Ein Palästinenser bekommt eine Impfdosis gespritzt. | REUTERS

Corona-Pandemie So impft die Welt

Stand: 23.03.2021 13:25 Uhr

In Deutschland läuft die Impfkampagne langsam an. Aus Israel hingegen gibt es erste Videos von Menschen, die wieder in Bars und Cafés dürfen. Wie die Länder dieser Welt gegen das Coronavirus impfen. Ein Überblick.

Polen

Bislang wurden in Polen mehr als drei Millionen Menschen gegen Corona geimpft. Das Land hat ähnlich wie Deutschland die Impfreihenfolge genau festgelegt, von alt nach jung, von "systemrelevant" hin zu Angestellten in Branchen, die wegen Corona geschlossen werden mussten. Kritik gibt es am langsamen Impftempo sowie an der teilweise chaotischen Terminvergabe, bei der manche Rentner einen Impftermin Hunderte Kilometer von ihrem Wohnort entfernt bekamen und diesen nicht ändern konnten.

Tschechien

Die Impfkampagne in Deutschlands Nachbarland ist nur schleppend angelaufen. Derzeit können sich alle Menschen über 70 Jahren online für einen Termin registrieren. Doch sind einige Fälle von Politikern, Funktionären und Prominenten bekannt geworden, die bereits außer der Reihe geimpft wurden. Polizisten, Feuerwehrleuten und Lehrern wurde inzwischen ganz offiziell Priorität eingeräumt.

Österreich

In Österreich gab es entgegen der üblichen Erstreihung von Hochbetagten und Gesundheitspersonal im Tiroler Bezirk Schwaz im März innerhalb von wenigen Tagen eine Massenimpfung unter allen Einwohnern. Damit sollte die ansteckendere Südafrika-Variante des Coronavirus bekämpft werden. Außerdem wurde in Österreich bereits im Februar damit begonnen, Lehrerinnen und Lehrer und Kindergärtnerinnen und Kindergärtner zu impfen. Das liegt daran, dass der Impfstoff von AstraZeneca erst Anfang März für Menschen über 65 empfohlen und daher zuerst für jüngere Gruppen verwendet wurde.

Frankreich

Wie Deutschland setzt auch Frankreich darauf, zuerst die Ältesten und Schwächsten zu impfen. Das Land hat sich aber durchaus flexibel gezeigt und die Reihenfolge der Impfberechtigten regelmäßig angepasst. So wurden Impfungen schnell auch für das Gesundheitspersonal freigegeben. Auch Menschen über 50 Jahre mit Vorerkrankungen sind impfberechtigt. Die Regierung hat sich bemüht, die Impfkampagne voranzutreiben, auch in Hausarztpraxen wird geimpft.

Niederlande

Die Niederlande begannen als letztes Land der EU mit Impfen. Inzwischen wurde deutlich aufgeholt, und eigentlich gilt ein strenger Fahrplan, bei dem zuerst Risikogruppen wie Ältere und chronisch Kranke geimpft werden sollten. Diese Reihenfolge wurde aber nicht strikt eingehalten, dazwischen erhielten auch andere Gruppen wie zum Beispiel Personal von Krankenhäusern und Hausärzte ein Vakzin. Inzwischen wurden Menschen mit extremem Übergewicht vorgezogen.

Dänemark

Im europäischen Vergleich hat Dänemark bislang so viele Impfungen verabreicht wie kaum ein anderes Land. Bereits bis Anfang April sollen die wichtigsten Gruppen geimpft worden sein. Kurzum hat Dänemark zwei Prämissen bei der Impfkampagne ausgegeben: diejenigen mit dem größten Risiko für eine ernsthafte Erkrankung zuerst und so viele Menschen wie möglich in möglichst kurzer Zeit.

Estland, Litauen und Lettland

Die offziellen Impfpläne der drei baltischen Staaten sehen diese Reihenfolge vor: Geimpft wird zuerst medizinisches Personal sowie Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen. Vorrang erhalten auch alle Menschen über 70 Jahre und chronisch Kranke. Alle drei Staaten möchten das Impftempo erhöhen, doch der Impfstoff ist knapp. Lettland etwa setzte vor allem auf den AstraZeneca-Impfstoff und hatte weniger andere Präparate bestellt. Dadurch erhielten bislang nur rund vier Prozent der 1,9 Millionen Einwohner Lettlands den Schutz gegen das Coronavirus. In Estland und Litauen liegt die Impfquote bei jeweils mehr als zehn Prozent.

