Gewählte Mitglieder der City of London Corporation ziehen ihren Hut in London, nachdem die Proklamation der Thronbesteigung von König Charles III. verlesen wurde.  | dpa

Proklamation von King Charles III. Wie vor hundert Jahren

Stand: 10.09.2022 20:19 Uhr

Pergament, jede Menge Lockenperücken und ein altertümliches Zeremoniell: Die Proklamation von Charles III. schien aus der Zeit gefallen. Auf den neuen König warten aber moderne Herausforderungen.

Von Franziska Hoppen, ARD-Studio London

Es ist ein seltsamer Tag in London. Auf einmal trifft diese moderne Stadt, zwischen Hochhäusern und Taxis, auf uralte Traditionen: Männer in purpurnen Roben mit Pelzkrägen schreiten durch die Straßen, Trompeter in Gold-bestickten Anzügen, Herren mit hohen, weiß gepuderten Lockenperücken, dazwischen die Beefeater.

Franziska Hoppen

Es sind Traditionen, die dieses Land seit siebzig Jahren nicht mehr erlebt hat. Selbst die BBC-Moderatoren müssen nachschlagen, was das alles heißt: "Das ist ziemlich selten, dass wir auf Londoner Straßen ein solches Niveau an Geschichte und Prunk sehen", sagt eine Moderatorin.

Zum König proklamiert - aber noch nicht gekrönt

Charles wurde zwar nach dem Tod von Queen Elizabeth automatisch zum neuen König. Heute aber war die zeremonielle Verkündung. Im St.-James-Palast in Westminster kamen am Morgen zunächst 200 der wichtigsten Politiker, Diplomaten und Amtsträger der Kirche zusammen, um Charles III. offiziell als König auszurufen.

Auch Charles legt einen Schwur ab - "So help me God". Dann folgt die sogenannte Proklamation, verkündet wie vor Hunderten von Jahren: abgelesen von Pergament, vom Balkon aus, dem Volke zugerufen. Es folgen Salutschüsse an der London Bridge.

Für King Charles ist das ein Tag, der symbolhaft für die Herausforderungen in seiner Regentschaft stehen dürfte: Irgendwo zwischen den riesigen Fußstapfen seiner Mutter, die sich meist akribisch ans alte Protokoll hielt, und, auf der anderen Seite, einer sich immer schneller wandelnden Welt. Zumindest vor dem Buckingham Palace, wo er auch heute wieder Hände schüttelt, scheint er sich wohler zu fühlen als seine Mutter, geht offener auf die Menschen zu.

Viel Zeit zum Trauern und vielleicht auch fürs Freuen an diesem Tag bleibt ihm nicht. Charles nimmt gleich wieder die Arbeit auf: Audienzen, unter anderem mit der neuen Premierministerin Liz Truss, mit den Führern der Oppositionsparteien. Und die Politiker haben heute gut zu tun: Auch sie müssen einen neuen Eid schwören - nicht mehr auf die Queen, sondern auf den neuen König.

Und das, was einmal war, beschäftigt die Abgeordneten auch danach noch. Am Nachmittag gedenken sie weiter mit persönlichen Anekdoten ihrer verstorbenen Queen Elizabeth.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2022 um 17:00 Uhr.