Zahlreiche Menschen liegen am Strand von Port de Sóller auf der Ferieninsel Mallorca.

Urlaubsinsel Mallorca "Als wäre nichts!"

Stand: 16.07.2021 03:43 Uhr

Mallorca ist wieder Corona-Risikogebiet. Die Urlauber hält das aber kaum davon ab, trotzdem auf die Insel zu reisen. Warum auch? Von Beschränkungen ist kaum etwas zu spüren.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Vor dem Geschäft von Andrés Mitter in Port de Sóller fährt die historische Straßenbahn vorbei, ein Publikumsmagnet im Norden Mallorcas. Die Bahn ist fast komplett voll, die Urlauber sind zurück auf der Insel. Andrés lebt von ihnen. Trotzdem blickt er skeptisch aus der Tür seines Ladens für Sportausrüstung und Wanderbedarf. "Wir sind in einer Situation, in der die Infektionszahlen wieder steigen. Mal sehen, ob die Geschäfte geöffnet bleiben können und wir nach der Sommer- auch eine Herbstsaison haben." Das sei die wichtigste Saison, sagt er. Wenn er sehe, was gerade auf der Insel passiere, halte er das für schwierig.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Von Mittwoch auf Donnerstag haben die Gesundheitsbehörden auf den Balearen so viele Corona-Neuinfektionen verzeichnet wie noch nie. Fast 800 Tests fielen positiv aus. Bisher war ein Tag im Januar trauriger Rekordhalter mit knapp 780 neuen Fällen. Die Sieben-Tage-Inzidenz auf Mallorca und den anderen Inseln ist nach Angaben der lokalen Behörden auf 265 gestiegen. Ab dem Wert von 200 denkt das Robert-Koch-Institut darüber nach, eine Region zum Hochinzidenzgebiet zu erklären.

Sorglosigkeit, trotz Delta-Variante

"Die Leute sind sorgloser geworden", meint Andrés. "Es gibt ja auch kaum noch Einschränkungen: Du kannst jetzt ohne Maske über die Straße laufen. Da hinten, schau mal, da laufen vier, fünf, sechs, sieben Leute in einer Gruppe - alle ohne Maske." Auch wenn man an der frischen Luft sei, mit der Delta-Variante gebe es einen neuen Virustyp, der deutlich ansteckender sei. "Ich finde, es sind heute Beschränkungen nötig."

Sorglosigkeit auch an der Playa de Palma, der berühmten Strand- und Partymeile östlich der Inselhauptstadt. Die Menschen liegen sich in den Armen, singen die Partysongs mit, die aus den Lautsprechern der Lokale schallen. Hier ein Junggesellenabschied, da ein Sportverein. "Als wäre nichts!", sagt Tim aus Osnabrück, der mit seiner Freundin Urlaub auf Mallorca macht. "Wir haben beide schon die zweite Impfung hinter uns und die liegt auch schon 14 Tage zurück. Auch wenn Mallorca Risikogebiet ist, ist es für uns daher recht entspannt. Man fühlt sich schon sicherer."

Nachtleben verlagert sich an den Strand

Weil Clubs und Discos bisher nicht öffnen dürfen, verlagert sich das Nachtleben oft an den Strand selbst. Große Gruppen feiern dann auf der Promenade. Das stößt bei einigen Urlaubern auch auf Verständnis wie bei dieser Touristin: "Die Jugendlichen haben auch Recht auf ihr Leben. Manche toben, aber sie waren ja auch lange eingesperrt. Und die haben jetzt Schulabschluss. Jeder will ein bisschen feiern."

Genau vor einem Jahr hat die Inselregierung an diesem Punkt durchgegriffen und viele Partylokale geschlossen. Nun lehnt die Balearen-Regierung neue Corona-Einschränkungen ab und verweist auf die entspannte Situation in den Krankenhäusern der Inseln. Lediglich zwölf Prozent der Intensivbetten seien aktuell belegt. Eine nächtliche Ausgangssperre, wie sie andere spanische Regionen wegen der stark steigenden Corona-Zahlen einführen wollen oder schon eingeführt haben, planen Mallorca und die Nachbarinseln bisher nicht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Juli 2021 um 06:28 Uhr.

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Moderation 16.07.2021 • 13:47 Uhr

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