Slowakei

Die Regierung der Slowakei hatte Ende 2020 eine Reihenfolge festgelegt, nach der vor allem Mitarbeiter des Gesundheitssystems zuerst geimpft werden sollten. Zusätzlich sollten auch Mitarbeiter systemrelevanter Bereiche, die für das Funktionieren von Staat und Wirtschaft unentbehrlich sind, noch vor den ältesten Bevölkerungsgruppen und vor Risikopatienten drankommen. Das führte jedoch zu Chaos. Deshalb warf das Gesundheitsministerium schließlich den komplizierten Impfplan über den Haufen und legte ab März fest, dass nun mehr nach Reihenfolge des Alters geimpft werde. Mittlerweile wird in der Slowakei auch mit dem russischen Impfstoff Sputnik V geimpft, der in der EU noch nicht zugelassen ist.

Ungarn

Es gibt im Prinzip eine festgelegte Reihenfolge, doch ein Teil der Impfungen wird von Hausärzten in ihren Praxen verabreicht. Diese haben mehr oder weniger freie Hand, wenn bei ihnen Dosen übrig bleiben, weil etwa gebuchte Patienten nicht erscheinen.

Bulgarien

Bulgarien beschleunigte ab 19. Februar seine Impfkampagne, indem parallel zum Fünf-Phasen-Plan "Grüne Korridore" für Impfwillige eröffnet wurden. Diese waren für Menschen gedacht, die nicht von dem Impfplan nach Berufsgruppen und Alter erfasst werden oder erst später dran sind. Die "Grünen Korridore" sind derzeit wegen des Impfstopps für Dosen von AstraZeneca vorübergehend geschlossen. Vorrangig werden jetzt Mitarbeiter der Wahlbehörden geimpft, da in Bulgarien am 4. April ein neues Parlament gewählt werden soll. Bislang wurden in dem Land mit 6,9 Millionen Einwohnern rund 346.000 Impfdosen verabreicht.

Italien

Die Regierung unter Mario Draghi schärfte jüngst ihren Plan für die Impfkampagne nach. Bis September dieses Jahres sollen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Zudem hat vor kurzem ein vom Militär betriebener Impf-Drive-In in Mailand eröffnet. Die Regierung will aber an weiteren Punkten wie Sporteinrichtungen oder Schulen Impfungen anbieten.

Spanien

Die Impfstrategie und -geschwindigkeit in Spanien ähnelt der in Deutschland. Zuerst wurden Hochbetagte, Altenheimbewohner und ihr Pflegepersonal sowie Ärzte und Pfleger der Intensivstationen geimpft. Diese erste von drei Phasen neigt sich nun dem Ende zu. Anschließend werden Jüngere geimpft. Seit Beginn der Impfkampagne in Spanien mit einer Bevölkerung von 47 Millionen wurden bisher knapp sechs Millionen Menschen gegen Corona geimpft. Fast 1,9 Millionen von ihnen haben schon die zweite Dosis erhalten, teilte die Regierung mit.

Serbien

Das Land setzt neben westlichen Vakzinen im großen Stil den chinesischen Impfstoff Sinopharm und auch Sputnik V ein. Es gibt eine Reihenfolge, doch offenbar auch Impfstoff-Überschüsse. So wurden zuletzt "Aktionen" begonnen, wo in bestimmten Städten an festgelegten Tagen jeder über 60, später auch Jüngere drankommen konnte.

Großbritannien

Im Vereinigten Königreich wird hauptsächlich nach Altersgruppen geimpft. Es haben nun mehr als 25 Millionen Menschen eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das ist fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung. Mittlerweile sind auch alle über 50-Jährigen aufgerufen, sich impfen zu lassen. Damit liegt die Regierung deutlich vor dem eigenen Zeitplan, dieser Altersgruppe bis Mitte April eine erste Dosis anzubieten. Bis Ende Juli sollen alle Erwachsenen die Möglichkeit haben.

Russland

In dem flächenmäßig größten Land der Erde darf sich mittlerweile so gut wie jeder impfen lassen. In der Hauptstadt Moskau etwa klappt das oft auch reibungslos und teilweise sogar ohne Voranmeldung. Das Problem in Russland ist ein anderes: Laut Umfragen wollen sich viele Russen gar nicht mit dem landeseigenen Präparat Sputnik V impfen lassen.

Israel

In dem kleinen Land gab es zwar eine klare Impfreihenfolge, diese wurde jedoch nicht sehr streng eingehalten. Wenn es übrige Impfdosen gab, wurden diese häufig an jeden vergeben, der gerade bereit war. Es gab aber teilweise auch Kritik an Impfdränglern. Insgesamt gilt Israel mit seiner Impfkampagne als Paradebeispiel für Flexibilität. Es wurde mit mobilen Einheiten, Impf-Drive-Ins, am Arbeitsplatz oder in Bars geimpft. Deswegen ist die Impfkampagne inzwischen auch schon sehr weit fortgeschritten.

