Rauch eines Waldbrandes steigt hinter einem Berghang auf der griechischen Halbinsel Euböa auf | dpa

Waldbrände am Mittelmeer Feuer noch immer nicht unter Kontrolle

Stand: 05.08.2021 17:22 Uhr

Bei den Bränden am Mittelmeer ist keine Entspannung in Sicht. In Griechenland bedrohen die Feuer das antike Olympia, in der Türkei gab es Sorgen um ein Kohlekraftwerk. Experten warnen auch für die nächsten Tage vor höchster Brandgefahr.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht von den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte des Landes. Fast 190 Feuer sind dort nach offiziellen Angaben der Regierung seit Mitte letzter Woche ausgebrochen - 15 davon sind noch immer nicht unter Kontrolle.

Acht Menschen kamen bislang ums Leben. Tausende Türken und Urlauber hatten die Flammen zum Verlassen ihrer Häuser oder Hotels gezwungen. Laut Doganay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität, brannten bisher mehr als 100.000 Hektar Land ab.

Besonders schlimm war die Lage in der Stadt Milas, wo die Feuer auf ein Kohlekraftwerk überzuschlagen drohten. "Die Flammen sind auf das Gelände des Kraftwerks übergesprungen", twitterte der Bürgermeister von Milas, Muhammet Tokat. Das Werk sei inzwischen vollständig evakuiert.

Nach einem rund elfstündigen Einsatz ist der Waldbrand dort unter Kontrolle gebracht. Eine erste Untersuchung habe gezeigt, dass es im Kraftwerk keine größeren Schäden gebe, sagte Präsidentensprecher Fahrettin Altun. Fernsehbilder zeigten Dutzende Feuerwehrautos und Tankwagen vor dem Hauptgebäude, das offenbar nicht beschädigt war. Einige spritzten Wasser, um die Anlage zu kühlen.

Umweltverbände warnen vor giftigen Gasen

Umweltaktivisten hatten zuvor gewarnt, die Kohlevorräte könnten sich entzünden und giftige Gase freisetzen. Die Nachrichtenagentur Demiroren berichtete, vorsorglich seien Tanks mit entflammbaren Flüssigkeiten auf dem Kraftwerksgelände geleert worden.

In Milas wurden bisher 2000 Häuser beschädigt, 16.000 Menschen mussten dem Innenministerium zufolge ihre Unterkünfte verlassen.

Erdogan weist Kritik an Krisenmanagement zurück

Das türkische Verteidigungsministerium teilte mit, die Marine habe Schiffe geschickt, um Bewohner aus umliegenden Wohnvierteln über das Meer in Sicherheit zu bringen. Zudem kündigte Erdogan weitere Hilfe aus dem Ausland an, um weitere Löschflugzeuge einsetzen zu können. Zugleich wies er Kritik am Krisenmanagement seiner Regierung zurück und machte die Kommunen für die Probleme verantwortlich.

Hohe Temperaturen und trockene, starke Winde haben die Brände in der Touristenregion in den letzten Tagen angefacht. Seit Beginn der Datenerfassung 2003 seien in der Türkei keine derart intensiven Feuer beobachtet worden, sagte Mark Parrington vom europäischen Copernicus-Klimawandeldienst.

"Uns stehen schwierige Tage bevor"

Auch auf der anderen Seite der Ägäis, in Griechenland, ist die Lage bedrohlich. Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes hatten sich die Flammen in der Nacht zwischenzeitlich dem Dorf Olympia und der berühmten antiken Stätte genähert, wo vor den Spielen stets das Olympische Feuer entzündet wird. Zwar konnten die Flammen eingedämmt werden, die Lage bleibt aber kritisch.

"Die Stätte ist vorerst gerettet", sagte der Gouverneur der Region Westgriechenland, Nektarios Farmakis, im Staatsfernsehen. Er warnte jedoch: "Die Gefahr ist nicht vorbei." Zu hoffen sei, dass der Brand mithilfe von Hubschraubern und Löschflugzeugen in den nächsten Stunden unter Kontrolle gebracht werde. "Uns stehen noch schwierige Tage bevor", sagte auch der Chef des Zivilschutzes, Nikos Chardalias, am Mittwochabend nach einer Krisensitzung mit der Feuerwehrführung.

161 Brände in 24 Stunden

Schwere Brände toben auch auf der Halbinsel Euböa und in zahlreichen Regionen der Halbinsel Peloponnes. An Euböas Küste mussten nahe der Ortschaft Rovies Dutzende Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht werden. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, mehrere Dörfer evakuiert.

Landesweit seien innerhalb von 24 Stunden 161 Brände ausgebrochen, hieß es vom Zivilschutz. Ein Feuer im Norden Athens konnte zunächst weitgehend eingedämmt werden, auch dank nachlassender Winde. Die Stadt stand jedoch unter einer Rauchglocke. Die Intensität der Brände in Griechenland habe inzwischen das übliche Maß der Sommermonate überschritten, so Klima-Experte Parrington.

Feuer auch in anderen Urlaubsländern - mehrere Tote

Auch in anderen Urlaubsregionen am Mittelmeer, etwa in Italien und Kroatien, wüten seit Tagen verheerende Waldbrände. Die EU schickte am Mittwoch Flugzeuge, Hubschrauber und Feuerwehrleute nach Griechenland, Italien, Albanien und Nordmazedonien.

Im Kosovo und in Albanien bangen Menschen wegen der unkontrollierten Flammen um ihre Häuser. Katastrophenschützer kämpfen gegen stets neu entstehende Brände. Zwei Menschen kamen bei Waldbränden ums Leben.

In Nordmazedonien rief die Regierung laut Medienberichten den Krisenzustand aus. Laut Presseberichten starb eine Frau. Sie sei vor dem Feuer in ihr Haus geflohen, habe sich dort eingeschlossen und sei danach in ihrem brennenden Haus gefangen gewesen.

An der Grenze zu Griechenland starben in Bulgarien zudem zwei Forstarbeiter bei Löschversuchen. Für viele Gegenden am Mittelmeer sagen Experten auch für die kommende Woche höchste Brandgefahr voraus.


Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichteten am 05. August 2021 die tagesschau um 09:00 Uhr und WDR 5 um 09:26 Uhr.

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KOMMENTARE

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rr2015 05.08.2021 • 17:19 Uhr

Ich glaube so einfach ist das nicht

Natürlich stimmt das mit den Jetstream, obwohl auch vorher am Boden entstanden. Es geht auch nicht um paar Windräder an der See , sondern um die Menge insgesamt in bestimmten Gebieten . "Warum macht das Wetter um uns einen Bogen, sprich warum fehlt den Wetter die Kraft ? " Natürlich gab es auch früher ortsfeste TD+HD- Gebiete. Aber in dieser Komplexität? Zum Schmetterling müssen Sie meinen Lehrer fragen der das damals sinnbildlich meinte. Die möglichen Auswirkungen und Ursachen müssen Wissenschaftler weiter klären . Mein Bauchgefühl sagt - mehr Solarkraftwerke. Ich habe Wald der seit Generationen gepflegt wird. In Thüringen wollte man Windräder laut Gesetz in den Wald stellen und Zufahrtsschneisen schlagen - ist nach Protesten vorerst vom Tisch.