Der ehemalige Ministerpräsident Bojko Borissow bei der Stimmabgabe in einem Wahllokal in Sofia, Bulgarien. | EPA

Doppelwahl in Bulgarien Kopf-an-Kopf-Rennen ums Parlament

Stand: 14.11.2021 20:41 Uhr

Bei der Parlamentswahl in Bulgarien zeichnet sich laut Prognosen ein enges Rennen ab. Bei der zeitgleich stattfindenden Präsidentenwahl liegt Staatschef Radew indes klar vorn. Er muss dennoch in die Stichwahl.

Bei der Parlamentswahl in Bulgarien zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. In drei Prognosen vom Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale lag die Mitte-Rechts-Partei GERB des langjährigen Ministerpräsidenten Bojko Borissow mit Werten zwischen 23,5 bis 24,8 Prozent der Stimmen vorn. Eine Erhebung des Instituts Gallup International sah indes die neue zentristische Partei "Wir setzen den Wandel fort" an erster Stelle. Die erst im September von zwei ehemaligen Geschäftsleuten gegründete Anti-Korruptionspartei kam demnach auf 25,7 Prozent der Stimmen.

Es ist bereits die dritte Parlamentswahl in Bulgarien in diesem Jahr. Nach den bisherigen Urnengängen war es jeweils nicht gelungen, ein Bündnis aus Parteien mit regierungsfähiger Mehrheit zu bilden.

Politisch gespaltenes Land

Die Prognosen verdeutlichten die tiefe politische Spaltung in Bulgarien nach einem Jahrzehnt unter der Regierung Borissows. Das Land kämpft gegen einen Anstieg der Coronavirus-Fälle und hohe Energiekosten. Zudem sind viele Bürgerinnen und Bürger wütend über die weit verbreitete Korruption im Land.

Analysten hatten im Vorfeld der jüngsten Wahl erklärt, Borissow werde wohl keine Verbündeten für eine Koalition finden. Politische Differenzen und Rivalitäten hinderten daran aber bislang auch seine politischen Gegner.

Wahl des Präsidenten

Parallel zur Parlamentswahl stimmten die Wahlberechtigten in Bulgarien auch über ein neues Staatsoberhaupt ab. Bulgariens Präsident Rumen Radew gewann die erste Runde der Präsidentenwahl mit gut 49 Prozent der Stimmen klar. Das geht aus einer ersten Prognose des Meinungsforschungsinstituts Gallup International auf der Basis von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe hervor.

Auf Platz zwei liegt demnach mit 25 Prozent der Stimmen der Rektor der Universität Sofia, Anastas Gerdschikow. Dieser wird von der früher regierenden bürgerlichen GERB von Ex-Regierungschef Boiko Borissow unterstützt. Zwischen Radew und Gerdschikow muss es nun voraussichtlich am kommenden Sonntag eine Stichwahl geben. Diese wird notwendig sein, da Radew nicht mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Zwei weitere Meinungsforschungsinstitute, Alpha Research und Trend, veröffentlichten ähnliche Prognosen für den Ausgang der Präsidentenwahl.

Geringes Interesse an Wahlen

Zuvor zeichnete sich eine geringe Wahlbeteiligung bei der Doppelwahl ab. Bis zum Nachmittag hatten rund 25,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Kurz vor Schließung der Wahllokale um 19.00 Uhr (MEZ) teilte die Wahlkommission mit, dass sie mit einem Rekordtief bei der Beteiligung rechne.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2021 um 20:00 Uhr.