paolo Nicolini sitzt in seinem Büro über den Vatikanischen Museen. Der stellvertretende Direktor ist hin- und hergerissen: "Die Freude ist riesig darüber, dass es wieder losgeht. Aber es ist auch eine Freude, bei der Vorsicht mitschwingt." Schließlich habe man in den vergangenen Monaten gesehen, dass sich die Situation auch wieder ändern könne. "Wir öffnen mit großer Hoffnung, müssen aber weiterhin vorsichtig sein."

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Das heißt, jetzt zur Wiedereröffnung eines der bedeutendsten Museen der Welt: Messung der Körpertemperatur für alle Besucherinnen und Besucher, Masken- und Abstandspflicht. Nur kleine Gruppen von maximal 20 Personen sind zugelassen. Die Überraschung: Der Andrang zum Neustart im früher chronisch überlaufenen Museum hält sich in Grenzen.

Bisher nur wenige Interessenten

"Wir könnten derzeit, wenn alle Slots voll ausgebucht wären, rund 6.000 bis 7.000 Besucher empfangen, rund ein Drittel der durchschnittlichen Besucherzahl vorher", sagt Nicolini. "Im Moment ist das für uns aber noch ein Traum. Diese Zahl an Menschen ist einfach noch nicht da."

In der Vor-Corona-Zeit kamen täglich zwischen 20.000 und 25.000 Besucher in die Vatikanischen Museen. Gerade etwas mehr als 1.000 Anmeldungen gab es für den jetzigen Premierentag, Tickets waren 24 Stunden vorher noch problemlos zu bekommen. Es sei ein langsamer Neustart, sagt Vize-Direktor Nicolini, aber das sei so in Ordnung: "Man muss Geduld haben. Die Entwicklung wird von der weltweiten Impfentwicklung und den Reiseregelungen abhängen. Ab Juni rechne ich mit wieder mehr Gästen. Aber es wird ein schrittweiser Anstieg sein."

Kaum ausländische Touristen

Im Moment sind in Italien kaum ausländische Touristen unterwegs. Auch EU-Bürger unterliegen Quarantäne-Beschränkungen. In die wieder geöffneten Museen kommen vor allem Italienerinnen und Italiener, die sich seit einer Woche wieder freier im Land bewegen können. Der Inzidenzwert liegt landesweit allerdings noch bei rund 150, die Lust auf Reisen und Kultur ist daher begrenzt, die Vorsicht überwiegt.

Die wenigen Besucher zum Neustart in den Vatikanischen Museen können die Fresken in der Sixtinischen Kapelle und den Stanzen des Raffael in einer Ruhe genießen, die in Vor-Corona-Zeiten undenkbar war: exklusive Leere statt des früher üblichen Massengedränges - was auf der anderen Seite bedeutet, dass das Museum zunächst kaum Geld verdient. Bereits 2020 kamen pandemiebedingt 85 Prozent Besucher weniger: Statt vorher rund sieben Millionen waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 1,3 Millionen Besucher.

Vatikan fehlen Einnahmen

Für den Haushalt des Vatikans ist das ein schwerer Schlag. Der kleinste Staat der Welt erhebt keine Steuern, die Museen sind eine wichtige Finanzquelle. Weil dort Einnahmen in geschätzt mittlerer zweistelliger Millionenhöhe fehlen, musste der Vatikan seinen Haushalt in diesem Jahr kräftig zusammenstreichen. Als Konsequenz hat der Papst Kardinälen und anderen leitenden Führungskräften die Gehälter gekürzt, Gehaltserhöhungen von Angestellten wurden ausgesetzt. Alle Arbeitsplätze im Vatikan aber blieben auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes erhalten, auch die in den Vatikanischen Museen.

Dort sagt Monsignore Nicolini: Der Einnahmeeinbruch schmerze, aber ein Museum sei am Ende des Tages kein Ort des Geldes, sondern der Schönheit:

Die Statuen, die Bilder, die Fresken, die wir hier haben - wenn sie reden könnten, so habe ich es mir in den vergangenen Monaten häufig vorstellt, haben sie in der Leere miteinander gesprochen und sich gesagt, dass auch sie die Blicke vermissen, mit der Menschen fasziniert die Schönheit von Kunst bewundern. Die Museen sind ein Ort, am dem die Menschen gerade in dieser schwierigen Zeit ein bisschen Glück empfinden können.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. Mai 2021 um 06:25 Uhr.