Vereinigte Arabische Emirate

Hier haben inzwischen gut die Hälfte der rund zehn Millionen Einwohner eine Impfung erhalten. Priorisiert werden ältere und chronisch kranke Menschen - in diesen Gruppen sind wohl bereits 70 Prozent geimpft worden. Neben den Staatsbürgern können sich auch ausländische Arbeitsmigranten impfen lassen.

Südkorea

Südkorea hat erst Ende Februar mit dem Impfen begonnen. Bis Ende März wurden knapp 680.000 Menschen in dem Land mit etwa 51,3 Millionen Einwohnern geimpft. Wie in anderen Ländern auch haben zunächst bestimmte Berufsgruppen wie Pflegepersonal und Ärzte sowie ältere Menschen Vorrang. Bis Ende Juni sollen zwölf Millionen Menschen geimpft sein, im November will Südkorea mit einer Impfquote von 70 Prozent "Herdenimmunität" erreichen. Bisher sind nur die Vakzine von AstraZeneca und Biontech/Pfizer genehmigt.

Indien

In Indien wird die Impfreihenfolge sehr klar eingehalten - und das obwohl das Land viel Impfstoff hat. Zuerst durften sich nur Gesundheitspersonal und andere "Systemrelevante" wie Polizisten impfen. Inzwischen dürfen auch Menschen über 60 Jahre und Risikopatienten ab 45 Jahren geimpft werden. Gleichzeitig hat das Land nach eigenen Angaben schon knapp 60 Millionen Dosen Impfstoff exportiert - im Land selbst wurden knapp 30 Millionen verabreicht.

USA

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hat versprochen, bis Ende Mai genügend Impfstoff für alle rund 260 Millionen Erwachsenen in den Vereinigten Staaten zu haben. In den USA empfiehlt die Gesundheitsbehörde CDC eine bestimmte Reihenfolge für Impfungen: Zuerst kommen medizinische Angestellte und Menschen in Pflegeheimen dran, dann die wichtigsten systemrelevanten Arbeiter und Menschen über 75, es folgen jüngere Senioren und Kranke. Biden kündigte jedoch an, er werde die Bundesstaaten anweisen, die Impfstoffe bis spätestens 1. Mai für alle Erwachsenen freigeben zu lassen. Insgesamt wurden bis Mittwoch mehr als 113 Millionen Dosen Corona-Impfstoff verabreicht. Mehr als 73 Millionen Menschen erhielten demnach mindestens bereits eine Dosis, rund 40 Millionen gelten bereits als voll geimpft. Insgesamt leben in den USA rund 330 Millionen Menschen. Damit liegen die USA unter den zehn impfstärksten Ländern weltweit.

Mexiko

Als erstes Land Lateinamerikas hatte Mexiko seine Impfkampagne an Heiligabend begonnen. Fast drei Monate später sind erst rund 4,5 Millionen Dosen verabreicht und rund 600.000 Menschen vollständig geimpft worden. Dabei hatte Mexiko sich bereits im Oktober Bezugsrechte für insgesamt bis zu 146 Millionen Dosen dreier Impfstoffe gesichert. Inzwischen sind dort fünf Impfstoffe zugelassen, darunter zwei chinesische und das russische Vakzin Sputnik V. Viele reiche Mexikaner sind Berichten zufolge in die USA gereist, um sich dort impfen zu lassen.

Chile

In Lateinamerika ist Chile mit seiner Impfkampagne bereits am weitesten fortgeschritten. Über fünf Millionen der rund 19 Millionen Chilenen wurden bereits geimpft. Dabei folgen die Gesundheitsbehörden einem Impfplan, nach dem zunächst chronisch Kranke und Menschen über 60 Jahre, dann Ärzte und Pflegekräfte und später Mitarbeiter aus essenziellen Sektoren wie Katastrophenschutz, Militär, Polizei und Feuerwehr geimpft werden sollen.

Brasilien

Das größte Land Südamerikas gilt mittlerweile als globaler Hotspot der Corona-Pandemie. Hier grassiert eine aggressive und hochansteckende Mutante. Das Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch. Zudem hat das Land mit dem Rechtspopulisten Jair Bolsonaro einen Präsidenten, der das Coronavirus immerzu verharmlost und inzwischen auch eine Impfung in Zweifel zieht - und den Kauf oder die Produktion von Impfstoffen torpediert. So begann die landesweite Impfkampagne erst im Januar und musste immer unterbrochen werden, weil Impfstoff fehlte. Inzwischen wurden in Brasilien mehr als zehn Millionen von 210 Millionen Einwohnern geimpft.

Über dieses Thema berichteten NDR Info am 03. März 2021 um 13:00 Uhr und der Weltspiegel im Ersten am 14. März 2021 um 19:30 Uhr.