Ein zerstörtes Auto in Charkiw | dpa

Krieg gegen die Ukraine Kämpfe bei Charkiw gemeldet

Stand: 23.03.2022 08:44 Uhr

Im Osten der Ukraine ist es offenbar erneut zu Gefechten zwischen russischen und ukrainischen Truppen gekommen. In der belagerten Hafenstadt Mariupol sollen während einer Evakuierungsaktion Bomben eingeschlagen sein.

Nach ukrainischen Angaben haben die eigenen Einheiten ihre Positionen gegen russische Angriffe verteidigen können. So sei bei neuen Kämpfen um Charkiw im Osten des Landes ein Angriff abgewehrt worden, bei dem die russische Seite auch Kampfhubschrauber vom Typ Ka-52 eingesetzt habe. "Unsere Truppen halten ihr Stellungen", sagte der regionale Befehlshaber Oleg Sinegubow der Zeitung "Ukrajinska Prawda".

Die Berichte über Flüge der Ka-52 könnten im Zusammenhang mit russischen Berichten stehen, die die Zerstörung eines ukrainischen Munitionslagers melden. Ein Ort wurde allerdings nicht genannt.

Schwierig sei die Lage im belagerten, rund 100 Kilometer entfernten Isjum. Zu der Stadt gebe es keine Verbindung mehr. Alle Bemühungen um einen humanitären Korridor seien bisher von russischer Seite abgelehnt worden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Rückt die russische Armee vor?

Nach Darstellung des ukrainischen Generalstabs wurde Mykolajiw im Süden ebenso verteidigt wir Tschernihiw im Nordosten. Bei Slowjansk im Gebiet Donezk nahe der Gebiete der pro-russischen Separatisten sei der Vormarsch aufgehalten worden. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nach Erkenntnissen von Militärexperten und nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums gibt es derzeit keine systematischen Vorstöße der russischen Einheiten. Das heißt aber nicht, dass es keine Kampfhandlungen gibt.

Im Umfeld von Kiew sollen die Angreifer Stellungen errichten und versuchen, Artilleriegeschütze näher an die Hauptstadt zu bringen. Beides würde darauf hindeuten, dass sich die russische Seite auf eine längere Auseinandersetzung vorbereitet.

Menschen in Mariupol "unter ständigem Beschuss"

Katastrophal ist die Lage weiterhin für die Einwohner der Hafenstadt Mariupol im Süden der Ukraine. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind noch 100.000 Menschen in der Stadt, die wegen der russischen Belagerung "ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Medikamente, unter ständigem Beschuss" ausharren müssten. Die Großstadt hatte vor Kriegsbeginn noch 450.000 Einwohner.

In einer nächtlichen Videobotschaft sagte Selenskyj, es sei am Dienstag gelungen, über drei Fluchtrouten mehr als 7000 Menschen aus Mariupol in das 250 Kilometer nordwestlich gelegene Saporischschja in Sicherheit zu bringen. Zugleich warf er den russischen Streitkräften vor, eine Gruppe von Flüchtlingen aus Mariupol auf einer der zuvor vereinbarten Fluchtrouten "einfach gefangen genommen" zu haben. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nach Angaben der Stadtverwaltung von Mariupol schlugen zudem zwei "extrem starke Bomben" ein, als gerade Zivilisten evakuiert werden sollten.

Angeblich humanitärer Konvoi gekapert

Laut Selenskyj wurde außerdem einer der humanitären Konvois "von den Besatzern gekapert". 15 Mitarbeiter des Katastrophenschutzes und Fahrer würden "gefangen" gehalten. "Wir tun alles, um sie zu befreien und die Blockade des humanitären Konvois aufzuheben", sagte Selenskyj. 

Die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Bei dem, was ich jetzt in Mariupol sehe, handelt es sich nicht um Krieg, sondern um Völkermord." "Kriegsschauplätze haben einige Regeln, einige Prinzipien. Was wir in Mariupol sehen, hat überhaupt keine Regeln".

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/22.03.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/22.03.2022

Raketenangriffe auf Militäranlagen in Riwne

Nach ukrainischen Angaben beschoss das russische Militär zudem nicht näher bezeichnete Militäranlagen im Umkreis der Stadt Riwne im Nordwesten der Ukraine mit Raketen. Dabei seien drei Raketen eingeschlagen, sagte der regionale Militärchef Vitali Kowalj der Agentur Unian. "Während eines Alarms am Abend hat der Gegner dreimal auf ein Objekt der militärischen Infrastruktur geschossen", hieß es. "Eine Kommission ist vor Ort, die Verluste werden festgestellt." Details nannte Kowalj nicht.

Schon am Montag hatte das russische Militär von Angriffen in der Region berichtet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurden dabei mehr als 80 Kämpfer der ukrainischen Seite auf dem Truppenübungsplatz Nowa Ljubomyrka im Gebiet Riwne bei einem Raketenangriff getötet. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. März 2022 um 04:55 Uhr.