Bilder der inhaftierten Roman Protassewitsch und Sofia Sapega  | EPA

Belarusischer Blogger Protassewitsch und Freundin in Hausarrest

Stand: 25.06.2021 10:49 Uhr

Knapp fünf Wochen sind vergangen, seit der belarusische Oppositionelle Protassewitsch und seine Partnerin nach einer erzwungenen Notlandung in Minsk festgenommen wurden. Nun sollen beide in Hausarrest verlegt worden sein.

Roman Protassewitsch und seine Partnerin Sofia Sapega haben offenbar das Gefängnis verlassen. Das berichten übereinstimmend der britische Fernsehsender BBC - unter Berufung auf Protassewitschs Vater - sowie die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja. Beide seien in Hausarrest in einer Wohnung in Minsk. Sie stünden damit weiter unter der vollen Kontrolle der belarusischen Behörden.

Oppositionsführerin Tichanowskaja bezeichnete die beiden als Geiseln des Systems von Machthaber Alexander Lukaschenko. Sie seien weiter angeklagt und stünden unter dem Druck ihrer Peiniger. "Wir sind in Kontakt mit Romans Eltern - ihnen wird gar nichts gesagt über ihren Sohn, und sie haben keine Möglichkeit, selbst mit ihm zu sprechen. Sie sind überzeugt, dass das Regime ein Spiel treibt und dabei die Leben von Roman und Sofia benutzt." Zudem säßen weiter mehr als 500 Gefangene in belarusischen Gefängnissen.

Von der Regierung in Belarus gibt es bislang keine Bestätigung der Verlegung. Lediglich die russische Botschaft in Minsk erklärte, dass die russische Staatsbürgerin Sapega in Hausarrest überführt worden sei.

Festnahme nach erzwungener Notlandung

Protassewitsch war Ende Mai an Bord eines Ryanair-Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius. Kurz vor dem Ziel - und damit kurz vor Erreichen des EU-Luftraums - wurde die Maschine von belarusischen Militärjets zur Landung in Minsk gezwungen. Dort wurden er und seine Freundin festgenommen.

Protassewitsch, der in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben war, hatte im Exil in Litauen gelebt. Ihm drohen nun viele Jahre Haft. Protassewitsch gehört zu den Mitbegründern des regierungskritischen Nachrichtenkanals Nexta. Die Behörden in Belarus stufen Nexta als "extremistisch" ein. Der Kanal hatte im vergangenen Jahr nach der Wahl immer wieder zu den Massenprotesten gegen Lukaschenko aufgerufen.

Die Festnahme löste international Protest aus. Erst gestern hat die EU Sanktionen gegen Belarus verhängt. Diese richten sich vor allem gegen belarusische Staatsunternehmen und sollen ihnen den Zugang zum Kapitalmarkt der EU erschweren. Betroffen sind unter anderem Unternehmen, die mit Erdölerzeugnissen, Kalidüngemitteln und Waren zur Herstellung von Tabakprodukten Geld verdienen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juni 2021 um 10:00 Uhr.