Ampullen mit dem Impfstoff von Pfizer/BioNTech. | dpa

Vakzin von BioNTech/Pfizer EMA empfiehlt Zulassung für Kinder ab fünf

Stand: 25.11.2021 16:59 Uhr

Die EMA gibt grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffes der Hersteller BioNTech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahren. Es ist der erste Corona-Impfstoff, der in der EU für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen werden kann.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) macht den Weg für Impfungen von Kindern mit dem Covid-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer frei. Der zuständige EMA-Ausschuss empfahl eine Erweiterung der Zulassung auf Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren. Die finale Entscheidung muss noch von der Europäischen Kommission gefällt werden, dies gilt aber als Formsache. Bislang ist das Vakzin in der Europäischen Union erst ab zwölf Jahren zugelassen.

"Bisher nur die Spitze des Eisbergs"

Seit dem Sommer schnellen in vielen EU-Ländern die Infektionszahlen vor allem bei Jüngeren in die Höhe. Schwere Krankheitsverläufen treten bei Kindern selten auf, doch gebe es keinen Grund im Umgang mit den jüngeren Altersgruppen sorglos zu sein, sagt Marco Cavaleri. Er leitet die Impfstoffstrategie der Europäischen Arzneimittelagentur: "Auch Kinder können von gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einer Erkrankung an Covid-19 betroffen sein. Das ist erwiesen, aber wir glauben, dass wir da bisher nur die Spitze des Eisbergs sehen, und auch noch sehr wenig über Long Covid bei Kindern und Jugendlichen wissen. Deshalb bin ich sehr froh, dass das Vakzin von BioNTech/Pfizer ab heute auch für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassen ist."

2,4 Millionen Dosen für Deutschland

Die Impfung für Kinder enthält ein Drittel einer Erwachsenen-Dosis und wird zweimal im Abstand von drei Wochen in den Oberarm verimpft. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Montag erklärt, die gesamte EU erhalte die Lieferung des Kinder-Impfstoffs am 20. Dezember, Deutschland bekomme dann 2,4 Millionen Dosen auf einen Schlag. BioNTech bestätigte den Zeitplan.

"Pfizer und BioNTech gehen nach wie vor davon aus, dass die ersten Dosen am 20. Dezember an alle EU-Mitgliedsstaaten geliefert werden können. Mit der Lieferung an Deutschland kann etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Kinder zwischen fünf und unter zwölf Jahren geimpft werden", erklärte eine Sprecherin des Mainzer Herstellers. Der Zeitplan sei immer wieder mit Vertretern der EU-Kommission besprochen und vergangene Woche final bestätigt worden. Eine frühere Lieferung sei nicht zu erwarten: "Alle vorgelagerten Prozesse wurden auf diesen Stichtag ausgerichtet."

"Viele Ärzte warten auf STIKO-Empfehlung"

Die Entscheidung der EMA bringt in jedem Fall mehr Sicherheit,  meint Peter Liese. Der CDU-Politiker ist gesundheitspolitischer Sprecher der EVP, der größten Fraktion im EU-Parlament. "Das ist eine sehr gute Nachricht für Eltern und Kinder", sagt Liese. "Vor allem Kinder, die an Vorerkrankungen leiden, wie Down Syndrom, Herzfehler oder Lungenerkrankungen ist es dringend notwendig bei den jetzigen hohen Zahlen so schnell wie möglich eine Impfung zu bekommen." 

Die Entscheidung der EMA heißt allerdings nicht, dass nun auch die Impfung von Kindern empfohlen wird. Das können nur die nationale Regierungen beziehungsweise Gesundheitsbehörden entscheiden. In Deutschland ist deshalb nun die Ständige Impfkommission (STIKO) gefragt. "Die Zulassung erfolgt, weil der Impfstoff sicher und erprobt ist", sagt Tiemo Wölken, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Europaabgeordneten. "Deswegen erwarte ich auch, dass die STIKO jetzt schnell eine Empfehlung für Deutschland ausspricht, denn viele Ärzte und Ärztinnen warten auf diese Empfehlung."

STIKO will Empfehlung bis Ende Dezember abgeben

Die STIKO bereitet derzeit eine Empfehlung zur Impfung von Kindern zum Start der ersten Vakzin-Lieferung vor. "Unser Ziel ist es, diese Empfehlung bis Ende Dezember, möglichst bis zum Start der Auslieferung des Kinder-Impfstoffs an die Länder, fertigzustellen", hatte STIKO-Chef Thomas Mertens kürzlich gesagt. Bei der EU-Zulassung des Impfstoffs ab zwölf Jahren im Mai hatte die STIKO zunächst nur Impfungen von Jugendlichen mit Vorerkrankungen empfohlen. Erst im August hatte sie diese dann allen ab zwölf empfohlen und auf eine breitere Datengrundlage verwiesen, insbesondere aus dem US-amerikanischen Impfprogramm mit Millionen geimpften Jugendlichen.

Nach der Zulassung durch die Arzneimittelbehörde FDA Ende Oktober wurden in den USA bereits rund drei Millionen Kinder ab fünf Jahren mit BioNTech geimpft, in Israel und Kanada sind die Impfungen in dieser Woche angelaufen. Nach Daten des Robert Koch-Instituts ist in Deutschland die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe der Fünf- bis 14-Jährigen derzeit mit 882,9 mit Abstand am höchsten, gefolgt von den 15- bis 34-Jährigen mit einer Inzidenz von 468. Insgesamt stieg die Inzidenz am Donnerstag auf eine Höchstmarke von 419,7.

Mit Informationen von Matthias Reiche, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. November 2021 um 11:30 Uhr.