Verbrannte Wälder neben einer Palmölplantage nach Bränden in der Nähe von Banjarmasin in der Provinz Südkalimantan (Indonesien) | REUTERS

UN-Klimakonferenz in Glasgow Ein echter Plan gegen die Entwaldung?

Stand: 02.11.2021 17:51 Uhr

100 Staaten haben in Glasgow einen Pakt geschlossen, um die Zerstörung der Wälder ab 2030 zu stoppen. Gastgeber Johnson brachte die Initiative auf den Weg und preist sie als beispiellos. Doch die Vereinbarung ist wenig verbindlich.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Boris Johnson hatte schon vor Beginn der Klimakonferenz COP26 in Glasgow deutlich gemacht, dass es im Kampf gegen den Klimawandel auf den Erhalt der Wälder weltweit ankommt. Auf mehreren Pressekonferenzen hatte der britische Premierminister und Gastgeber deutlich gemacht, welche vier Punkte aus seiner Sicht wichtig sind: Kohle, Autos, Geld und Bäume. Nun hat er also in Glasgow eine Initiative zum Schutz des Waldes präsentiert.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs haben sich auf der Klimakonferenz zum verstärkten Kampf gegen die Vernichtung der Wälder verpflichtet - darunter Brasilien, Russland, Kanada, die USA. Bis 2030 soll die Abholzung gestoppt werden. "Wenn die Staatengemeinschaft das 1,5-Grad-Ziel erreichen wolle und vom Klimawandel betroffene Länder unterstützen wolle, dann müssten die Wälder weltweit geschützt werden", sagte Johnson.

Umweltschützer haben Zweifel

Grundsätzlich stimmen Fachleute dieser Aussage zu. Beim Roden von Wäldern werden große Mengen CO2 freigesetzt. Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, begrüßte die Vereinbarung. "Wir haben ohne den Schutz der Wälder überhaupt keine Chance, unseren Planeten auf ein 1,5-Grad-Ziel-Pfad zu bekommen und die Temperaturerhöhungen so zu begrenzen. Dazu brauchen wir die Wälder, weil sie Kohlendioxid einspeichern."

Aber die Initiative ist nicht verbindlich, was Nichtregierungsorganisation kritisierten. Zum Beispiel Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF. "Die heutige Klima- und Biodiversitätskrise braucht sehr viel schnellere und verbindlichere Maßnahmen als hier durch Freiwilligkeit erreicht werden kann", sagte sie. Die heutige Initiative werde glaubwürdig und wirksam, wenn sie sich schnell in national verbindliche Regeln niederschlagen würde. "Dies ist besonders wichtig, weil die Entwaldung für etwa 15 bis 20 Prozent der menschlichen Kohlenstoff-Freisetzungen verantwortlich ist."

Die britische Regierung bezeichnete das Vorhaben als "beispiellos". Allerdings hatten rund 200 Teilnehmer eines UN-Klimatreffens in New York bereits 2014 angekündigt, die Entwaldung bis 2020 deutlich aufzuhalten und bis 2030 zu stoppen. Trotzdem geht die Abholzung ungebremst weiter.

80 Staaten wollen Methan-Ausstoß reduzieren

Am dritten Tag der Klimakonferenz sprachen in Glasgow erneut zahlreiche Staats- und Regierungschefs und äußerten sich zu ihren Plänen gegen den Klimawandel. Staatssekretär Flasbarth kritisierte, dass Chinas Staatschef nicht nach Glasgow reiste. Die Rolle Chinas sei enttäuschend. Trotzdem sei es erforderlich, im Dialog mit China weiterzugehen.

Vertreterinnen und Vertreter aus 80 Staaten unterzeichneten auf der Klimakonferenz darüber hinaus eine Initiative, um den Methan-Ausstoß zu reduzieren. Das Gas trägt in besonderem Ausmaß zur Erderwärmung bei.

Deutschland kündigte außerdem an, Südafrika beim Kohleausstieg zu unterstützen. Die Bundesregierung stellt dazu rund 700 Millionen Euro bereit. Die Partnerschaft wurde gemeinsam mit Großbritannien, den USA, Frankreich und der EU angekündigt. Insgesamt werden 8,5 Milliarden US-Dollar bereit gestellt, um den Ausbau erneuerbarer Energien in Südafrika zu fördern und Stromnetze zu erneuern.

Dieser Beitrag lief am 02. November 2021 um 23:34 Uhr im Deutschlandfunk.