Blick auf die Stelle eines schweren Verkehrsunfalls in Kroatien.

Kroatien Fahrer nach Busunglück festgenommen

Stand: 25.07.2021 18:08 Uhr

Die Passagiere wollten offenbar Urlaub in ihrer Heimat Kosovo machen: Bei dem Busunfall in Kroatien sind zehn Menschen ums Leben gekommen und 44 verletzt worden. Der Busfahrer wurde festgenommen.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Es ist kurz vor halb sieben am Sonntagfrüh als der vollbesetzte rote Reisebus von der Autobahn 3 abkommt im Südosten Kroatiens nahe der Stadt Slavonski Brod - unweit der Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Außer den beiden Fahrern sind 67 Passagiere an Bord, auch Bestian Secaj fährt mit. "Auf der Busfahrt nach Kosovo, als wir hier in Kroatien angekommen sind, ist der Bus umgekippt", erzählt er. "Der Fahrer hatte wohl einen Sekundenschlaf, hat man gehört. Wir sind irgendwie zur Seite gefallen, und dann ist der Bus schräg auf der Straße in eine Grube gerutscht."

Andrea Beer ARD-Studio Wien

Noch viele Opfer im Krankenhaus

Der Bus hat ein kosovarisches Kennzeichen und ist von Frankfurt am Main in die kosovarische Hauptstadt Pristina unterwegs. Eine Strecke, die das Busunternehmen mit Sitz im kosovarischen Gjakova regelmäßig anbietet. Mindestens zehn Menschen sterben bei dem Unfall, darunter einer der beiden Fahrer. Nach Angaben der kroatischen Behörden werden 44 der 67 Passagiere werden in das Josip-Bencevic-Krankenhaus in der nahegelegenen Stadt Slavonski Brod gebracht.

"Wie bei solchen großen Unfällen leider erwartbar, gibt es eine Reihe von Verletzungen", sagt der Chef der Klinik, Josip Samardzik. "15 Menschen sind schwer verletzt. Zwei von ihnen liegen auf der Intensivstation. Wir haben bereits drei Operationen gemacht, und einige liegen noch vor uns."

Fahrer vorläufig festgenommen

Passagiere die leichter verletzt sind, sollen - wenn möglich - bis morgen alle wieder entlassen sein. Schon heute konnten laut Krankenhaus einige wieder gehen. Der überlebende der beiden Busfahrer wurde festgenommen - wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Verletzten.

"Der Fahrer hat gesagt, er sei einen Augenblick lang eingenickt", sagt Staatsanwalt Slavko Pranjic, "aber das wird in den Ermittlungen erst festgestellt werden müssen." Der Bus sei von der Fahrbahn abgekommen und auf einen Grasstreifen neben der Autobahn gestürzt, so der Staatsanwalt. Die Unfallstelle werde gesichert und alles protokolliert, sodass eine mögliche Strafverfolgung erfolgen könne.

Kosovarischer Regierungschef auf dem Weg

Der kosovarische Regierungschef Albin Kurti ist auf dem Weg nach Kroatien und will mit dem kroatischen Regierungschef Plenkovic noch am Abend gemeinsam die Verunglückten im Krankenhaus in Slavonski Brod besuchen.

Auch Gezim Kasapolli ist vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Der kosovarische Botschafter in Kroatien besuchte die Verletzten im Krankenhaus in Slavonski Brod und sagte anschließend: "Es handelt sich um unsere Menschen aus dem Kosovo die in Deutschland arbeiten. Sie waren unterwegs, um ihren Urlaub zu Hause im Kosovo zu verbringen. Das sind die Informationen, die ich momentan habe, aber es ist wirklich sehr schwer noch etwas zu sagen."

Keine Kinder unter den Toten

Auf der Liste der Toten, die ihm vorliege, sei nach jetzigem Stand keines der Kinder, die in dem Reisebus gewesen seien, so Kasapolli. Der kroatische Gesundheitsminister Vili Beroš sagte dazu: "Es waren 15 Minderjährige an Bord des Busses. Ein Mädchen ist sehr schwer verletzt." Um sie und um die anderen werde sich streng nach den epidemiologischen Vorgaben gekümmert. "Abgesehen davon, dass dies ein schrecklicher Unfall ist, passierte er während einer Pandemie. Ich bin sehr froh über die Reaktion aller Beteiligten. Das Krankenhaus, die Polizei und die Notfalldienste, die alle sehr schnell reagiert haben."

Nicht nur im Kosovo herrschen Betroffenheit und Trauer über den Unfall. Der kroatische Regierungschef Andrej Plenkovic, sowie Staatspräsident Zoran Milanovic drückten den Angehörigen der Toten und den Menschen im Kosovo ihr Beileid aus.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Juli 2021 um 18:06 Uhr.