US-Außenminister Blinken bei der Landung in Kiew | AP

Blinken in der Ukraine Besuch in Kiew, Botschaft für Moskau

Stand: 06.05.2021 04:48 Uhr

US-Außenminister Blinken besucht die Ukraine. Millionenhilfen sollen dem Land den Rücken stärken - und ein Signal an Russland senden. Denn an eine rasche Lösung glaubt in Kiew kaum jemand.

Von Jo Angerer, ARD-Studio Moskau. zzt. Kiew

Gestern Abend landete US-Außenminister Antony Blinken in Kiew - im Gepäck hat vor allem eines: viel Geld. Bereits seit Beginn des Konflikts in der Ostukraine unterstützen die USA die Ukraine mit millionenschweren Militärhilfen. Diese sollen nun, so sieht es ein Gesetzesentwurf vor, auf rund 300 Millionen US-Dollar pro Jahr aufgestockt werden.

Jo Angerer ARD-Studio Moskau

Der neue US-Präsident Joe Biden hat seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj die "unerschütterliche Unterstützung der Vereinigten Staaten" zugesichert - vor allem angesichts der "andauernden russischen Aggression im Donezkbecken und auf der Krim".

Seit 2014 tobt in der Ostukraine ein in der Öffentlichkeit fast vergessener Krieg zwischen der ukrainischen Armee und pro-russischen Rebellen, die die Regionen Donezk und Luhansk von der Ukraine abspalten wollen. Tausende Menschen wurden bislang auf beiden Seiten getötet, fast täglich wird geschossen. Offiziell beteiligt sich Russland nicht an dem Konflikt, doch von militärischer Unterstützung der Rebellen durch die russische Armee ist immer wieder die Rede.

"Unterstützung gegen Russland wichtig"

Jüngst stationierte Russland Soldaten im Grenzgebiet. Von 80.000 sprach die ukrainische Seite, aus Brüssel hieß es, es seien weit über 100.000 gewesen. Inzwischen sind die Truppen wieder zurück in ihren Kasernen. Alles sei nur ein Militärmanöver gewesen, das nun beendet sei, so das russische Verteidigungsministerium. Andere sehen den russischen Aufmarsch als unverhohlene Drohung.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba ist überzeugt, dass hinter dem Abzug der russischen Truppen ein anderer Grund steckt. "Sie haben gesehen, dass die Bedingungen für konkrete Maßnahmen im Moment nicht gegeben sind", sagte er in einem Interview des Online-Mediums Radio Swoboda. "Dass der Westen und seine Partner bereit sind, die Ukraine zu unterstützen. Das war sehr wichtig."

Menschen glauben nicht an Kriegsende

Experten sehen im Besuch von US-Außenminister Blinken ein klares Signal an Moskau. "Die Amerikaner und Europäer sind selbst sehr besorgt", meint der Politologe Wolodymyr Fessenko. "Putin hat sie, meiner Meinung nach, noch stärker erschreckt als die Ukrainer." Russland habe - vielleicht ohne es zu wollen - durch den Aufmarsch im Grenzgebiet die USA näher an die Ukraine gebracht.

Das sieht auch der ukrainische Außenminister Kuleba so: "War der Faktor der Verschärfung vonseiten Putins günstig für die Intensivierung der Kontakte mit den USA? War er."

Die Menschen in der Ukraine glauben nicht an ein baldiges Ende des Konflikts. Eher, dass er sich verschärfen wird: 45 Prozent aller Ukrainer befürchten nach einer Umfrage vom April dieses Jahres einen Angriff Russlands. 64 Prozent befürworten einen Beitritt des Landes zur NATO. Und viele denken wie die 23-jährige Maria Neklesa: "Ich sehe keine Lösungen. Weil niemand in dieser Situation zurückweichen will."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 05. Mai 2021 um 06:51 Uhr.