Fische liegen in einer Kiste. | picture alliance / dpa Themendie

Frankreich und Großbritannien Britischer Kutter an der Kette

Stand: 28.10.2021 08:50 Uhr

Seit Monaten streiten Frankreich und Großbritannien über Fischereilizenzen für den Ärmelkanal. Nun spitzt sich der Streit zu: Frankreich drohte mit konkreten Sanktionen und setzte ein britisches Boot fest.

Im Fischereistreit mit Großbritannien hat Frankreich ein britisches Fischerboot festgesetzt, das offenbar ohne Genehmigung im französischen Gewässer unterwegs war. Der Kutter sei von der französischen Küstenwache in den Hafen von Le Havre begleitet worden, nun übernehme die Justiz den Fall, twitterte die französische Meeresministerin Annick Girardin. Im Raum stünden eine Geldstrafe und die Beschlagnahmung des Fangs. Ein weiteres Boot sei verwarnt worden, weil es nicht umgehend auf Aufforderungen der Küstenwache reagiert habe, so die Ministerin weiter.

Hintergrund des Streits ist die Vergabe von Fischereilizenzen. Paris beklagt, dass die britischen Behörden französischen Fischern nicht genügend Genehmigungen für ihre Gewässer im Ärmelkanal erteilen. Infolge des Austritts Großbritanniens aus der EU war zwischen London und Brüssel ein Abkommen geschlossen worden, wonach europäische Fischer in britischen Gewässern nur mit Genehmigung weiter auf Fang gehen dürfen. Um eine Lizenz zu erhalten, muss ein Fischer nachweisen, dass er zuvor in diesen Gewässern aktiv war. 210 Genehmigungen haben die britischen Behörden bereits erteilt. Frankreich fordert aber noch 244 weitere.

Frankreich erhöht Druck

Erst am Mittwoch Abend hatte sich der Streit zugespitzt. Der französische Regierungssprecher Gabriel Attal hatte nach einer Kabinettssitzung angekündigt, dass britische Fischerboote von Dienstag an bestimmte französische Häfen nicht mehr anlaufen dürfen, sollte Großbritannien bis dahin nicht einlenken. Es sollen zudem "systematische Zoll- und Gesundheitskontrollen für angelandete (britische) Produkte" eingeführt werden. Lkw, die von Frankreich aus nach Großbritannien oder in die Gegenrichtung fahren, sollen demnach ebenfalls schärfer kontrolliert werden. Für die Zukunft würden weitere Maßnahmen ausgearbeitet, hieß es aus dem Ministerium.

Im Zentrum des Streits steht das Gebiet um die britischen Kanal-Inseln Jersey und Guernsey. Attal wiederholte die Drohung, dass Frankreich die Stromversorgung nach Jersey überdenken könnte.

Scharfe Kritik aus Großbritannien

Großbritannien kritisierte die französischen Drohungen scharf. "Sie sind enttäuschend und unverhältnismäßig und nicht das, was man von einem engen Verbündeten und Partner erwarten würde", erklärte ein Regierungssprecher. Paris scheine gegen das vereinbarte Handelsabkommen sowie gegen internationale Recht zu verstoßen.

Auf Twitter schrieb der britische Brexit-Minister David Frost: "Es ist sehr enttäuschend, dass Frankreich es für nötig hält, spät am Abend Drohungen gegen die britische Fischereiindustrie und, wie es scheint, gegen Händler im Allgemeinen auszusprechen." Er werde sich nun in Paris um Klärung bemühen, und er überlege aber auch, "welche Maßnahmen wir angesichts dieser Informationen ergreifen sollen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.