Sanitäter schieben vor einem Krankenhaus in London eine Trage zu ihrem Rettungswagen.070121 London  | AP

Corona-Lage in Großbritannien Soldaten helfen in Londons Kliniken

Stand: 07.01.2022 13:43 Uhr

In Großbritannien wurden zuletzt etwa 200.000 tägliche Neuinfektionen registriert, im Gesundheitssystem fehlen inzwischen Tausende Mitarbeiter. 200 Soldaten sollen in London die Lage in den Krankenhäusern stabilisieren.

Die britische Armee schickt etwa 200 Soldatinnen und Soldaten zur Unterstützung der Krankenhäuser in London. Sie sollen mit dem medizinischen Personal "Hand in Hand arbeiten, um das Land vor Covid-19 zu schützen", sagte Verteidigungsminister Ben Wallace. Außerdem sollen 32 Soldatinnen und Soldaten im Rettungsdienst aushelfen. Der Einsatz ist zunächst für drei Wochen geplant.

Wallace teilte weiter mit, dass ungefähr 1800 Armeekräfte landesweit bereits Krankenwagen steuerten, Corona-Impfungen verabreichten und Krankenhauspatienten betreuten. Sie könnten "stolz auf ihren Beitrag zu diesen wahrhaft nationalen Anstrengungen sein".

Lage laut NHS "sehr schwierig"

In vielen Kliniken herrscht ein akuter Personalmangel, weil die Omikron-Variante des Coronavirus sich schnell ausbreitet. Dies führt auch im Gesundheitssektor zu mehr Erkrankungen, Verdachtsfällen und Quarantänephasen.

Der Chef des nationalen Gesundheitsdienstes NHS, Matthew Taylor, betonte, es gebe einen Ausfall von mehreren tausend NHS-Mitarbeitern. Die Unterstützung der Armee werde helfen, angesichts des viel höheren Personalausfalls bleibe die Lage aber weiterhin "sehr schwierig".

Operationen müssen verschoben werden

"Wir haben noch nie ein solches Ausmaß an Personalausfall erlebt", sagte Chaand Napaul, der Vorsitzende des Britischen Ärzteverbands, dem Sender Sky News. Das Gesundheitswesen stehe jeden Winter unter Druck, "aber ich glaube nicht, dass irgendjemand, der im NHS gearbeitet hat, dieses Ausmaß an Abwesenheit seiner Kollegen erlebt hat."

In Krankenhäuser würden geplante Operationen verschoben. "Das ist nicht normal, und deshalb muss die Regierung eingestehen, dass der NHS unter extremem Druck steht und dass Tausende Patienten leider unter den Folgen dieses Drucks und des Personalausfalls leiden", sagte Napaul.

Johnson gegen strengere Maßnahmen

Derzeit werden nach BBC-Angaben etwa 4000 Covid-Patientinnen und -Patienten in Krankenhäusern behandelt. Anfang Dezember waren es noch 1100 gewesen.

Am Dienstag hatte Großbritannien einen neuen Höchststand von 218.724 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Die Zahl der Covid-19-Patienten, die beatmet werden müssen, bleibt derzeit aber stabil.

Premierminister Boris Johnson lehnt strengere Corona-Einschränkungen oder gar einen neuen Lockdown ab. Stattdessen kündigte er an, die Testvorschriften für symptomlose Infizierte in England zu lockern, um die Auswirkungen der Rekordinfektionsraten zu mildern.

Über dieses Thema berichtete WDR1 am 07. Januar 2022 um 10:09 Uhr.