Ausflügler im Simmental | dpa

Corona-Pandemie Schweiz lockert trotz steigender Zahlen

Stand: 14.04.2021 19:44 Uhr

Mit mehreren Wochen Verspätung lässt die Schweiz Lockerungen zu. Die Menschen dürfen wieder essen gehen, zur Uni und sogar drinnen Sport treiben. Eine Rolle spielte bei der Entscheidung auch die Stimmung.

Von Sabine Hackländer, ARD-Studio Brüssel

Es sind langersehnte Lockerungen, die nun ab Montag tatsächlich kommen sollen. Restaurants und Bars dürfen ihre Terrassen wieder öffnen, während Freizeit- und Kulturbetriebe und Sportanlagenbetreiber sogar in den Innenräumen wieder aktiv werden können. Entsprechende Hygienevorschriften und Abstandsgebote weiterhin inklusive.

Sabine Hackländer ARD-Studio Brüssel

"Situation bleibt fragil"

Bundesrat Alain Berset verkündete die Maßnahmen - nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Vorsicht auch weiterhin geboten sei. "Die Situation in der heutigen Zeit bleibt ziemlich fragil und jeder Öffnungsschritt ist ein Risiko, das ist klar. Deshalb müssen wir vorsichtig bleiben", so Berset.

"Aber wenn wir richtig aufpassen, und die Maßnahmen sind gut umgesetzt, muss es möglich sein, ohne Jo-Jo-Effekt wirklich eine gute Entwicklung zu haben - parallel mit der Entwicklung der Testung und auch mit der Entwicklung der Impfung."

Auch an den Universitäten soll nun wieder Leben einkehren: Präsenzveranstaltungen sind hier mit bis zu 50 Personen erlaubt.

Verschoben durch die dritte Welle

Die Lockerungen hätten eigentlich schon vor drei Wochen in Kraft treten sollen, waren damals aber wegen der heranrollenden dritten Corona-Welle verschoben worden. Dass sie nun trotz erneut steigender Fallzahlen kommen, liege am Vertrauen, dass man in die Bevölkerung setze und an der vergrößerten Testkapazität, so Berset.

Allerdings musste er auf wiederholte Nachfrage auch zugeben, dass auch die Stimmung in der Bevölkerung eine nicht unerhebliche Rolle bei der Entscheidung gespielt habe: "Es ist uns allen klar, dass wir heute nach dreizehn, vierzehn Monaten in dieser Situation wirklich an der Grenze sind. Wir können nicht mehr", so Berset.

"Und wenn wir einen Weg finden, weil fast alle diese Maßnahmen sehr gut umsetzen und einfach nur etwas Gutes tun wollen, für sich selbst, die Umgebung, für andere nahestehende Personen, für die Familie und die ganze Gesellschaft, können wir das einfach so tun", so Berset weiter.

Große Hoffnungen setzt die Schweizer Regierung in die fortschreitende Impfkampagne. Man habe in den letzten Wochen immer wieder auch mit den Impfstoffherstellern in Kontakt gestanden. Diese hätten zugesichert, die versprochenen Mengen auch tatsächlich fristgemäß zu liefern.

"Wir haben vor allem wirklich viele Dosen, die jetzt im April, aber vor allem im Mai und Juni kommen. Und dann geht es weiter über den Sommer", sagte Berset. "Wir brauchen eine sehr hohe Impfbereitschaft, damit wir diese Situation im Griff behalten."

Allerdings steht die Schweiz derzeit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nicht eben besonders gut dar. Während sich das Impftempo in Deutschland in den letzten Tagen mithilfe der Hausärzte leicht verbesserte, hat es sich in der Schweiz leicht verlangsamt.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 14. April 2021 um 19:09 Uhr.