Blick auf ein Lager für Binnenflüchtlinge in der Nähe des Dorfes Kafr Aruq in Syrien (Archivbild aus dem Januar 2021) | dpa

Studie der Beobachtungsstelle IDMC 55 Millionen sind Flüchtlinge im eigenen Land

Stand: 20.05.2021 16:42 Uhr

Viele Menschen sind vor Gewalt oder Naturkatastrophen in andere Länder geflohen. Aber doppelt so viele sind innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht. Laut einer aktuellen Studie sind es 55 Millionen.

Die Zahl der Menschen, die innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht sind, steigt seit Jahren an und hat nach Angaben von Experten einen neuen Höchststand erreicht. Ende des vergangenen Jahres habe es weltweit etwa 55 Millionen Binnenflüchtlinge gegeben, teilte das Beobachtungszentrum für interne Vertreibung (IDMC) mit.

Damit gebe es etwa doppelt so viele Menschen, die innerhalb des eigenen Landes fliehen, als ins Ausland. Das Völkerrecht unterscheidet zwischen beiden Gruppen.

Länder wie Jemen doppelt betroffen

Hauptgrund für die Flucht seien Gewalt und Konflikte, so das IDMC. So hätten 48 Millionen Menschen aus diesem Grund Schutz in friedlicheren Regionen des eigenen Landes gesucht. Hinzu kämen aber "auch immer mehr Umwelteinflüsse, die Folgen des Klimawandels und die damit zusammenhängende Verstärkung oder Intensivierung der Naturgefahren", sagt Bina Desai von der Beobachtungstelle. Ende 2020 irrten den IDMC-Angaben zufolge sieben Millionen Menschen in ihrem Heimatland umher, weil Naturkatastrophen sie dazu gezwungen hatten.

Von Gewalt besonders betroffen seien Menschen in Ländern wie Afghanistan, Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, Mosambik oder Syrien. Es gebe aber auch Menschen, die sowohl von gewaltsamen Konflikten als auch von Naturkatastrophen betroffen seien - etwa im Jemen.

Corona erschwert den Einsatz von Helfern

Es sei erschreckend zu sehen, dass im vergangenen Jahr jede Sekunde ein Mensch gezwungen gewesen sei, innerhalb seines Landes aus seinem Zuhause zu fliehen, sagte der Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats, Jan Egeland. "Wir versagen darin, die verletzlichsten Menschen weltweit vor Konflikten und Katastrophen zu schützen. Das in Genf ansässige IDMC gehört zum Norwegischen Flüchtlingsrat und arbeitet eng mit den Vereinten Nationen zusammen.

Durch die Corona-Pandemie hat sich die humanitäre Lage vieler Binnenflüchtlinge noch einmal verschärft. So verschlechterte sich wegen der Schutzmaßnahmen und Restriktionen oft der Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Möglichkeit zu arbeiten. Zudem wurden Einsätze von Hilfsorganisationen erschwert.

Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Mai 2021 um 16:00 Uhr.