Ein Mann mit Mundschutz geht in London an einem Plakat vorbei mit der Aufschrift: This way out of the pandemic - Das ist der Weg heraus aus der Pandemie | REUTERS
Überblick

Corona-Strategien Wie Europa mit Omikron umgeht

Stand: 27.01.2022 16:02 Uhr

Die Omikron-Welle läuft über ganz Europa. Doch nicht überall sorgt das für scharfe Maßnahmen und Einschränkungen. Die Länder gehen mit der Virusvariante ganz unterschiedlich um. Ein Überblick.

Von Jens Eberl, WDR

Großbritannien: Maskenpflicht entfällt

In Großbritannien haben sich die Infektionszahlen in den vergangenen zwei Wochen etwa halbiert, sind aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist geboostert.

Jens Eberl

Der britische Premierminister Boris Johnson hat dies zum Anlass genommen, eine Abschaffung aller noch geltenden Corona-Regeln anzukündigen. Für Corona-Infizierte soll es schon bald keine Quarantäne mehr geben. In England entfällt die Maskenpflicht im Unterricht, Homeoffice für Angestellte sei nicht mehr nötig. Ab 27. Januar müssen Menschen beim Museums- oder Konzertbesuch keinen Impfnachweis mehr vorzeigen. Die Maskenpflicht auf Veranstaltungen fällt weg.

Wer nach Großbritannien einreist, muss nicht mehr in Quarantäne. Immer mehr Politiker und Wissenschaftler fordern inzwischen, Corona wie Grippe zu behandeln. Mehr als 95 Prozent der Briten hätten inzwischen Antikörper gegen das Coronavirus. Die Krankheit sei damit endemisch.

Spanien: Omikron wie Grippe behandeln

Auch Spanien plant ein Umdenken in der Corona-Strategie. Für Aufregung sorgte die Ankündigung des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, Covid-19 ähnlich wie eine Grippe zu behandeln. Statt jeden zu testen, sollen Stichproben erfasst und für ein Frühwarnsystem hochgerechnet werden.

Als Grund für den Kurswechsel nannte Sánchez auch die erfolgreiche Impfkampagne. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Die Booster-Kampagne kommt allerdings ins Stocken, hier liegt das Land lediglich im europäischen Mittelfeld. In Cafés, Kneipen, Restaurants oder Theatern benötigt man keinen Gesundheitsnachweis mehr. In den Schulen gibt es keine Testpflichten für Schüler und Lehrer mehr.

Die Zahlen steigen allerdings. Die offizielle Sieben-Tages-Inzidenz liegt momentan bei 1500. Experten warnen deshalb vor einem Spiel mit dem Feuer.

Einschränkungen in Schweden

Schweden ist bekannt für seinen Sonderweg. Seit dem Jahreswechsel steigen die Zahlen. Schweden verlängert die derzeit geltenden Einschränkungen um zwei Wochen. Bars und Restaurants müssen also weiterhin um 23.00 Uhr schließen. In größeren Veranstaltungsräumen dürfen maximal 500 Personen zusammenkommen. Getestet wird in Schweden nur noch bei Symptomen.

Impfpflicht in Österreich

Österreich erlebt mit der Ausbreitung der Omikron-Variante Neuinfektionen auf Rekordniveau. Deshalb hat die Bundesregierung in Berlin Österreich erneut bis auf wenige Ausnahmen als Corona-Hochrisikogebiet eingestuft.

Als erstes EU-Land hat Österreich eine Impfpflicht beschlossen. Impfen wird von Anfang Februar an für alle ab 18 Jahren Pflicht, andernfalls drohen Geldstrafen bis zu 3600 Euro.

Der Lockdown für Ungeimpfte soll am Montag enden, Grund dafür sei die entspannte Lage auf den Intensivstationen. Alle weiteren geltenden Covid-Maßnahmen bleiben vorerst bestehen. In vielen öffentlichen Bereichen wie in Freizeiteinrichtungen, bei Veranstaltungen und im sogenannten nicht-lebensnotwendigen Handel bleibt die 2G-Regel bestehen. Die Sperrstunde in der Gastronomie um 22 Uhr bleibt ebenfalls bestehen.

Niederlande: Lockern trotz hoher Zahlen

Die Niederlande haben mit einer heftigen Omikron-Welle zu kämpfen. Dennoch geht das Land einen Schritt in Richtung Normalität. Nach mehr als fünf Wochen dürfen Restaurants, Gaststätten, Theater, Museen und Kinos wieder öffnen - täglich bis 22 Uhr. Auch in Fußballstadien ist wieder eine begrenzte Zahl von Zuschauern erlaubt.

Der erneute Lockdown, der seit 19. Dezember galt, hatte im Land zu viel Unzufriedenheit geführt. In einigen niederländischen Städten öffneten Cafés trotz des Verbots. Einschränkungen im öffentlichen Leben wie die Maskenpflicht oder der Corona-Pass, mit dem Besucher nachweisen müssen, dass sie getestet, geimpft oder genesen sind, bleiben weiter bestehen.

Rekordwerte in Polen

In Polen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen neue Rekordwerte erreicht. Innerhalb von 24 Stunden kamen mehr als 50.000 neue Fälle hinzu, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Polen hat rund 38 Millionen Einwohner, also knapp halb so viele wie Deutschland.

Bislang gibt es in Polen keine Regelungen, dass Betreiber von Restaurants, Hotels und Geschäften den Impfstatus ihrer Kunden abfragen können. 2G- oder 3G-Regelungen gibt es in Polen auch nicht. Die regierende PiS tut sich schwer, diese Maßnahmen umzusetzen, da sie im Parlament auch auf die Stimmen von Abgeordneten angewiesen ist, die Impfgegner sind.

Aufgrund der steigenden Ansteckungszahlen stellt Polen wieder größtenteils auf Online-Unterricht in Schulen um. Polen hat eine Impfquote von etwa 57 Prozent. Damit liegt das Land deutlich unter dem Durchschnitt der EU-Staaten.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 27. Januar 2022 um 15:50 Uhr.