Wolodymyr Selenskyi | AFP

Krieg gegen die Ukraine Verstimmung in Kiew nach Biden-Äußerung

Stand: 11.06.2022 14:43 Uhr

Hat der ukrainische Staatschef Selenskyj frühe Warnungen der USA vor einem Überfalls Russlands nicht ernst genommen? Das zumindest sagt US-Präsident Biden. Die politische Führung in Kiew reagierte gereizt.

Der ukrainische Präsidentensprecher Serhij Nykyforow hat verstimmt auf Äußerungen von US-Präsident Joe Biden reagiert. Der hatte bei einer Veranstaltung in Los Angeles Staatschef Wolodymyr Selenskyj vorgeworfen, vor Kriegsbeginn die von Russland ausgehende Gefahr nicht ernst genug genommen zu haben.

Es habe bereits vor dem 24. Februar Beweise dafür gegeben, dass Kremlchef Wladimir Putin die Ukraine überfallen wolle. "Es gab keinen Zweifel. Und Selenskyj wollte es nicht hören - viele Leute wollten es nicht", fügte Biden hinzu. Die US-Regierung habe jedoch Daten gehabt, die ihre Einschätzung stützten. "Ich weiß, dass viele Leute dachten, ich würde übertreiben", sagte er mit Blick auf die damaligen Warnungen

Nykyforow erwiderte in der Onlinezeitung Liga.net, die Phrase "wollte nicht hören" bedürfe sicherlich einer Erläuterung. Sein Präsident habe die internationalen Partner immer wieder dazu aufgerufen, präventiv Sanktionen zu verhängen, um Russland zu einem Abzug der damals bereits in der Grenzregion zur Ukraine stationierten Truppen zu zwingen. "Und hier kann man schon sagen, dass unsere Partner uns nicht hören wollten", sagte er.

Vorwurf des Alarmismus

Die USA hatten tatsächlich lange vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor einer Invasion gewarnt. Bei einigen europäischen Staaten stießen die Äußerungen damals auf Unglauben und sogar Kritik. Einige Länder warfen Washington Alarmismus vor.

Selenskyj wird wiederum vorgeworfen, die Ukraine nicht ausreichend auf einen russischen Überfall vorbereitet zu haben. Er hatte in den Wochen vor Beginn der Invasion gereizt auf die wiederholten Warnungen der USA reagiert, unter anderem weil er fürchtete, dass das Szenario eines drohenden Krieges der ukrainischen Wirtschaft schaden könnte.