Pendler betreten die Londoner U-Bahn-Station Oxford Circus im Zentrum Londons. | AFP

Warnung der WHO "Delta-Variante setzt sich in Europa durch"

Stand: 10.06.2021 16:29 Uhr

Die WHO warnt eindringlich: Die Delta-Variante des Coronavirus breite sich in Europa immer weiter aus. Noch immer seien Risikopatienten ungeschützt, bei den Impfkampagnen müsse Tempo gemacht werden.

Die Weltgesundheitsorganisation hat davor gewarnt, dass sich die zuerst in Indien entdeckte Variante des Coronavirus in Europa ausbreitet. Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, erklärte, die Delta-Variante sei im Begriff, sich in der Region durchzusetzen.

Die Variante sei möglicherweise in der Lage, einigen Impfstoffen zu entgehen, sagte Kluge. Während in zahlreichen Ländern die Einschränkungen wegen der Pandemie langsam fielen und wieder viele Kontakte möglich seien, sei ein Teil der gefährdeten Bevölkerung immer noch ungeschützt, besonders Menschen im Alter von über 60 Jahren.

"Fehler nicht noch einmal machen"

"Wir waren schon einmal an diesem Punkt", sagte Kluge. "Im Laufe des vergangenen Sommers stiegen die Fallzahlen allmählich in jüngeren Altersgruppen an und bewegten sich dann in ältere Altersgruppen, was zu einem verheerenden Wiederaufleben beitrug." Diese Entwicklung habe letztlich zu mehr Lockdowns und Todesfällen im Herbst und Winter 2020 geführt. "Lassen Sie uns diesen Fehler nicht noch einmal machen", sagte er.

Der Regionaldirektor riet nicht von Reisen ab, forderte die Menschen aber auf, sich verantwortungsbewusst zu verhalten. Er verlangte außerdem eine Beschleunigung der Impfkampagnen auf dem ganzen Kontinent.

Die Corona-Varianten und ihre Namen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt ab sofort auf neutrale Bezeichnungen für die Varianten des Coronavirus. Sie sollen nicht mehr nach den Ländern benannt werden, in denen sie zuerst entdeckt wurden. Damit will die WHO Diskriminierung und Stigmatisierung verhindern.

Alpha heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7.

Beta lautet der Name für die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351.

Gamma steht für die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1.

Delta bezeichnet die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2.

Geringer Anteil in Deutschland

Die Coronavirus-Variante Delta bleibt in Deutschland noch relativ selten. Ihr Anteil an den untersuchten Proben betrage nun 2,5 Prozent, heißt es in einem RKI-Bericht zu den als besorgniserregend eingestuften Mutanten. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 24. bis 30. Mai.

Als besorgniserregend werden Varianten eingestuft, wenn sie sich etwa möglicherweise leichter verbreiten, schwerere Verläufe verursachen oder wenn sich das Virus so verändert hat, dass der Schutz von Geimpften und Genesenen beeinträchtigt sein könnte.

Mit einem Anteil von 94 Prozent an den untersuchten Proben löst die Variante Alpha (B.1.1.7, entdeckt in Großbritannien) bundesweit weiter den Großteil der Infektionen aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2021 um 15:00 Uhr.