Partygäste auf der Tanzfläche eines Nachtclubs in Amsterdam. | EPA

Corona-Lockerungen Nachbarländer heben Beschränkungen auf

Stand: 16.02.2022 15:53 Uhr

Deutschlands Nachbarn lockern die Corona-Beschränkungen. In Österreich fällt die Sperrstunde, in Frankreich dürfen Clubs erstmals wieder öffnen. Die Niederlande heben Reiseverbote auf, die Schweiz Kontaktbeschränkungen.

Vier deutsche Nachbarländer haben angekündigt, die jeweils geltenden Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie in ihren Ländern stufenweise aufzuheben. Österreich, Frankreich, die Niederlande sowie die Schweiz haben rasche Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Aussicht gestellt.

Umfassende Lockerungen in Österreich

Österreich etwa hebt fast alle Corona-Regeln vom 5. März an auf. Dann bleibe nur noch eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen bestehen, kündigte die Regierung an. Veranstaltungen seien dann wieder ohne Einschränkungen möglich, die Sperrstunde falle und Nachtgastronomie werde erlaubt. "Wir haben die Pandemie noch nicht überwunden, das Coronavirus ist nach wie vor Teil unseres Lebens", sagte Kanzler Karl Nehammer. Aber angesichts der stabilen Lage in den Kliniken seien diese Öffnungsschritte jetzt möglich.

Das Tragen von FFP2-Schutzmasken werde weiterhin dort vorgeschrieben, wo es zum Schutz der am meisten gefährdeten Menschen notwendig sei, sagte Nehammer. Dies gelte in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften des täglichen Bedarfs und Apotheken.

Ende der 2G-Regel in Österreich

Bereits vom 19. Februar an soll in Österreich in der Gastronomie, bei Veranstaltungen, in Seilbahnen und in Sportstätten statt der 2G-Regel wieder die 3G-Regelung gelten, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Der Nachweis eines negativen Corona-Tests reicht dann aus. Auch die Einreise werde deutlich erleichtert mit der dann geltenden 3G-Regel für Geimpfte, Genesene und Getestete.

Das jetzige Infektionsgeschehen ermögliche "ein würdiges Frühlingserwachen aus einem eingefahrenen Krisenmodus", sagte Mückstein. Die Lage im Herbst könne sich aber wieder verschärfen, so der Minister. Deshalb müsse der Sommer fürs Impfen genutzt werden. Die Impfpflicht stehe nicht zur Disposition, sagte Mückstein. Aktuell liegt die Quote derjenigen mit Grundschutz, für den meist zwei Impfdosen nötig sind, bei 70 Prozent.

Clubs in Frankreich dürfen wieder öffnen

Auch Frankreich und die Niederlande lockern angesichts sinkender Infektionszahlen ihre Corona-Beschränkungen. In Frankreich können Diskotheken nun wieder öffnen, Konzertveranstalter dürfen Stehplätze anbieten, in Zügen darf wieder gegessen und in Kinos Popcorn verkauft werden.

In Frankreich waren die Clubs und Diskotheken in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 18 Monate geschlossen. Nach den neuen Regelungen ist es nun auch wieder erlaubt, an der Bar ein Getränk im Stehen einzunehmen.

Ende der Maskenpflicht in Aussicht

Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran stellte ein Ende der Maskenpflicht für Mitte März in Aussicht, falls das Infektionsgeschehen es zulasse. "Wenn die Krankenhäuser wieder normal funktionieren und das Virus sich nur noch langsam verbreitet, dann können Erwachsene und Kinder in Innenräumen auf die Maske verzichten", sagte Véran dem Sender France Info.

Auch die Zahl der Orte, an denen ein gültiger Impfpass Zugangsvoraussetzung ist, werde sich dann verringern. Dies werde voraussichtlich schrittweise geschehen. "Wenn das so weitergeht, dann haben wir die Welle in einigen Wochen hinter uns", sagte Véran.

Die Regierung in Paris hatte die Lockerungen bereits angekündigt, als der Höhepunkt der aktuellen Corona-Welle noch nicht erreicht war. Inzwischen ist er aber eindeutig überschritten, die Infektionszahlen gehen in Frankreich rasant zurück.

Niederlande lässt Clubs und Bars länger öffnen

In den Niederlanden dürfen von Freitag an Nachtclubs und Bars wieder bis 01.00 Uhr nachts geöffnet haben. Eine Woche später sollen dann sämtliche Beschränkungen der Öffnungszeiten wegfallen. "Das Land wird wieder geöffnet", sagte der niederländische Gesundheitsminister Ernst Kuipers.

Auch der Corona-Gesundheitspass, mit dem die Niederländerinnen und Niederländer nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind, wird zum 25. Februar abgeschafft. Die Abstands- und Maskenpflicht fällt dann ebenfalls an den meisten Orten weg. Die Quarantänezeit für Infizierte wird auf fünf Tage verkürzt.

Reiseverbote für Nicht-EU-Länder aufgehoben

Für Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist in den Niederlanden jedoch weiterhin ein negativer Test erforderlich. Die Reiseverbote für mehrere Nicht-EU-Länder werden aufgehoben. Reisende aus EU-Ländern müssen jedoch weiterhin einen Impfnachweis oder einen negativen Test vorlegen.

Vergangene Woche hatten die niederländischen Behörden mehr als 482.000 positive Corona-Tests verzeichnet. Ein Rückgang zwar um 22 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Dennoch mahnte der Gesundheitsminister: Auch, wenn "der Höhepunkt überschritten zu sein scheint", sei die Pandemie noch nicht überwunden.

"Freedom Day" in der Schweiz

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie werden auch in der Schweiz weitgehend aufgehoben. Läden, Restaurants, Kulturbetriebe und öffentlich zugängliche Einrichtungen sowie Veranstaltungen seien von Donnerstag an wieder ohne Maske und Zertifikat zugänglich. Auch die Maskenpflicht am Arbeitsplatz und die Homeoffice-Empfehlung würden gestrichen, teilte die Regierung mit. Es gibt auch keine Einschränkungen für private Treffen mehr.

Dank der hohen Immunität der Bevölkerung sei eine Überlastung des Gesundheitssystems trotz der weiterhin hohen Viruszirkulation unwahrscheinlich, hieß es. Beibehalten würden vorerst einzig die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen sowie die Isolation positiv getesteter Menschen. Eine vollständige Normalisierung peilt das Land dann zum 1. April an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Februar 2022 um 16:00 Uhr.