Angela Merkel und Michael Müller | dpa

Merkel zur Corona-Lage Im "Wettlauf" mit der Delta-Variante

Stand: 10.06.2021 18:25 Uhr

"Extrem erfreulich" - so schätzt die Kanzlerin die aktuelle Corona-Lage in Deutschland ein. Sorge bereitet Merkel allerdings die Delta-Variante, die sich in Großbritannien ausbreitet. Laut WHO ist sie in ganz Europa auf dem Vormarsch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor der Gefahr der Delta-Mutation des Coronavirus gewarnt. "Das, was uns Sorge macht, ist die sogenannte Delta-Variante, die sich in Großbritannien wieder sehr stark ausbreitet", sagte Merkel im Anschluss an Beratungen mit der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin.

Jeder Tag, in dem es eine geringe Nachweisbarkeit der Variante gebe, sei ein guter Tag. Aber wichtig seien nun weitere Fortschritte beim Impfen. "Wir sind im Grunde in einem Wettlauf mit dem Impfen", sagte die Bundeskanzlerin.

Delta-Variante relativ selten

Laut RKI bleibt die Delta-Variante in Deutschland noch relativ selten. Ihr Anteil an den untersuchten Proben betrage nun 2,5 Prozent, heißt es im RKI-Bericht zu den als besorgniserregend eingestuften Mutanten. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 24. bis 30. Mai.

Als besorgniserregend werden Varianten eingestuft, wenn sie sich etwa möglicherweise leichter verbreiten, schwerere Verläufe verursachen oder wenn sich das Virus so verändert hat, dass der Schutz von Geimpften und Genesenen beeinträchtigt sein könnte. Mit einem Anteil von 94 Prozent an den untersuchten Proben löst die Variante Alpha (B.1.1.7, entdeckt in Großbritannien) bundesweit weiter den Großteil der Infektionen aus.

"Corona ist damit nicht verschwunden"

Merkel nannte gleichzeitig die aktuelle Entwicklung in Deutschland aber "extrem erfreulich", was die Fallzahlen anbelange. "Wir können sagen, dass sich die Anstrengungen der vergangenen Monate gelohnt haben." Allerdings sei Corona damit nicht verschwunden, wie das wieder exponentielle Wachstum in Großbritannien wegen der Delta-Virusvariante zeige.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte zuvor davor gewarnt, dass sich die Delta-Variante in Europa ausbreitet. Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, erklärte, sie sei im Begriff, sich in der Region durchzusetzen.

Die Mutation sei möglicherweise in der Lage, einigen Impfstoffen zu entgehen, sagte Kluge. Während in zahlreichen Ländern die Einschränkungen wegen der Pandemie langsam fielen und wieder viele Kontakte möglich seien, sei ein Teil der gefährdeten Bevölkerung immer noch ungeschützt, besonders Menschen im Alter von über 60 Jahren.

Die Corona-Varianten und ihre Namen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt ab sofort auf neutrale Bezeichnungen für die Varianten des Coronavirus. Sie sollen nicht mehr nach den Ländern benannt werden, in denen sie zuerst entdeckt wurden. Damit will die WHO Diskriminierung und Stigmatisierung verhindern.

Alpha heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7.

Beta lautet der Name für die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351.

Gamma steht für die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1.

Delta bezeichnet die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2.

"Fehler nicht noch einmal machen"

"Wir waren schon einmal an diesem Punkt", sagte Kluge. "Im Laufe des vergangenen Sommers stiegen die Fallzahlen allmählich in jüngeren Altersgruppen an und bewegten sich dann in ältere Altersgruppen, was zu einem verheerenden Wiederaufleben beitrug." Diese Entwicklung habe letztlich zu mehr Lockdowns und Todesfällen im Herbst und Winter 2020 geführt. "Lassen Sie uns diesen Fehler nicht noch einmal machen", sagte er.

Der Regionaldirektor riet nicht von Reisen ab, forderte die Menschen aber auf, sich verantwortungsbewusst zu verhalten. Er verlangte außerdem eine Beschleunigung der Impfkampagnen auf dem ganzen Kontinent.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Juni 2021 um 18:20 Uhr.