Menschen protestieren in Triest (Italien) gegen den Grünen Pass. | EPA

"Grüner Pass" in Italien Protest gegen 3G-Regel am Arbeitsplatz

Stand: 15.10.2021 16:43 Uhr

In Italien gilt von heute an eine der europaweit strengsten Corona-Regeln am Arbeitsplatz: Alle Arbeitnehmer müssen einen "Grünen Pass" vorweisen. Dagegen haben Italiener in etlichen Städten demonstriert.

Tausende Italiener haben gegen die neu eingeführte Pflicht zur Vorlage eines Corona-Passes am Arbeitsplatz protestiert. Allein am Hafen von Triest demonstrierten laut Behördenangaben mehr als 6500 Menschen, in Genua blockierten rund 300 Arbeiter die Zufahrt zum Hafen. Die Hafenarbeiter in Triest drohten mit unbefristetem Streik, obwohl ihnen kostenlose Corona-Tests angeboten wurden. "Heute treten sie auf unsere Verfassung", sagte ein Demonstrant. "Ich sage nein zu dieser Diskriminierung."

Mit Inkrafttreten der neuen Regelung zeigte die Polizei Präsenz auf den Straßen, Schulen planten ein vorgezogenes Ende des Unterrichts und Botschaften gaben eine Warnung vor möglichen Ausschreitungen heraus.

In etlichen Städten kam es zu Protesten. Immer wieder versuchten Demonstranten, Straßen oder Plätze zu blockieren und den Verkehr aufzuhalten. Zunächst löste die Polizei solche Ansammlungen aber auf. Für den Abend sind landesweit weitere Demos angekündigt.

Bußgeld oder unbezahlte Freistellung droht

Seit heute darf in Italien nur zur Arbeit erscheinen, wer eine Corona-Impfung, -Genesung oder einen negativen Corona-Test nachweisen kann. Wer ohne den sogenannten "Grünen Pass" zur Arbeit kommt, riskiert bis zu 1500 Euro Bußgeld. Wer der Arbeit fernbleibt, weil er das Dokument nicht vorweisen kann, muss mit unbezahlter Freistellung rechnen. Wer sich nicht impfen lassen will, muss auf eigene Kosten einen Corona-Test machen und diesen je nach Test-Art alle 48 bis 72 Stunden wiederholen. Geldstrafen für Arbeitgeber, die sich den "Grünen Pass" von ihren Beschäftigten nicht vorzeigen lassen, reichen von 400 bis 1000 Euro.

Für den Zugang etwa zu Restaurants, Museen, Theatern und Fernzügen war der "Grüne Pass" bereits zuvor erforderlich.

Etwa drei Millionen Arbeiter ungeimpft

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben inzwischen mehr als 85 Prozent der Italienerinnen und Italiener über zwölf Jahren mindestens eine Impfung erhalten. Schätzungen zufolge sind bis zu drei Millionen Arbeitende noch ungeimpft. Der Chef des Handelsverbands Confetra, Ivano Russo, schätzte, dass von den rund 900.000 Lkw-Fahrern des Landes 25 bis 30 Prozent nicht geimpft oder genesen sind.

Der Wirtschaftsverband Confindustria unterstützt die Maßnahme, mit der "Arbeitsplätze mit höchstmöglicher Sicherheit" geschaffen würden. Laut Regierungsdaten wurde der elektronische Corona-Pass in den beiden Tagen vor Inkrafttreten der Nachweispflicht am Arbeitsplatz mehr als 1,4 Millionen Mal heruntergeladen.

Mehr Impfungen und Lockdown vermeiden

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi will mit der Regelung die Sicherheit am Arbeitsplatz erhöhen und mehr Italiener zur Impfung bewegen. Außerdem sollen weitere Lockdowns in einem der am härtesten von der Pandemie getroffenen Länder Europas vermieden werden.

In den vergangenen Wochen hatte es zum Teil gewalttätige Proteste gegen die neue Regelung gegeben, unter anderem vergangenen Samstag in der Hauptstadt Rom.

Über dieses Thema berichtete am 15. Oktober 2021 MDR Aktuell um 11:35 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.